"Wilde Jagd" am Galgenberg

Der spektakuläre Auftritt der Gruppe "Schwarzachtalpass" hatte das alpenländische Brauchtum des Perchtentreibens zum Inhalt.
Lokales
Oberviechtach
10.01.2015
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Wenn der "böhmische Wind" in eisiger Nacht um die Häuser pfiff und unheimliche Geräusche erzeugte, dann waren die Menschen früher voller Angst. Die Teilnehmer an der "1. Oberviechtacher Rauhnacht" können dies jetzt gut verstehen. Auch sie hatten Gänsehaut.

Positiv überrascht zeigte sich Organisator Tobias Ehrenfried, als er eine große Anzahl Interessierter zur ersten "Oberviechtacher Rauhnacht" des Tourismusvereins Oberviechtacher Land begrüßen konnte. Zu Beginn des Abends wurde den Teilnehmern bei einer Fackelwanderung mit Nachtwächter (Manfred Aschenbrenner) die Geschichte der Oberpfälzer Rauhnächte und die Gestalten durch stellvertretenden Vorsitzenden Dr. Reiner Reisinger erläutert.

Keine Wäsche aufhängen

Der Name "Rauhnacht" geht zurück auf das mittelhochdeutsche "ruh" (haarig). Zwei fellbekleidete Dämonen (Andreas Meier mit Sohn) vermittelten den Ursprung dieser Bezeichnung. Die eigentliche Herkunft der Rauhnächte liegt in vorgemanischer Zeit. Dort hatte das Jahr nur 354 Tage. Die fehlenden Tage zum heutigen Sonnenkalender am Ende des Jahres sah man als "tote Tage" an, in denen Naturgesetze außer Kraft gesetzt sind, unheimliche Dinge passieren und die Pforte vom Diesseits ins Jenseits weiter offen stand als sonst. In jeder Rauhnacht sollen beispielsweise Frauen und Kinder nicht alleine auf die Straße gehen, keine Wäsche aufgehangen oder gefastet werden. Ebenso konnte man in den sogenannten "Losnächten" etwas über das Liebesglück erfahren.

Die Schreckgestalten, die in diesen Nächten ihr Unwesen trieben, sind häufig von der germanischen Götterwelt herzuleiten. Die Luzier (13. Dezember) zeigt sich in der Oberpfalz mit wirrem Haar und Vogelkopf, langem Schnabel und Messer. Im Zeichen der Thomasnacht (21./22. Dezember) erschreckte der "Thamer mitm Hammer" die Wanderer unter Ketten- und Glockenlärm mit seinem großen Schlägel.

Am Galgenberg angekommen, wo früher Straftäter gerichtet wurden, erläuterte Dr. Reisinger die "Wilde Jagd" und der Boandlkramer (Dr. Florian Waldherr) erinnerte die Wanderer an die Endlichkeit des irdischen Daseins. Nach den Aufzeichnungen von Schönwerth warnte Dr. Reisinger an der Bleichangerkapelle vor der "Drud", die in nächtliche Schlafzimmer eindringt. Die Teilnehmer erhielten einen guten Ratschlag, wie Kirchgänger in der Christmette Hexen erkennen können. Wieder im Biergarten Deyerl angekommen, wurde eine mittlerweile große Besucheranzahl unter der Leitung von Vorsitzenden Hermann Deyerl mit Glühwein und Kartoffelsuppe verpflegt.

Sieben Todsünden

Für Begeisterung bei Alt und Jung sorgte der spektakuläre Rauhnacht-Auftritt der Gruppe "Schwarzachtalpass", die es sich auf die Fahnen geschrieben hat, das alpenländische Brauchtum des Perchtentreibens auch in der Oberpfalz darzubieten. Ein mit vielen Effekten angereicherter Auftritt, rief den Besuchern die sieben Todsünden in Erinnerung und es blieb kein Auge trocken.

Die handgefertigten Masken und Kostüme der Hexen, Deifl und Dämonen beeindruckten und boten eine gute Gelegenheit für Fotos. Die "1. Oberviechtacher Rauhnacht", die in stimmigen Ambiente ausklang, konnte als Erfolg verbucht werden.
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