Altbürgermeister nennt seine Gründe für Zwischenrufe im Stadtrat
„Informationen vorenthalten“

Vermischtes
Oberviechtach
18.06.2016
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Der Stadtrat hat am Dienstag den Neubau des Stadtarchivs beschlossen und dabei den vom Museumsverein gewünschten Verbindungsbau zum gegenüberliegenden Museum aus Kostengründen mit 15:1 Stimmen abgelehnt. Der Vorsitzende des Museumsvereins, Altbürgermeister Wilfried Neuber, war unter den Zuhörern und begleitete die Diskussion unter anderem mit dem Zwischenruf "So viel Unsinn, der hier gesprochen wird!" (dazu Bericht in der Ausgabe 16. Juni).

Neuber war 19 Jahre lang Bürgermeister der Eisenbarth-Stadt und kennt die Geschäftsordnung des Gremiums bestens. Die Lokalredaktion fragte nach, warum der erfahrene Kommunalpolitiker "störend" in die Sitzung eingriff. "Der Verlauf der Beratung hat mich zutiefst enttäuscht. Geschockt war ich vor allem darüber, dass dem Stadtrat vom Bürgermeister wichtige Informationen vorenthalten wurden", sagt Neuber und fügt an: "Es war unredlich, immer von 250 000 Euro Mehrkosten für den Verbindungsbau zu sprechen, aber den Stadtrat nicht zu informieren, dass der Museumsverein bereit ist, sich mit einer hohen fünfstelligen Summe finanziell zu beteiligen." Auch die Ehrenbürgerin der Stadt, Erika Odemer, habe im Vorfeld der Beratung ihre Unterstützung zugesagt. Neuber vermisste zudem, dass bei den zuständigen Stellen nicht die Möglichkeit von Fördergeldern eruiert worden sei: "Dies alles hätte die Kosten erheblich reduziert!"

Ebenso verärgert sei er während der Diskussion über die wiederholte Aussage gewesen, es würde mit dem Zwischenbau nur ein Raum, nämlich der Veranstaltungsraum, barrierefrei erschlossen. "Das stimmt so nicht", stellt Neuber klar und betont: "Im ersten Stock des Museums befinden sich neben dem Veranstaltungsraum vier von sechs Abteilungen, die durch geringfügige bautechnische Änderungen den Standards ebenfalls entsprechen würden. Außerdem wird der Veranstaltungsraum von den meisten Gästen im Museum besucht. Von den zusätzlichen Vorteilen eines Zwischenbaus gar nicht zu reden."

Grundsätzlich befremde es den Altbürgermeister, dass dem Thema "Barrierefreiheit" und damit dem Anliegen von Menschen mit Behinderung und von Senioren im Zusammenhang mit dem Zwischenbau keinerlei Bedeutung beigemessen wird: "Hier stellt sich schon die Frage, was diese Bevölkerungsgruppe dem Stadtrat wert ist. Jede Maßnahme zur Beseitigung oder auch nur zur Reduzierung von Barrieren ist ein Mehrwert an Lebensqualität." Als Vorsitzender hoffe er immer noch auf ein klares Bekenntnis zu mehr Barrierefreiheit im Museum und damit zum Verbindungsbau.
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