"Wellbappn" in der Dreifachturnhalle: Musik, Witz und Lokalkolorit
"Blauhelme" für den Stadtrat

Hans Well und seine Kinder Jonas, Tabea und Sarah (von links) boten als "Wellbappn" ein unterhaltsames bayrisches Musikkabarett vom Feinsten. Eingeladen dazu hatten die Freunde der Kunst. Bild: weu
Lokales
Oberviechtach
11.11.2014
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Ein Potpourri aus musikalischer Professionalität, feinsinnigem und derbem Witz, scharfer Polit-Analyse und beißendem Spott. Das boten die "Wellbappn" in der Dreifachturnhalle. Vater Hans Well und seine drei Kinder Sarah, Tabea und Jonas begeisterten aber auch mit Lokalkolorit.

Die Gäste wurden mit einer guten Portion Lokalkolorit begrüßt. Da war die Rede von "Blauhelmen", die zum Einsatz kommen, wenn es zwischen den Fraktionen im Oberviechtacher Stadtrat heiß hergeht. Ein "schwarzer Landrat" habe Marianne Schieder ihren "Austragsposten" stibitzt, und die Windrad-Gegner tun so, als sei ein Windrad schlimmer als die WAA. "Willst du kulturell was erleben, musst du zu den Freunden der Kunst gehen", stellte Hans Well fest. In Hausen, der Heimatgemeinde der Wells, mögen sich die Leute. Deshalb trage der Gesangsverein den Namen "Harmonie"; und die Schützen nennen sich "Eintracht".

Viele Instrumente

Das bayerisch-zünftige Quartett machte sich spitzzüngig Gedanken über Kreisverkehr und Windrad, über Seehofer und die große Politik. Sparmaßnahmen in Gemeinden und Leerstände wurden angesprochen: "Wenn der Dorfladen scheitert, könnte man zur Belebung der Mitte den Friedhof erweitern." Musikalisch toll umgesetzt, trugen die Vier hochaktuelle Themen mit jugendlicher Frische vor. Schnell wurde klar, dass Hans Well und seine Kinder ihr Handwerk verstehen.

Mindestens ein Dutzend Instrumente kam perfekt zum Einsatz. Jonas Well, der Jüngste der Formation, glänzte mit Kontrabass, Tuba und Trompete, während seine Schwestern mit Geige, Akkordeon und tollen Stimmen beeindruckten. Eine gelungene Mischung aus Volksmusik und Instrumentalstücken, die zum Genießen, zum Lachen, aber auch zum Nachdenken anregten, ging Hand in Hand.

Das Quartett nahm kein Blatt vor den Mund. Die liebe Not mancher Schüler mit dem Schulsystem wurde so zum Ausdruck gebracht: "Und bringst du nochmal einen Dreier heim, dann schlachten wir dein Hasilein." Als Lösung für das umstrittene "G 8" empfahlen die Wellbappn "Hartz IV". Bachelor und Master hießen auf Deutsch "Desaster". In Anlehnung an den "Erlkönig" besangen Hans Well und sein Sohn Jonas die rasante Fahrt zum Kindergarten, die mit dem Führerscheinentzug endete.

Die Neuerungen bei der Automesse IAA kamen ebenfalls zur Sprache. Da gäbe es Autos mit "integrierter Fettabsaugung" und einer "Gratis-Feuerbestattung bei Unfällen". Das leidige Thema "Maut" führte zu der Aussage: "Was Politiker bei der Wahl versprechen, das kann euch teuer werden."

Wahre Lachsalven löste das Lied "Pfingsten 2013" aus, in dem auf listige Weise beschrieben wurde, wie das Feuerwehrfest mit Fahnenweihe von der Flut überrollt wurde und die "Fahnenmutter auf dem Carport auf die Staustufe zuschießt." "Da is da Wurm drin" stellten die Vier fest und gaben Beispiele wie etwa "Pizza mit Rind vom alten Lipizzaner". Vor der Pause, in der die Gäste mit Getränken von Schülern des P-Seminars versorgt wurden, wurde in "Bavarian-English" dem Bayernland gehuldigt und sogar eine kleine Bayernfahne gehisst.

Bissige Gstanzln

Nach der Pause ging es rasant weiter. Hans und Jonas gingen für Tabea und Sarah auf Brautschau, "weil der Platz dahoam langsam z'eng wird". Kritische und bissige Gstanzln erzählten vom "alltäglichen Wahnsinn", dem Skifahren in Tirol und dem Eisschlag bei Windrädern. Bei der Zugabe wurden sogar Alphörner eingesetzt, um zu verdeutlichen, wie Hansi Hinterseer mit seinen Fans auf den Berg steigt. Die Zuschauer waren begeistert und zeigten dies auch durch tosenden Beifall.
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