Doktor Eisenbarth auch als Arzneimittel-Hersteller interessant - Neue Forschungsziele
Alte Irrtümer kaum auszurotten

Vermischtes
Oberviechtach
23.09.2015
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Rund 1100 Veröffentlichungen haben den "Doktor Eisenbarth" zu ihrem Thema erkoren. Mal aus fiktionaler, mal aus biographisch-medizinhistorischer Sicht beschäftigen sich diese Texte mit dem berühmten Wundarzt. Diese hohe Zahl rührt daher, dass Eisenbarth fast schon als geflügeltes Wort nach wie vor im Volksbewusstsein präsent und "attraktiv" ist und seine "Bipolarität" als fiktionale und reale Gestalt, vor allem auch auf dem Unterhaltungssektor immer wieder aufgegriffen wird.

Der wissenschaftliche Anspruch und die Qualität dieser Erzeugnisse sind so unterschiedlich wie ihr Umfang, und in der Regel wird von den Eisenbarth-Biographien bzw. untereinander mehr oder weniger abgeschrieben. Anspruchsvolle Abhandlungen von entsprechenden Fachleuten sind - über die bekannten Standardwerke von Eike Pies und Karl Hieke hinaus - relativ dünn gesät. Neue Aspekte, wie dies etwa in der Diplomarbeit von Uwe Niederdräing aus dem Jahr 2006 der Fall ist, werden selten aufgegriffen, und sogar alte Irrtümer bzw. falsche Fakten sind nicht auszurotten.

Umso wichtiger ist es aus diesem Grund, die ernsthafte und fundierte Eisenbarth-Forschung neu auszurichten, zumal hier grundsätzlich ein Nachholbedarf besteht, meint Dr. Ludwig Schießl. Dabei handelt es sich hier um ein äußerst weites Feld mit vielfältigen Facetten, das detaillierten intensiven Studien breiten Raum bietet, und zwar sowohl hinsichtlich Eisenbarths Biografie als auch bezüglich seiner Rezeptions- und Wirkungsgeschichte. Dabei ist - wie bereits angedeutet - das eine so spannend wie das andere.

Vom Leben zum Werk

Das Kondensat an Forschungsergebnissen aus den neuen Publikationen lässt sich auf einen bestimmten Nenner bringen, der - allgemein gesprochen - im medizin- und rezeptionsgeschichtlichen Bereich verortet ist. Da in den bisherigen Abhandlungen über Eisenbarth in der Regel der biographische Aspekt im Vordergrund stand, fanden sein Stellenwert in der Medizingeschichte sowie der exponierte Überblick über die Forschungsgeschichte und damit das von ihm über die Jahrhunderte gezeichnete Bild in den bisher erschienenen Eisenbarth-Monografien nur periphere Beachtung. Es verwundert ob des bewegten Lebens und Wirkens des Wundarztes nicht, dass sich die praktizierte Form der Beschäftigung mit ihm, das heißt vornehmlich aus synchroner Perspektive, als weitaus interessanter erwies, zumal in Verbindung mit den Konnotationen, die das Spottlied implizierte.

Dies hat aber darüber hinaus grundsätzlich auch damit zu tun, dass der Zunft der Handwerkschirurgen allgemein und Eisenbarth im Speziellen von der Medizinforschung bisher relativ wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde und sich dadurch nur wenige Wissenschaftler ernsthaft und ausführlich damit auseinander setzten. Hier gilt es in Zukunft anzuknüpfen. Dafür werden in dem von Dr. Ludwig Schießl zusammen mit fünf weiteren Autoren verfassten neuen Eisenbarth-Buch die Grundlagen gelegt, die in drei in Arbeit befindlichen Dissertationen von Daniela Schießl, Daniela Wenzel und Tanja Reimann weitergeführt und erweitert werden. Es ist neben den bereits erwähnten Aspekten vor allem die Rolle Eisenbarths als Arzneimittelfabrikant und -händler, die damit eine neue und intensive Betrachtung erfährt.

Neben der Tatsache, dass damit die Forschung bereichert wird, fließen die Ergebnisse in die Weiterentwicklung der Eisenbarth-Abteilung des Oberviechtacher Museums ein. Dies betrifft in erster Linie auch das Eisenbarth-Itinerar, das, kartentechnisch umgesetzt von Franz Baumer (Fuchsberg), den Gegenstand einer neuen visuellen Präsentation liefert.

Um Wissenschaft bemüht

Eine gedruckte vollständige Übersicht über die Eisenbarth-Literatur in Form einer kommentierten Bibliografie existiert bisher ebenfalls nicht. Sie ist genauso ein Desiderat wie ein Eisenbarth-Lexikon und die detaillierte Erforschung bestimmter Einzelaspekte aus dem Leben und Wirken Eisenbarths sowie aus seiner Rezeptions- und Wirkungsgeschichte. Dies würde sich einreihen in die in Hinblick auf das Eisenbarth-Jubiläum 2013 vonseiten des Arbeitskreises forcierten Bemühungen, die Eisenbarth-Forschung auf eine neue und vorwiegend rein wissenschaftlich ausgerichtete Plattform zu stellen.
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