Glockentürme sind eine Besonderheit der Region
Der Glöckner von Konatsried

Noch versieht Gottfried Steger seine täglichen Läutdienste. Zwei- oder dreimal am Tag ist er dadurch zeitlich gebunden. Bilder: lg (2)
Vermischtes
Oberviechtach
12.02.2016
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Die Glockentürme zwischen Nabburg und Schönsee sind typisch für die Region. Einige Orte haben der Einführung eines elektrischen Läutwerks getrotzt. So wie das kleine Dorf Konatsried. Seit 16 Jahren zieht hier Gottfried Steger am Seil. Einen Wunsch zu seinem 60. Geburtstag im April hat er schon.

-Konatsried. Gottfried Steger geht den Weg zum Glockenturm mehrmals am Tag. Er ist Glöckner von Konatsried und übt diese ehrenamtliche Tätigkeit bereits seit 16 Jahren aus.

Pünktlich um 12 Uhr


Mittags um 12 Uhr und abends bringt er per Hand die Glocke im dörflichen Glockenhäusl in Schwung und erfüllt damit einen alten Brauch, den vor ihm sein Vater pflegte. Im Raum zwischen Nabburg und Schönsee gibt es noch zahlreiche Glockentürme. Diese sind für die Region eine Besonderheit, die man beispielsweise im angrenzenden Landkreis Cham kaum findet.

Viele Orte des Altlandkreises Oberviechtach, ohne Kirche oder Kapelle, haben ihr Glockenhäusl. Freilich hat mittlerweile dort fast überall ein elektrisches Läutwerk Einzug gehalten. In Konatsried und im südlichen Nachbarort Obereppenried wird aber noch per Hand geläutet. Morgens läutet Gottfried Steger nur während der Sommerzeit. 12 Uhr Mittag ist aber ein fester Termin und abends bestimmt die Jahreszeit seinen Gang zum Glockenhäusl. Im Dezember und Januar erklingt die Dorfglocke bereits um 17 Uhr, im Februar wird eine Stunde zugegeben. Im Sommer ruft sie erst um 20 Uhr zum Gebet.

Auch bei Todesfall


Darin ist traditionell die religiöse Funktion der Glockentürme zu sehen. Einst schrieben Läutordnungen die exakten Zeiten vor, wie es im "Kalender für Katholische Christen" von 1901 oder im Nabburger Kreiskalender von 1950 nachzulesen ist. Brauch ist es auch noch, dass bei einem Todesfall im Ort die Glocke erklingt oder diese zu einer dörflichen Andacht ruft, etwa bei der traditionellen Maiandacht.

Doch auch in Konatsried bleibt die Zeit nicht stehen. Denn Gottfried Steger will seinen Läutdienst aufgeben. Im April wird er 60, "dann muss ein elektrisches Läutwerk her."
Im April werde ich 60, dann muss ein elektrisches Läutwerk her.Gottfried Steger
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