Zündelnde Kinder lösen 1882 Katastrophe aus - Spendenaufruf in ganz Bayern lindert die Not
Nach Großbrand über 100 Obdachlose

Lokales
Oberviechtach
07.07.2015
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Gegenseitige Hilfe der Feuerwehren aus der Region war bereits im 19. Jahrhundert angesagt. Beispielsweise ist in den Quellen des Stadtarchivs belegt, dass die Oberviechtacher Wehr 1866 die Pfarrkirche von Niedermurach vor der Vernichtung bewahrte und im März 1868 bei einem Brand in der Teunzer Ortsmitte die Ausbreitung des Feuers verhinderte, als bereits sechs Anwesen in Flammen standen.

Ein verheerender Großbrand brach an Jakobi (25. Juli) des Jahres 1882 in Oberviechtach aus, als Kinder im Wirtschaftsgebäude der Schneider-Witwe Magdalena Schmid zündelten. Aufgrund der Holzbauweise griff das Feuer in Windeseile auf 18 Wohnhäuser im Ostteil des Marktes über. Die Brandbekämpfung lief nur schleppend an, weil viele Feuerwehrmänner am traditionellen Jakobi-Fest in Fuchsberg teilnahmen. Um die Häuser ab dem Anwesen des Kaufmanns Mehler und um den Pfarrhof zu retten, wurden zwei Wohngebäude kurzerhand abgerissen.

Hilfskomitee

22 Familien mit insgesamt 112 Personen wurden an diesem Tag obdachlos. Zur Linderung der Not leitete Bürgermeister Rohrmüller eine bayernweite Kollekte für die Brandleider ein. An die Redaktionen von 18 Zeitungen von Augsburg bis Fürth und von Passau bis München ergingen Spendenaufrufe, worauf das eigens gegründete "Hilfskomitee" mit dem stattlichen Spendenaufkommen von 42 406 Mark die Not der betroffenen Bürger lindern konnte.

Parallel zum Bau eines neuen Feuerwehrhauses auf dem Gelände des heutigen "Haus der Stiftung" wurde 1927 auch eine leistungsstarke Motorspritze der Firma "Magirus Feuerwehrgeräte GmbH München" angeschafft. Zwar plädierte ein Teil der Markträte für den Kauf einer kostengünstigeren zweiten Handdruckspritze, doch gegen diesen Vorstoß gab es stichhaltige Argumente.

Während die vorhandene Handdruckspritze unter hohem körperlichen Einsatz nur 120 Liter Löschwasser pro Minute lieferte, förderte die "Magirus-Benzin-Motorspritze Modell 1926" mit ihrer Hochdruck-Zentrifugal-Pumpe 800 bis 1000 Liter Wasser pro Minute. Zusammen mit dem Schlauchmaterial und einer kompletten Lichtanlage kostete diese Motorspritze mit der Aufschrift "Gemeinde Oberviechtach 1926" 6700 Reichsmark. Die Gesamtkosten für das Gerätehaus beliefen sich auf 4.485 Reichsmark. Um den Transportschwierigkeiten bei der neuen Spritze zu begegnen, trug man sich seit längerem mit der Anschaffung eines adäquaten Fahrzeugs. Die Realisierung war erst möglich, als im Jahr 1934 neben den Eigenmitteln der Marktgemeinde auch ein Zuschuss des Feuerlöschfonds zur Verfügung gestellt wurde. Der Transportwagen für Spritze und Mannschaft war ein amerikanischer "Buick", der von der Waldmünchener Firma Max Scheubeck für die entsprechende Nutzung umgebaut und am 30. August 1934 ausgeliefert wurde.

Problem mit Ersatzteilen

Das Waldmünchener Unternehmen hatte auch für die Feuerwehren in Neunburg, Waldmünchen und Cham Wagen umgebaut. Da es sich um ein ausländisches Modell handelte, war die Ersatzteilbeschaffung allerdings schwierig, berichtete der einstige Kreisbrandinspektor Fritz Roßmann sen. (gest.), der dieses Fahrzeug selbst noch gesteuert hatte.
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