Stadtrat beschließt Neubau fürs Stadtarchiv und lässt Wünsche des Museumsvereins noch abklären
Zweite Chance für Wunschliste

Der Stadtrat beschloss am Dienstag das Soutschka-Haus (links) abzubrechen und einen Neubau als Stadtarchiv zu nutzen. Ob eine räumliche Verbindung zum Museum (rechts) durch einen Zwischen- oder Überbau möglich und finanzierbar ist, wird noch abgeklärt. Bild: Portner
Politik
Oberviechtach
20.01.2016
167
0

Das Soutschka-Haus am Taubenplatz wird abgerissen und im Ersatzbau das Stadtarchiv untergebracht. Dieser Beschluss, der am Dienstag bei sechs Gegenstimmen im Stadtrat gefasst wurde, lässt noch eine Türe offen. Denn in der Diskussion zum Raumkonzept spielten auch die Wünsche des Museumsvereins eine Rolle.

Architekt Peter Brückner aus Tirschenreuth war bereits in der Sitzung am 8. Dezember 2015 zu Gast (wir berichteten) und stellte einen Vorentwurf für das Nutzungskonzept des leerstehenden Soutschka-Hauses am Taubenplatz 4 vor. Schon damals gab es Lob dafür, was er der kleinen Grundfläche "rausgekitzelt" habe. Am Dienstag stand nun das überarbeitete Raumprogramm zur Diskussion.

Platz für Museumsdepot


Die Stadt hatte die ehemalige Mälzerei in direkter Nachbarschaft zum Museum (früher Marktmühle) nach einem einstimmigen Stadtratsbeschluss angekauft. Während der Bürgermeister vorgestern betonte, dass dies mit der Prämisse erfolgt sei, das Stadtarchiv unterzubringen, wollte die CSU/CWG/Aktive-Fraktion hiervon nichts gewusst haben. "Das Archiv ist eine Pflichtaufgabe der Kommune", bekräftigte Heinz Weigl.

Architekt Peter Brückner sprach die Gebäudegeometrie des Entwurfs an, die sich in Abstimmung mit den Nachbarn ergeben habe. Zugänge befinden sich am Taubenplatz und im Museumshof. Im Erdgeschoss entstehen zwei barrierefreie Toilettenräume für das Museum. Dieses könne für eine begrenzte Dauer (etwa 20 Jahre) auch den 80 Quadratmeter großen Raum als Depot nutzen, nachdem das Stadtarchiv zunächst mit dem Platzangebot in der ersten Etage auskommt. "Die Entwicklung der Speichermedien ist nicht vorhersehbar", sagte Weigl zur offenen Zeitschiene. Auch die zweite Etage (mit Dachschräge) ist dem Archiv vorbehalten und mit Büro und Archivpädagogik-Raum belegt. Im Spitzboden steht neben der Technik ein Raum für Ausstellungen zur Verfügung; Exponate können auch im gläsernen Treppenhaus präsentiert werden. Auf den vier Etagen ergibt sich eine Netto-Nutzfläche von 535 Quadratmetern; ein Aufzug sorgt für Barrierefreiheit. Heinz Weigl dankte Brückner für die gut durchdachte Planung mit Beratung durch die Leiterin des Staatsarchivs Amberg, Dr. Maria Rita Sagstetter. Man sei auch im Gespräch mit dem Museumsverein und habe den Raum im Erdgeschoss für dessen Depot verdoppelt.

Zwischenbau


Vor Beginn der Sitzung berieten die Stadträte mit dem Planer und den Vertretern des Museumsvereins und Heimatkundlichen Arbeitskreises, wobei sich diese augenscheinlich mehr davon versprochen hatten. Sie fordern ein geräumiges Depot für die museale Sammlung, ein behindertengerechtes WC sowie einen Zwischenbau vom Archiv zum Museum sowie einen Aufzug für ein barrierefreies Erreichen aller Abteilungen. "Die Diskussion wurde nicht einstimmig geführt", beschrieb Weigl das Treffen und betonte: "Inwieweit wir die Ideen und Wünsche des Museumsvereins, die auch hohe Kosten verursachen würden, berücksichtigen können, müssen wir nochmals überprüfen lassen und darüber reden." Seiner Meinung nach sei der Museumshof zu schön, um überbaut zu werden. "Wir sollten aber zu Potte kommen und heute einen Beschluss für das Archiv an dieser Stelle fassen", bekräftigte der Bürgermeister.

"Wir sind gut weitergekommen und haben die Nutzung des Erdgeschosses für das Museum freigemacht", sagte Josef Lohrer als PWG/SPD/JW-Sprecher. Die vom Museumsverein gewünschte räumliche Verbindung zur Nutzung von kulturellen Synergieeffekten sei aufgrund unterschiedlicher Etagenhöhen schwierig und dürfte auch keine Einschränkung für das Archiv bedeuten. "Die Kosten für einen Neubau sind zu hoch, um darin nur ein Archiv unterzubringen", sagte Stefan Schwander von der CSU/CWG/Aktive-Fraktion. Außerdem wolle die Fraktion an dieser Stelle eine Frequenzsteigerung erreichen, wofür man aber noch keine Idee habe. Als Alternative fürs Archiv nannte Schwander eine leerstehende Etage im Krankenhaus oder das fast baufällige Pirzer-Anwesen in der Sailergasse. "Dieser Standort würde nicht billiger", so Weigl.

Christian Schneider (CSU) monierte, dass man noch keine Entscheidungsgrundlage habe, da weder Kosten vorlägen noch mögliche Förderprogramme abgeklärt wurden. "Das können wir erst, wenn wir ein Konzept haben", verteidigte der Bürgermeister die Vorgehensweise. Der Beschluss über die Nutzung des ehemaligen Soutschka-Anwesens als Stadtarchiv (Abbruch und Neubau) erfolgte mit sechs Gegenstimmen von der CSU/CWG/Aktive-Fraktion. Einstimmig wurde Architekt Peter Brückner beauftragt, abzuklären, "wie eine Anbindung an das Museum ausschauen und was diese kosten würde".
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.