Handballprofi begeistert Schüler

Christian Schwarzer schrieb nicht nur viele Autogramme, er ließ sich auch mit seinen Fans fotografieren und einer durfte sich sogar seine Medaillen umhängen - aber nur kurz. Bilder: Held (2), Götz (1)
Sport
Oberviechtach
09.11.2016
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"Ich habe oft Glück gehabt." Zitat: Christian Schwarzer

Für Handball-Weltmeister Christian Schwarzer sind es die bewegenden Momente, wie etwa der Gewinn der Silbermedaille bei der Olympiade 2004 in Athen, die alle Mühen vergessen lassen. Handball ist sein Leben, aber auch sein Lebensunterhalt. Dass im Leistungssport nicht alles Gold ist, was glänzt, ließ er in Oberviechtach nicht nur einmal anklingen.

"Ich habe oft Glück gehabt", ist der von Christian Schwarzer am meisten ausgesprochene Satz in der Dreifachturnhalle des Ortenburg-Gymnasiums (OGO) am Dienstagabend. Auf Einladung des Kreisobmanns Handball für Schulen, Michael Teplitzky, und Vermittlung des HV-Vorsitzenden Michael Lang, spricht Schwarzer, Spitzname Blacky, in der Stützpunktschule über Handball als Leistungssport, aber nicht nur das: Er trainierte am Dienstag und Mittwoch mit den Schulmannschaften und hielt gestern auch eine Lehrerfortbildung ab. Schwarzer ist Jugendkoordinator des Handballverbandes Saar. Ihm macht es Spaß mit Kindern zu arbeiten, "weil sie ehrlich sind".

Der Weg nach oben


Doch zurück zum Profisport: "Eine Karriere als Leistungssportler ist superschön, aber man muss auf Vieles verzichten." Nicht aus Eitelkeit oder zur Selbstdarstellung, denn dies liegt ihm fern, sondern weil er am besten weiß, wovon er redet, baut er seinen Vortrag auf seiner Karriere auf. Am Anfang stünden immer, egal wie weit nach oben der Weg führe, die eigene Motivation und Ziele. So zum Beispiel das des kleinen Christian als er in der Halle ein Handball-Länderspiel sieht, einmal den Adler auf der Brust zu tragen. Seine Faszination für Olympia und seine Anhängerschaft zu Bayern München rühren von einem Besuch im Münchner Olympiastadion her. Da war er fünf und mit seinem Eltern und seinem ein Jahr älteren Bruder auf Bayern-Urlaub.

Olympia hängt bei immer noch emotional ganz oben. Ein Blick auf die Silbermedaille im Wohnzimmer daheim im saarländischen Niederwürzbach erfüllt ihn nach wie vor mit Stolz. Sie und die Medaille zum WM-Gewinn 2007 hat er auch in Oberviechtach dabei. So mancher junge Zuhörer bekommt große und leuchtende Augen und ist im gleichen Atemzug erstaunt, als Blacky sie lässig in die Hosentasche steckt. Aber so locker wie er und seine Karriere rüberkommen, ist dies alles nicht. Viel Fleiß und Willenskraft stecken dahinter. Allen angehenden Leistungssportlern rät er, sich zu fragen: "Was muss ich investieren und lohnt es sich?"

Im Grunde ist der heute 47-Jährige eine Art Quereinsteiger. Er war nie Juniorenmeister, er war nie Juniorennationalspieler und besuchte keinen Förderstützpunkt des deutschen Handballverbandes. Mit seinem Talent schafft er es über den Vereinsweg. "Das gibt es immer mal wieder, üblich ist es nicht." Er hat Glück gehabt. Genauso bei den Verletzungen. Außer einem dreifachen Bänderriss, den Verlust von eineinhalb Zähnen und einer Schleimbeutelentzündung übersteht er die Karriere in der körperbetonten Sportart ohne größere Blessuren. Glück hat er schon wieder als ihm plötzlich 1999 der Bundesligaverein TV Niederwürzbach abhanden kommt - "da kommen schon Existenzängste auf" - und beim FC Barcelona anheuert. Aus familiären Gründen kehrt er zwei Jahre später wieder in die Bundesliga zurück zunächst zum TBV Lemgo.

"Ich war dabei"


Mit dem Ende seiner aktiven Zeit 2009 ist für ihn aber noch lange nicht Schluss. Seine Liebe gehört dem Handball - auch wenn sie ganz Anfang als Kind mal dem Fußball gehörte. Diese Begeisterung gibt er in seiner Arbeit mit dem Nachwuchs weiter. Und dieser, ganz aktuell die Oberviechtacher Schüler, ist stolz auf die Trainingseinheit mit dem Weltmeister. Selbstbewusst tragen die Kinder und Jugendlichen es auf der Brust. "Blacky im OGO. Ich war dabei" , steht auf dem weißen Shirt mit Schwarzers Porträt. Und Blacky setzt auch noch sein Autogramm dazu. (Seite 10)

Ich habe oft Glück gehabt.Christian Schwarzer


LebenslaufChristian Schwarzer, geboren am 23. Oktober 1969 in Braunschweig, bestritt 600 Bundesligaspiele. Der Kreisläufer warf 2208 Tore. Zwei Jahre (1999 bis 2001) trat er für den FC Barcelona an. "Im ersten Jahr haben wir um sieben Titel gespielt und alle sieben gewonnen." Vier Mal nahm er an Olympischen Spielen teil. 2004 in Athen gewann das deutsche Team die Silbermedaille. 2004 verabschiedete er sich aus der Nationalmannschaft - vorläufig.

In Erinnerung geblieben ist Schwarzer auch vielen Sportfans jenseits des Handballs bei der WM 2007. Der Blacky, wie er von Freunden und Mitspielern genannt wird, kommentierte bereits zwei WM-Spiele fürs ZDF. Dann ereilte ihn der Anruf des Bundestrainers Heiner Brand mit der Mitteilung, er sei nachnominiert worden. Mit der Startummer 41, die auch sein Freund Dirk Nowitzkis trägt, lief er am 22. Januar 2007 wieder für die Nationalmannschaft auf. Sein Comeback endete am 4. Februar mit dem Weltmeistertitel im eigenen Land. 349 Mal trug er das Nationaltrikot, 949 Mal leuchtete sein Name als Torwerfer auf. 2009 mit fast 40 Jahren beendete er bei den Rhein-Neckar-Löwen seine aktive Laufbahn. Seitdem ist er im Jugendbereich tätig, derzeit für den saarländischen Handballverband. (eld)
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