Stadtrat beschließt Archivneubau
Mit Option zum „Andocken“

Die dunklen Wolken lichten sich: Seit Dienstag steht der Stadtratsbeschluss für das Stadtarchiv, als Ersatzbau für das leerstehende Soutschka-Haus. Der Verbindungsbau zum Museum (rechts) wird derzeit nicht verwirklicht, aber als "Andock-Option" bei der Planung berücksichtigt und damit für die Zukunft offen gehalten. Bild: Portner
Politik
Oberviechtach
15.06.2016
89
0

"Zu teuer" befanden die Stadträte aller Fraktionen und so war das Aus für den Verbindungsbau zwischen Museum und Stadtarchiv besiegelt. Aber eigentlich ging es bei der Diskussion auch um "Schloss oder Funktionsbau" und nicht abgeklopfter Förderchancen. Hier baute dann Architekt Peter Brückner eine Brücke.

Der Neubau eines Stadtarchivs stand am Dienstag wieder einmal auf der Tagesordnung des Stadtrates. Diesmal allerdings sollte nun endlich der Beschluss über die Baumaßnahme fallen. Nachdem sehr viele Zuhörer - mehrheitlich allerdings wegen der Stellungnahme für den Hochwasserschutz "Kapellenweg-Forst" (Bericht folgt) - anwesend waren, erläuterte Bürgermeister Heinz Weigl nochmals die Sachlage.

Flachgeneigte Rampe


"Die Stadt hat das Soutschka-Haus am Taubenplatz mit dem Mehrheitsbeschluss erworben, dass es ein Stadtarchiv werden soll", sagte Weigl. In der letzten Sitzung sei über einen vom Museumsverein gewünschten Verbindungsbau zwischen Archiv und Museum (Mitnutzung von Aufzug und Behindertentoilette) diskutiert worden, mit dem Arbeitsauftrag: "Können wir uns das leisten?" Anwesend war auch Architekt Peter Brückner, der die Pläne für das Archiv bereits mehrfach detailliert im Stadtrat vorgestellt hat (wir berichteten). Die zwei Probleme des gegenüberliegenden Museums - Barrierefreiheit und Platznot - seien bei der Planung aufgegriffen worden. "Es ist machbar, beide Gebäude mit einer flachgeneigten Rampe zu verbinden", erklärte Brückner und bezifferte die zusätzlichen Kosten auf etwa 250 000 Euro (der Archiv-Neubau ist mit etwa 1,2 Millionen Euro veranschlagt).

Brückner und Weigl berichteten von der Vorstellung der zwei Modelle bei der Regierung der Oberpfalz. Baudirektorin Birgitt Niegl habe gleich klargestellt, dass es für den Verbindungsbau keine Mittel der Städtebauförderung gibt. "Außerdem war sie nicht davon begeistert, dass damit nur ein Raum im Museum barrierefrei zu erreichen ist", berichtete Weigl, der dazu anfügte: "Wir können mit der Behindertentoilette und dem Depot mit über 80 Quadratmetern zwei Wünsche des Museumsvereins erfüllen, und damit muss es jetzt auch genug sein."

Brückner betonte nochmals, dass das Soutschka-Gebäude nicht erhaltenswert sei und der Ersatzbau einen städtebaulichen Leer- und Missstand in einer beengten Situationen qualitativ schließt. "Wir bauen kein Schloss, aber wir haben eine Verantwortung, an dieser Stelle städtebaulich etwas Schönes hinzustellen. Das ist kein Container auf der grünen Wiese", meinte Brückner zu Einwürfen der CSU/CWG/Aktive-Fraktion. Deren Sprecher Stefan Schwander monierte auch, dass eine angebotene Einmietung des Archivs im Krankenhaus nicht geprüft worden sei. "Das kommt für mich nicht in Frage, weil es keine Dauerlösung ist", so der Bürgermeister dazu.

Das Archiv sei eine Pflichtaufgabe der Kommune. Ein Neubau werde nicht billig, erfülle aber alle Anforderungen, um den Zugriff auf das wertvolle Papier die nächsten einhundert Jahre möglich zu machen. Auch die Kritik von Schwander, er habe mögliche Fördermittel für den Verbindungsbau nicht abgeklopft, wollte Weigl so nicht stehen lassen. Denn weder Baudirektorin Niegl, noch Archivdirektorin Dr. Sagstetter oder der erfahrene Architekt Brückner hätten hierfür Adressen benennen können. Außerdem müsse man vorher wissen, ob man diesen bauen wolle oder nicht. "250 000 Euro das ist viel Geld und eine Förderung eher unwahrscheinlich. Wir geben ein Fünftel mehr für den Verbindungsbau aus, das übersteigt unsere Schmerzgrenze", fasste Josef Lohrer, Sprecher von PWG/SPD/Junge Wähler zusammen und fragte den Architekten nach einer eventuellen späteren Möglichkeit der Verwirklichung.

Ende 2017 bezugsfertig


Hier baute dann Peter Brückner dem Gremium eine Brücke, die zu einer eindeutigen Entscheidung mit 15:1 Stimmen (Gegenstimme Tobias Ehrenfried) führte. Denn er könne das Foyer so gestalten, dass eine "Andock-Möglichkeit" für den Verbindungsbau besteht. Dieser Vorschlag (ohne Mehrkosten) wurde gerne angenommen. Der kurz vorher gestellte Antrag von Tobias Ehrenfried auf Vertagung wurde mit 9:7 Stimmen abgelehnt. "Wir wollen mit dem Ersatzbau Ende 2017 fertig sein, denn wir können die Unterlagen nicht noch zwei Winter den Mäusen aussetzen", gab der Bürgermeister zu bedenken. Im Haushalt 2016 sind 700 000 Euro, sowie in den zwei Folgejahren 400 000 und 100 000 Euro eingestellt. Mit 9:7 Stimmen wurde das Architekturbüro Brückner schließlich mit der Eingabeplanung beauftragt. Ein Dank galt der ehrenamtlichen Archivarin Christa Zapf, deren Arbeit der Stadt nichts kostet.

Mitglieder des Museumsvereins verfolgten als Zuhörer die Debatte um den Verbindungsbau mit Interesse, darunter auch der Vorsitzende Altbürgermeister Wilfried Neuber. Während der Wortmeldung eines Stadtrates konnte er nicht mehr an sich halten und warf unter anderem dazwischen: "So viel Unsinn, der hier gesprochen wird!" Bürgermeister Heinz Weigl wies seinen Amtsvorgänger in die Schranken. Er drohte ihm an, dass er bei weiteren Einwürfen darum bitten müsse, den Raum zu verlassen.

Wir können mit der Behindertentoilette und dem Depot mit über 80 Quadratmetern zwei Wünsche des Museumsvereins erfüllen, und damit muss es jetzt auch genug sein.Bürgermeister Heinz Weigl
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.