Feuer der Solidarität entfacht

Durch einen Brandanschlag auf das Kloster Tabgha sind Teile des Atriums der Kirche (Bild), die Klosterpforte und der Diwan bis auf die Grundmauern abgebrannt. Bild: Dormitio (hfz)
Politik
Oberviechtach
18.07.2015
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Die Täter haben im Kloster Tabgha in Israel am See Genezareth zwei Feuer gelegt: ein vernichtendes voller Hass und - ungewollt ein Feuer der Solidarität und Hilfsbereitschaft. Letzteres reicht bis in unsere Gegend. Warum bewegt der Brandanschlag auch Menschen in der Region?

In Tabgha am Nordufer des Sees Genezareth lebt und arbeitet Pater Matthias Karl (Jahrgang 1969), der aus Schneeberg bei Winklarn stammt. In seiner Heimatpfarrei feierte er 1996 Primiz und nach mehreren priesterlichen Stationen im Bistum Regensburg legte er 2009 in der Dormitio-Abtei in Jerusalem die Ewige Profess bei den Benediktinern ab.

Die Pilgerstätte mit der weltberühmten Brotvermehrungskirche am Fuß des Berges der Seligpreisungen wird von den Benediktinern betreut. Tabgha ist quasi eine Außenstelle (Priorat); ihren Hauptsitz haben die Benediktiner in der Dormitio-Abtei auf dem Berg Zion in Jerusalem. An das Priorat in Tabgha angegliedert ist eine Begegnungsstätte, die von den Mönchen "Beit Noah" genannt wird. Hier ermöglichen sie israelischen und arabischen Behinderten und traumatisierten Kriegsopfern sowie Kindern und Jugendlichen Ferien- und Erholungszeiten.

Bestürzt und fassungslos

Viele aus dem Bekannten- und Freundeskreis von Pater Matthias - erst kürzlich zu den Trauerfeierlichkeiten von BGR Josef Preßl Anfang Juni weilte er wieder in seiner Heimatpfarrei Winklarn - erfuhren mit Bestürzung aus dem "Neuen Tag" vom Brandanschlag am 18. Juni auf das Kloster Tabgha. Teile des Atriums der Kirche, die Klosterpforte und der Diwan sind bis auf die Grundmauern abgebrannt; ein Pater und ein Volontär wurden mit Rauchvergiftungen ins Krankenhaus eingeliefert. Nach den Ermittlungen der israelischen Polizei sind jüdische Extremisten, die entsprechende Parolen hinterließen, für den Brandanschlag verantwortlich. Fassungslos und in Gedanken in Tabgha ist auch die Reisegruppe, die im Jahre 2010 und zuletzt 2014 jeweils zehn Tage zusammen mit Pater Matthias an den heiligen Städten in Jerusalem und in Gebiet Tabgha verbrachte.

Marianne und Reinhold Malzer aus Oberviechtach, die 2014 in Israel mit dabei waren, nahmen Kontakt mit Pater Matthias auf und starteten unter den Israel-Pilgern des vergangenen Jahres eine Hilfsaktion für Tabgha. Über 1 500 Euro sind dabei zusammengekommen und mittlerweile auch zu den Benediktinern weitergeleitet. Doch die Hilfe soll noch weitergehen! Dazu haben die Mönche ein extra Spendenkonto eingerichtet (siehe Info-Kasten). "Wir können tatsächlich viele Spenden gut brauchen, denn auch wenn uns die Versicherung und der Staat Israel beim Aufbau helfen, so sehen wir sehr deutlich, dass wir über die nötigen Finanzen für den Wiederaufbau noch viel mehr Geld brauchen", schreibt Pater Mathias.

Keine Einnahmequellen

Durch den Brand haben die Mönche aktuell gar keine regulären Einnahmen, denn Pilger und Touristen sind für die Benediktiner - wie für die meisten christlichen Gemeinden im Heiligen Land - die wichtigste Einnahmequelle. Erst Ende Juni haben die Aufräumungsarbeiten begonnen, die wegen der Untersuchungen der Sachverständigen allerdings immer wieder unterbrochen wurden. "Die baulichen Schäden werden sicher bald behoben werden. Viel wichtiger ist jedoch, dass die Ursachen der immer neuen Anschläge auf christliche Einrichtungen überwunden werden. Deshalb erwarten wir von den Behörden des Staates Israel eine rückhaltlose Aufklärung dieses Anschlags und verstärkte Anstrengungen, um solche Vorkommnisse in Zukunft zu verhindern", schreibt Abt Gregory.

Und Pater Matthias fügt an: "Vielen, vielen Dank für Eure Hilfe und danke für alle Zeichen der Solidarität". Näheres über Tabgha kann man auch unter www.tabgha.net erfahren.
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