Stadtrat beschließt Bau von Rückhaltebecken
Stadt schützt sich vor Sturzfluten

Mitten durch das Baugebiet Kapellenweg-Forst zieht sich stadteinwärts ein breiter Biotop-Streifen. Das Gras wächst hoch, da die Fläche zu nass für Mähfahrzeuge ist. Um den Hochwasserschutz zu gewährleisten, will die Stadt noch heuer mit dem Bau eines ersten Rückhaltebeckens im oberen Bereich beginnen. Weitere Retentionsbecken mit einer Abstufung nach unten sind geplant. Bild: Portner
Politik
Oberviechtach
16.06.2016
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Simbach zeigt: Auch kleine Bäche können zu reißenden Flüssen anschwellen. Im Baugebiet Kapellenweg-Forst ist der Hochwasserschutz - auch im Hinblick auf das gewachsene Biotop - seit Jahren ein Thema. Von der jüngsten Stadtratssitzung erhofften sich die Anwohner mehr als Worte. Sie wurden nicht enttäuscht.

Starkregen, Hitze, Stürme: Die Kommunen müssen sich künftig auf immer mehr Wetterextreme einstellen. Der Antrag der Interessensgemeinschaft (IG) "Hochwasserschutz und Biotopteicherhaltung im Baugebiet Kapellenweg-Forst" auf Überprüfung und Umsetzung der Hochwasserschutzplanung hat allerdings schon etwas Patina angesetzt. "Der Planer hat das Büro gewechselt, deshalb dauerte die Stellungnahme etwas länger", informierte Bürgermeister Heinz Weigl. Er ging in der öffentlichen Sitzung - bei der viele IG-Mitglieder anwesend waren - jedoch nicht näher darauf ein. Allerdings werde die Interessensgemeinschaft das Schreiben erhalten.

Eingriff in die Natur


"Ich möchte kein Simbach erleben, aber so etwas kann man mit keiner Baumaßnahme aufhalten", sagte Weigl und dankte den Landwirten im Stadtgebiet für die "gute landwirtschaftliche Praxis" an den steileren Lagen. Die Zuhörer im Blick bekräftigte er: "Wir wollen schnell handeln!" So sei der erste Bauabschnitt mit dem Bau eines ersten Rückhaltebeckens (450 Kubikmeter) noch heuer geplant. 2017 würde ein zweites Rückhaltebecken folgen. Weigl sprach von einer natürlichen Mulde unter Berücksichtigung des Naturschutzes, mit dem Ziel, dass die Kanäle das Wasser schaffen und die unteren Häuser "nicht absaufen". "Das gewachsene Grünland schaut gut aus", meinte der Bürgermeister. Aber der Hochwasserschutz für die Bevölkerung gehe vor, "deshalb auch der Eingriff in die Natur." Wie er mitteilte, fördert das Wasserwirtschaftsamt den ersten Bauabschnitt nicht. Dies sei jedoch ein Vorteil für die Anwohner, da auf ein langwieriges Zuschussverfahren verzichtet werden könne. "Wir geben jetzt Gas!", bekräftigte Weigl.

Der alte Fußballplatz werde weiterhin als Bolzplatz zur Verfügung stehen; jedoch nicht bei Hochwasser. "Den Teich benötigen wir für die Retention. Wir wollen aber am Biotop nichts kaputtmachen", versprach der Bürgermeister und betonte: "Im Vordergrund steht der Hochwasserschutz. Denn wenn Anlieger Wasser im Keller haben, wird die Stadt herangezogen." Der Bauabschnitt eins wurde dann auch einstimmig von den Stadträten beschlossen.

Zum Tagesordnungspunkt "13. Änderung des Flächennutzungsplans mit den Änderungen Ä1 (Spielplatz) und Ä2 (Bolzplatz) im Baugebiet Sandradl II" konnte die Fassung des Feststellungsbeschlusses noch nicht erfolgen. "Ich war zu euphorisch", meinte Bauamtsleiter Peter Spichtinger bei seinem Sachvortrag. Die öffentliche Auslegung der Einwände werde aber parallel mit der 15. Änderung erfolgen (zwei Parzellen mehr).

"Echtes" Mittelzentrum


Schnell abgehandelt und mit einem einstimmigen Änderungsbeschluss versehen, wurde die 14. Änderung des Flächennutzungsplans mit den Änderungen Ä1 (Darstellung Sondergebiet Einzelhandel) und Ä 2 (Erweiterung des Industriegebiets an der Ostmarkstraße). Wie der Bürgermeister darstellte, werde bei der Änderung 2 - zusätzlich zur Bekanntmachung vom 15. Januar 2015 - die Fläche mit der Flurnummer 171 der Gemarkung Hof dazugenommen. "Wir nehmen das Gewerbegebiet zurück und schlagen die Fläche dem Industriegebiet zu", lautete die Erklärung. Wie Weigl betonte, wolle man jetzt die Weichen für weitere Betriebsansiedlungen stellen, "auch wenn noch Parzellen offen sind". Nur kurz informierte er über ein Rundschreiben des Bayerischen Gemeindetages zur Teilfortschreibung des Landesentwicklungsprogramms Bayern und betonte: "Wir sind jetzt ein echtes Mittelzentrum!" In der Fortschreibung sei das Wort "mögliches" nun weggefallen. "Oberviechtach ist ein zentraler Ort mit Bestandsschutz. Das bringt Vorteile für die Stadt mit sich", freute sich der Bürgermeister.

Weigl gab abschließend Beschlüsse aus der nichtöffentlichen Sitzung bekannt. So ging der Auftrag für die am Montag gestarteten Baumaßnahmen im Friedhof an die Firma Bauer in Niedermurach (260 000 Euro). Für die Feuerwehren Pullenried und Wildeppenried wurde jeweils ein neues Tragkraftspritzenfahrzeug Wasser (TSF-W) von den Firmen Magirus und Sturm für insgesamt 369 738 Euro angeschafft.
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