Handball
Weltmeister Christian Schwarzer in Oberviechtach

Weltmeister Christian Schwarzer ist heute im Jugendbereich tätig. Bild: hfz
Sport
Oberviechtach
08.11.2016
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Weltmeister Christian Schwarzer ist heute im Jugendbereich tätig. Bild: hfz

Früher sammelte er einen Titel nach dem anderen, heute sammelt er Talente: Christian "Blacky" Schwarzer wurde mit Deutschland 2007 Handball-Weltmeister. Mittlerweile arbeitet er als Jugend-Koordinator beim Handballverband Saar, war auch schon Jugend-Bundestrainer. Der Kreisläufer, der auch beim FC Barcelona spielte, kommt am Dienstag und Mittwoch (8./9. November) ans Gymnasium nach Oberviechtach Schwarzer wird mit Schülern trainieren und Lehrer und Vereinstrainer fortbilden. Am Dienstagabend referiert der 47-Jährige in der Gymnasiumsporthalle für alle Interessierte über das Thema "Leistungssport Handball". Und danach gibts Autogramme. Zuvor gab er unserer Zeitung ein Interview.

Herr Schwarzer, Sie referieren in Oberviechtach zum Thema "Leistungssport Handball". Wie sind Sie zum Handball gekommen?

Christian Schwarzer: Alles fing 1979 in einer Halle in Bergedorf an, die keine zwei Minuten von zu Hause entfernt war, also konnte ich zum Training, wann ich wollte. Ein Freund hatte mich und meinen ein Jahr älteren Bruder Markus mit in die Halle genommen, obwohl ich eigentlich immer Fußball spielen wollte. Unsere Eltern sagten aber, wir sollten doch einen Hallensport machen, da es dort immer schön warm wäre und die Sachen nicht so dreckig werden. Mein Pech war damals aber, dass die Mannschaft der TSG Bergedorf aus Jungs der Jahrgänge 1967/68 bestand und ich eigentlich zu jung war. Dieses Pech stellte sich später aber als Glück heraus, da mir der Umstand, immer mit Älteren zusammengespielt zu haben, in meiner Entwicklung unheimlich geholfen hat.

Apropos Entwicklung: Sie wurden einer der erfolgreichsten deutschen Handballer aller Zeiten, obwohl Sie nicht für die Jugend- und Juniorennationalmannschaft gespielt haben. Wurden Sie damals einfach übersehen?

Ich wurde zunächst in die Hamburger Auswahl, später in die norddeutsche Auswahl berufen und die Jugendnationalmannschaft war ein großes Ziel. Dass ich nicht nominiert wurde, war zwar ein Rückschlag, doch das hat mich auch angestachelt, noch mehr zu investieren und mir meinen Traum von einer Profikarriere zu erfüllen.

Handball ist total "in". Wie haben Sie das erfolgreiche 2016 erlebt?

Der überraschende EM-Titel in Polen im Januar und Olympia-Bronze in Rio waren sensationell und extrem wichtig für die öffentliche Wahrnehmung unserer tollen Sportart. Ich habe mich natürlich besonders mit Spielern wie Finn Lemke oder Julius Kühn gefreut, die ich in der Jugendnationalmannschaft gefördert habe.

Gerade auf Ihrer Kreisläuferposition muss Ihnen ja das Herz aufgehen, oder?

Ja, da sind wir mittlerweile sensationell aufgestellt, gerade auch auf lange Sicht. Leute wie Patrick Wiencek aus Kiel oder Hendrik Pekeler von den Rhein-Neckar-Löwen sind durch ihre Wechsel zu Champions-League-Teams zu absoluten Topspielern gereift. Und dahinter stehen mit Jannik Kohlbacher, Erik Schmidt und noch einige andere, weitere tolle Spieler bereit.

Hendrik Pekeler denkt aber offen über eine Nationalmannschaftspause nach ...

Das hoffe ich im Sinne der Nationalmannschaft nicht, aber man kann die Spieler auch verstehen: Europameisterschaft, Olympia, Bundesliga, Pokal und Champions-League in nicht mal zehn Monaten - die Belastung ist absoluter Wahnsinn. Die Spieler müssen deswegen ihrem Körper zuhören, schließlich verdienen sie ihr Geld im Verein.

Mittlerweile gibt es die neu eingeführte Regel mit dem siebten Feldspieler anstelle eines Torwarts. Wie stehen Sie dazu?

Ich finde diese Regelung - vorsichtig formuliert - bescheiden, denn Handball war attraktiv genug. Man sollte sie ganz schnell wieder abschaffen, denn Würfe ins leere Tor haben nichts mit unserer Sportart zu tun.

Abgeschafft werden soll ja auch das von Handballern so geliebte Harz ...

Diese Diskussion ist nur für den unteren Bereich angebracht. Harz ist für den Leistungsbereich bei Jugendlichen und Erwachsenen unabdingbar. In anderen Ländern ist das auch bei Kindern kein Thema und deswegen haben beispielsweise die Skandinavier und die Tschechen uns in Sachen Schlagwürfe sehr viel voraus.
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