Dorfbackofen in Schneeberg wird von der Feuerwehr angeheizt - Platz für 30 Laibe
Backen beginnt mit "Einschießen"

Vermischtes
Oberviechtach
23.09.2015
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Die alten Dorfbacköfen sind verschwunden. Sie wurden abgerissen oder fielen einer sonstigen Baumaßnahme zum Opfer. Auch die Technik hat die althergebrachte Tradition der Brotzubereitung verdrängt.

Aus Nostalgie und für Schauveranstaltungen wurden zwar der eine oder andere Backofen wieder errichtet, aber es fehlen meist die erforderlichen Leute. Denn Zeit- und Kraftaufwand sowie fehlende Kenntnisse für das Brotbacken hat man bei der Planung eines neuen Backofens meist nicht berücksichtigt.

Anders verhält es sich mit dem Dorfbackofen in Schneeberg. Hier wird noch mehrmals jährlich das Brotbacken von Mitgliedern der Feuerwehr praktiziert. Bei der Festhalle am Bayerisch-Böhmischen-Freundschafts- weg steht das kleine Gebäude, von Ruß geschwärzt. Ein kleineres, halbrundes Loch, das mit einer Eisentüre verschließbar ist, dient zum Anheizen des Backraumes und zum Broteinschießen. Dazu wird mit meterlangen Holzscheiten und ebenso langen Spänen angeheizt und ein frisches Feuer unterhalten, damit der Backraum gut erhitzt wird.

Wenn das Feuer niedergebrannt ist, wird die Rest-Asche mit dem Glutrechen entfernt. Dies ist ein Gerät, das an einem langen Stiel vorne ein Querholz hat, das aus einer Kreisscheibe abgeschnitten ist. Die nun freie Backfläche wird mit einem in Wasser getränkten Lappen gesäubert und die Eisentüre verschlossen. So bleibt die Hitze im Ofen erhalten.

Der Brotteig wird am Vortag schon mit Roggenmehl und Sauerteig angesetzt. Am Backtag wird er geknetet, zu Laiben geformt und in die zahlreiche Backschüsseln gelegt. Diese bestehen aus Strohringen, die mit einem im Wasser weich und schmiegsam gemachten schmalen Holzspan umwunden sind; neuerdings gibt es diese auch aus Kunststoff.

Wenn die Laibe in den Backschüsseln in einem warmen Raum genügend "gegangen," das heißt durch den Sauerteig aufgequollen sind, werden sie auf Brettern zum Backofen getragen und mit dem "Brotschieber" in den auf etwa 260 Grad herabgekühlten heißen Backraum "eingeschossen". Der Brotschieber ist ein Gerät, mit einem langen Stiel und einer vorne befestigten kreisrunden Holzscheibe, auf welcher die Brotschüssel mit dem Laib gestürzt und abgehoben wird. Durch einen jähen Ruck nach rückwärts rutscht der Laib von der Holzscheibe ab. Der Ofen hat eine Kapazität für rund 30 Brote. Es gehört zu diesem "Einschießen" schon etwas Geschick, denn die Laibe müssen in schöner Reihe neben- und hintereinander im Heizraum untergebracht werden.

Ist dann das Brot nach etwa eineinhalb Stunden bei sorgfältig geschlossener Ofentüre ausgebacken, wird es mit dem Brotschieber wieder herausgeholt. Die alten Backöfen waren früher im Gemeinschaftsbetrieb aller Familien des Dorfes, weshalb die Zeiten des Brotbackens eingeteilt werden mussten. In großen Orten gab es mehrere solcher öffentlicher Backöfen. Großbauern besaßen mitunter in ihrem Anwesen einen eigenen, der sich meist unweit des Wohnhauses im Hofraum befand.
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