Brauchtum im Advent
Vom Kronleuchter zum Kranz

Vermischtes
Oberviechtach
25.11.2016
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Wenn am Sonntag die erste Kerze am Adventkranz angezündet wird, beginnt die Zeit der Besinnung auf Weihnachten hin. Dazu gehört auch das "Frauentragen". Doch was hat der Kronleuchter mit dem Advent zu tun?

Advent. Das Wort kommt aus dem Lateinischen "die Ankunft". Die Kirche bezeichnet damit die sichtbare Ankunft Christi auf Erden zum Zwecke der Erlösung; der Advent ist die goldene Straße zur Heiligen Nacht. In den Wohnungen werden Kerzen angezündet und wo Kinder sind, öffnen sich voller Erwartung die Türen am Adventkalender.

Mit Hausmusik


"Für die Erwachsenen sollte es eine Zeit der Besinnung und des Nachdenkens sein", so der ehemalige Kreisheimatpfleger Hubert Teplitzky. Heute gehen viele Menschen Tag für Tag der Arbeit nach und haben keine Zeit mehr für Besinnung, für innere Werte, die in diesen Wochen liegen. Früher wusste man, dass zu Weihnachten "das Licht der Welt" erstrahlt, das Licht des Friedens und der Liebe. Wollen wir uns in diesen Tagen nicht wenigstens einmal darauf besinnen und in unseren Herzen ein Licht anzünden?

Wenn diesen Sonntag die erste Kerze am Adventkranz angezündet wird, dann sollte im Kreise der Familie ein Lied erklingen, es sollte gesungen und musiziert werden. Wie schön ist Hausmusik, die Freude am eigenen Spiel und am Zusammenspiel der Familie! Nichts bringt die Menschen einander so nahe, wie Musik. Heute geben ja leider Radio, CD und Fernsehen den Ton an. Verbannen wir einmal diese "tonangebenden Geräte" und singen und musizieren wir aus eigenem Munde und eigener Seele.

In irgendeiner Weise wird es sogar bei unseren Kleinen lebendig, wenn es beim Anzünden der Adventskerzen still um sie wird. Wenn keine Radio- oder CD-Musik diese Zeit der Besinnung lärmend stört, und wenn sie nicht nur dazu erzogen werden daran zu denken, was das Christkind bringt, sondern auch dazu, was anderen Menschen eine Freude machen könnte.

Das äußere Zeichen der Adventszeit ist der Kranz. Er kommt, genauso wie seine Vorgänger, die Adventszweige, aus evangelischen Gebieten, obwohl sonst hier kirchliche Bräuche eher verkümmert sind. Es wird erzählt, Johann Heinrich Wichern, der Begründer des "Rauhen Hauses" in Hamburg (noch heute gibt es Wichernhäuser), sei sein geistiger Vater gewesen. 1860 soll er zum ersten Mal einen Advents-Kronleuchter aufgehängt haben, auf dem so viele Kerzen stecken, als das Jahr Adventstage hatte. An jedem Abend wurden so viele Kerzen angezündet, als Tage vergangen waren. Aus dem Kronleuchter ist der Kranz geworden. Um 1900 war er bereits aus Tannengrün angefertigt, und von den vielen Kerzen waren vier übrig geblieben. In die erste katholische Kirche Münchens hat er um 1937/38 Eingang gefunden und zwar in St. Sylvester in Schwabing. Heute ist der Adventskranz in jeder Familie und oftmals auch in den Büros zu finden. Was vor rund 80 Jahren eine Seltenheit war, das ist heute selbstverständlich - und fast schon wieder auf dem Rückzug. Eine andere Version über die Entstehung des Adventskranzes berichtet vom Aufhängen eines Wagenrades, das mit Tannenzweigen geschmückt wurde.

Maria auf Herbergssuche


Ein weiterer schöner Brauch, der in dieser Art früher in Bayern (vornehmlich Oberbayern) beliebt war, ist das "Frauentragen". Es sollte wohl eine Erinnerung sein an die Herbergssuche der Muttergottes und des heiligen Josefs in der Stadt Bethlehem. Die "Frauenträger" stellen die Statue oder das Marienbild bei der angemeldeten Familie ab, zünden Kerzen an und singen ein Adventslied. Dann beten sie den "Engel des Herrn" und das Abendgebet. Sie fragen, wann sie am nächsten Tag das Bild wieder abholen können. Eine Strophe eines Adventsliedes beschließt die Zeremonie.

In einigen Pfarreien in der Region lebt dieser Brauch wieder auf. Eine Figur oder ein Bild der Muttergottes wird von Haus zu Haus zum gemeinsamen Gebet weitergereicht.
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