Winterdienst im Feiertagsstress

Lokales
Oberviechtach
02.01.2015
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Der bisher milde Winter half beim Sparen. Doch seit einer Woche ist die "weiße Pracht" da und Bauhof-Chef Hans Ruml muss täglich entscheiden, ob um 4 Uhr alle aus den Betten müssen. Mit den Feiertagen verzieht sich aber auch der Schnee. Bei Blitzeis und Sturm wird es so richtig ungemütlich.

"Weiße Weihnachten" stand bei vielen Bürgern auf dem Wunschzettel. Zwei Tage verspätet trafen Schnee und Kälte dann mit Tief "Hiltrud" auch ein, worüber sich die Mitarbeiter des Bauhofs allerdings wenig freuten. Für sie bedeuteten die herbeigesehnten Schneeflocken jede Menge Mehrarbeit und Rufbereitschaft.

Eine Gefühlssache

Seit letzten Samstag sind Mannschaft und Fuhrpark im Winter 2014/15 so richtig gefordert. Von Sonntag auf Montag meinte es Väterchen Frost gar besonders gut. "Minus 16 Grad Celsius wurden bei der Kläranlage gemessen", berichtet Bauhofleiter Hans Ruml. Er ist neben Stellvertreter Hubert Hammerer der "Späher" und übernimmt die Frühschicht. Je nach Witterung überprüft er um 3 Uhr morgens Außentemperatur und Straßenzustand. Zwei Mal täglich (1.26 und 14 Uhr) läuft eine Computermeldung für die Wetterlage auf; dazu wird die Drei-Tages-Vorschau beobachtet. "Ein Problem ist, dass zwischen 5.30 und 6.30 Uhr das Wetter oft umschlägt", berichtet Ruml. "Es ist meist eine Gefühlssache", sagt der erfahrene Winterdienstler, zur Entscheidung, in welchem Umfang er die Alarmierung um 4 Uhr startet. Sieben Fahrzeuge stehen zur Verfügung: zwei Lkw's, ein Traktor, zwei Kleinfahrzeuge, ein Unimog für den Einsatz in den Dörfern und ein Handdienst für Treppen und Schule.

"Durch den späten Winteranfang haben wir heuer viel eingespart", meint Ruml. Gespart wurde auch schon im milden Winter 2013/14. In der Bauhofhalle lagern 350 Tonnen Salz; davon mussten nur 120 Tonnen beim Frühbezug im Herbst angekauft werden. Rund 90 Euro kostet die Tonne Salz. Split dagegen gibt es schon für 15 Euro/Tonne. "Ich bin ein Freund von Split", erklärt Ruml, dieser sei nachhaltig, besonders bei Steigungen. Bei mehr als 8 Grad Kälte greife das Streusalz nicht mehr so gut. "Salz braucht Bewegung. Dafür ist bei uns zu wenig Verkehr", gibt Ruml zu bedenken. Nachdem sich in den Vorjahren die Beschwerden von Autofahrern häuften, wird nun auf Split verzichtet. Tückische Begleiter sind derzeit Glatteis und überfrierende Nässe. Besonders in der Silvesternacht hielt Nieselregen zur Vorsicht an und auch gestern sorgte das Tauwetter für einige brenzlige Situationen. Der Höhenunterschied im Gemeindebereich (mehr als 200 Meter) macht im Winter enorm viel aus. Auch Schneeverwehungen sind im "Hinterland" gefürchtet.

Schimpfen bringt nichts

85 Kilometer Gemeindeverbindungsstraßen gehören zum Zuständigkeitsbereich. Dazu kommen die Innerortsstraßen sowie Verbindungswege und Gerätehaus-Vorplätze. Ebenso wie für die Bürger, gilt auch für den Bauhof die Räum- und Streupflicht von 6 Uhr bis 20 Uhr. Deshalb ist der Handdienst schon früh morgens unterwegs und befreit Wege und Treppen von Eis und Schnee.

Was wünscht sich Hans Ruml von der Bevölkerung? Er muss nicht überlegen: "Dass der Schnee nicht auf die Straße geräumt wird!" Dies sei verboten und könne auch zur Haftungsfrage werden. Ruml gibt zu bedenken, dass alle Anlieger in der Pflicht sind: "Auch bei Straßen ohne Gehsteig muss eine Gehlinie in einer Schaufelbreite geräumt werden." Der Bauhof-Chef versteht nicht, warum Leute seinen Fahrern "hinterher schimpfen". "Der Schneepflug kann den Schnee nicht verschwinden lassen, sondern nur zur Seite räumen!"
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