Zuwendung statt Hektik

Die Dekoration im Alten-und Pflegeheim stimmt auf Weihnachten ein. Damit auch bei der Bescherung mit dem Pflegestärkungsgesetz nichts schief läuft, konfrontieren (von links) Verwaltungsleiterin Michaela Mösbauer, Heim- und Pflegedienstleiterin Katharina Schneider, MdB Karl Holmeier und Geschäftsführer Karl-Heinz Stoppa den Pflagebevollmächtigten der Bundesregierung mit Erfahrungen aus der Praxis. Bild: Bugl
Lokales
Oberviechtach
30.11.2015
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Formulare über Formulare. Das hat den Pflegekräften die Zeit für hilfsbedürftige Menschen geraubt. Jetzt wird gegengesteuert. Wo sonst noch korrigiert werden soll, kann ein kompetenter Politiker am 8. Dezember in Alten- und Pflegeheim von Oberviechtach erfahren.

In der Einrichtung ist für den 8. Dezember eine Pflegekonferenz anberaumt. "Es geht um das Pflegestärkungsgesetz II und die Herausforderungen in einer immer älter werdenden Gesellschaft", informierte am Montag Karl-Heinz Stoppa, Geschäftsführer des Alten- und Pflegeheimes. Teilnehmen werden Ärzte und Mitarbeiter von Pflegeeinrichtungen aus den Landkreisen Schwandorf und Cham. Sie können die geplanten Reformen mit Staatssekretär Karl-Josef Laumann diskutieren, der als Pflegebevollmächtigter der Bundesregierung die Fäden für die Zukunft der Pflege in der Hand hält. Die Einladung dazu geht von dem CSU-Bundestagsabgeordneten Karl Holmeier aus.

Auf Kritik reagiert

Warum dieser Dialog so wichtig ist, erläuterte Holmeier beim Pressegespräch am Montag. Er erinnerte an Treffen in der Vergangenheit, bei denen das Thema "Bürokratie" auf den Tisch gebracht wurde und verwies auf erste Schritte, die zum Abbau allzu ausufernder Verwaltungstätigkeiten in die Wege geleitet wurden. "Die Formulare sind immer mehr geworden. Nur was geschrieben stand, galt als gemacht", bestätigte auch die Heim- und Pflegedienstleisterin in Oberviechtach, Katharina Schneider. "Es muss doch ausreichend sein, wenn der Pfleger abends sagt: ,Ich habe den zu Pflegenden ordentlich betreut'", war auch der Standpunkt von Holmeier.

Kompetent ohne Liste

Inzwischen sei die entbürokratisierte Pflegedokumentation angelaufen, berichtete Schneider: "Da fällt schon ganz viel, jetzt muss man nicht mehr so viel schreiben, und die Kompetenz der Fachkraft wird gestärkt." Allerdings werde es einige Zeit dauern, bis das neue Schema und auch die Auszubildenden mit den neuen Wegen in der Pflege vertraut gemacht werden können. "Wenn jemand gefährdet ist, sich wund zu liegen, dann sehe ich das als Fachkraft", stellt Schneider klar, "dazu muss ich keine Listen ausfüllen". Dann bleibe auch mehr Zeit für Zuwendung, ein kurzes Gespräch oder einen kleinen Spaziergang. "Da wird einfach die Hektik rausgenommen", ist die Pflegedienstleiterin überzeugt.

In Bewegung will Holmeier auch künftig die Entwicklung der Pflegegesetze sehen. "Wir wollen schauen, dass mit den Neuerungen niemand benachteiligt wird und wie man das abfedern kann", erklärte er.

Thema für die Pflegekonferenz am Dienstag, 8. Dezember, könnte aber auch die angedachte einheitliche Ausbildung für Altenpfleger und Krankenschwestern sein, bei der Fachleute eine Beschneidung der Pflege befürchten. "Und als nächstes steht noch das Hospiz- und Palliativgesetz auf der Agenda", ergänzte Geschäftsführer Stoppa.

Diskussionsbedarf gibt es laut Stoppa nicht zuletzt über den Grundsatz "ambulant vor stationär". "Wie sieht denn so eine Betreuung daheim aus, wenn die jungen Leute zur Arbeit gehen und erst um 5 Uhr zurückkommen?", gab er zu bedenken und fügte hinzu: "Die Pflegebedürftigen sind doch mündig, sie können sich das selber aussuchen."
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