Bundeswehr informiert bei Girls' Day über Karriere-Chancen
Lieber Grips als Liegestützen

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Oberviechtach
29.04.2016
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Drei Stockbetten pro Stube und nicht viel Platz im Spind. Immerhin genug für einen Lippenstift. Wichtiger ist allerdings die Tarn-Schminke, erfahren die 14-jährigen Mädchen, die sich am Girls' Day die Oberviechtacher Kaserne ausgesucht haben.

An diesem Tag hat Feldwebel Andreas Goldbach eine recht bunte Truppe im Schlepptau: 25 junge Mädchen aus der ganzen Oberpfalz, alle etwa 14 Jahre alt, nutzen den Girls' Day, um nach Karrierechancen bei der Bundeswehr Ausschau zu halten. Auch drei junge Männer haben sich der Führung angeschlossen.

Waffen und Panzer


Es geht durch Gänge, in denen die Soldaten der vierten Kompanie des Panzergrenadierbataillons 122 gerade ihre fein säuberlich zerlegten Waffen putzen, hinein in den mit Tarn-netzen verkleideten und abgedunkelten Raum für den Schieß-Simulator und ran an den Panzer. Auch das Zimmer der Soldaten in der Kaserne - im Fachjargon Stube genannt - ist an diesem Tag nicht tabu.

Auf dem Gang vor der Unterkunft bekommen die Mädchen einen Eindruck vom Arbeitsalltag: Eine Gruppe Soldaten ist am Vortag von einer Übung zurückgekehrt. Jetzt müssen die Waffen gereinigt werden, da kommen schon mal Wattestäbchen zum Einsatz. Doch bei der Stippvisite in der Grenzlandkaserne erfahren die Mädchen auch, das Soldatsein keineswegs auf das Kämpfen beschränkt ist. Denn wer mit der Waffe unterwegs ist, braucht "Unterstützer", hat ihnen Norbert Prediger vom Bundeswehr-Karrierecenter in Weiden vor dem Rundgang erklärt. Ob vor, während oder nach der Bundeswehrzeit, um eine Ausbildung werde man nicht herumkommen, sagt der Fachmann und zeigt die Karriereleiter von der Mannschaftslaufbahn über den Feldwebel mit Meisterbrief bis hin zum Offizier mit Studium auf.

Ein paar wertvolle Bewerbungstipps gibt Prediger den Gästen mit auf den Weg: "Wer beim Vorstellungsgespräch Afghanistan in Amerika auf der Landkarte sucht oder den Verteidigungsminister nicht kennt, der ist hier falsch." Aber auch ein gewisses Maß an Fitness sollten die künftigen Soldaten mitbringen - und bei Pendellauf, Ergometer-Test und "Klimmhang" unter Beweis stellen. "Liegestützen und Sit-Ups sind passé, die geistige Qualifikation ist wichtiger", beruhigt der Mann vom Karrierecenter die weniger Sportlichen. "Muss man da wirklich fünf Sekunden in der Klimm-Stellung bleiben können?", will ein Mädchen später von einer Geschlechtsgenossin im Tarnanzug wissen, die es schon geschafft hat. Sie ist eine von rund 20 000 Frauen unter den 178 000 Soldaten in Deutschland.

"Echt interessant", lautet schließlich die Bilanz der 14-jährigen Lea Hübner. Während sie vorsichtshalber ein Praktikum machen würde, ist Constanze Wörsdörfer längst überzeugt. Die blonde Frau mit dem Pferdeschwanz im Rang eines Hauptmanns ist hauptamtlicher Presseoffizier der Panzerbrigade 12 in Amberg und schwärmt von einem "tollen Arbeitgeber mit ganz vielen Möglichkeiten". Und wo liegt die größte Hürde für Frauen? "Bei der Grundausbildung in den ersten drei Monaten", meint Wörsdörfer. Da könne neben sportlicher und geistiger Fitness auch ein gesundes Selbstbewusstsein nicht schaden. (Hintergrund)
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