Wanderer von "Kaiserliche Landstraß" fasziniert
Auf den Spuren der Zeit

Beim Start am Sattelroß erzählte Ludwig Berger einige Sagen und Begebenheiten rund um das Naturdenkmal.
Lokales
Oberviechtach
25.09.2014
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Der Verlauf der einstigen Handelsstraße nach Böhmen ist noch heute in tief eingeschnittenen Fahrrinnen und Hohlwegen im Wald zu erkennen. Mit Wanderführer Georg Lang war eine Gruppe auf der geschichtsträchtigen Strecke unterwegs.

Sagen, Geschichten und wahre Begebenheiten, sowie Hintergründe und vor allem viele Informationen über die "Freie kaiserliche Landstraß", gab es für die Teilnehmer einer Wanderung, die auf einer sieben Kilometer langen Strecke vom Sattelroß bis Pirkhof führte. Sigrid Breitschafter, Leiterin der Tourist-Information, begrüßte die Gruppe beim Ausgangspunkt.

Der Exkursionsleiter, Studiendirektor Georg Lang, selbst direkter Anwohner dieser geschichtsträchtigen alten Handelsstraße, schilderte zunächst anhand einer historischen Landkarte den Verlauf der Überlandstraße von Schwarzhofen bis nach Muttersdorf in Böhmen. Die Altstraßen verliefen meist auf Höhenzügen, da die Handelsleute hier bessere Reisebedingungen hinsichtlich Witterung und Jahreszeit hatten. Die Orientierung war durch Fixpunkte wie Bäume, Bildstöcke, Kreuze oder Kapellen erleichtert. Letztere wurden häufig nach einem glimpflich abgelaufenen Unfall mit dem Fuhrwerk errichtet. Die Wandergruppe machte sich in Richtung Nordosten auf den Weg. Man konnte den Verlauf der einstigen Handelsstraße zwischen Sattelroß und WSV-Skihütte auch in tief eingeschnittenen Fahrrinnen, bzw. einem parallel verlaufenden Hohlweg im Wald noch gut erkennen.

Als höchster Punkt (610 Meter) im Oberviechtacher Streckenverlauf gilt die Johannisbergkirche. Dieser Wallfahrtskirche statteten die Teilnehmer einen Besuch ab, wobei der Wanderführer hier ebenfalls viel Wissenswertes zu berichten wusste, unter anderem über die drei Johannesdarstellungen am Altar mit dem böhmischen Heiligen Johannes Nepomuk. Demnach geht die Gründung dieser Kirche zurück auf einen Bildstock und eine bereits 1704 existierende Holzkapelle zur Zeit von Pfarrer von Miller. An dieser Stelle kreuzte die ehemalige Landstraße auch der früher viel benutzte "Winklarner Steig". Nachdem die Bundesstraße 22, besser bekannt als "Ostmarkstraße", überquert war, durften sich alle Teilnehmer im Anwesen Lang mit einem "Voglbirlschnaps" stärken.

Schmiede und Gasthaus

Die Bedeutung dieser "Kaiserlichen Landstraß" wird aber nicht nur an der aufstrebenden Wallfahrt zum Johannes Nepomuk deutlich, betonte Georg Lang. Mehr noch als an diesem religiösen Kristallisationspunkt, gab es Auswirkungen auf die an der Straße gelegenen Ortschaften. Vor allem für Nunzenried sind vom 16. bis 18. Jahrhundert viele Aktivitäten wirtschaftlicher Art nachzuweisen. So ist vor dem Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges eine Gastwirtschaft großen Stils errichtet worden und 1649 entstand auch die erste Schmiede im Ort. Initiator war der Oberviechtacher Bürgermeister Simon Wellenhofer, der in Nunzenried drei Höfe besaß. Die Genehmigungsurkunde sagt aus, dass "eine solche Schmitstadt den frembten, durchreisenten Führleiten und auch den Bauern zum besten Cheme".

Kreisheimatpfleger Ludwig Berger bedankte sich bei Georg Lang für dessen wertvolle Arbeit beim "Lebendigmachen" der vergangenen Zeit.
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