Grundbuch-Umschreibung beschert Oberviechtach 25 Arbeitsplätze
Digital mit 25 Köpfen

Die frühere Zweigstelle des Amtsgerichts ist fest in der Gewalt von Baggern und Bauarbeitern, mit einer Fertigstellung der Räume wird bis Ende 2017 gerechnet. Bilder: Bugl (4)
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Oberviechtach
31.08.2016
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Die Trockenlegung zieht auch die umliegenden Straßen in Mitleidenschaft.

Die Anklagebank ist längst verschwunden, nichts erinnert mehr an respekteinflößende schwarze Richter-Roben. Vom früheren Amtsgericht ist nur noch ein Rohbau übrig. Das Gebäude erfährt eine Generalsanierung - und die neuen Nutzer stehen auch schon parat.

"Digitales Datenbankgrundbuch" nennt sich das Projekt, das dem Haus und damit dem Staat nach dem Auszug der Richter und weiterer Justiz-Mitarbeiter eine neue Nachnutzung beschert hat - und eine Großbaustelle. Über zwei Millionen Euro sind für die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes nach Auskunft des Staatlichen Bauamtes veranschlagt.

Die Weichen für den Abschied des Amtsgerichts wurden bereits vor über zehn Jahren gestellt. "Damals wurde im Zuge der Verwaltungsreform 21 festgelegt, dass die Zweigstellen eingegliedert werden", erinnert sich Landtagsabgeordneter Alexander Flierl, der die Räumlichkeiten noch aus seiner aktiveren Zeit als Rechtsanwalt kennt und als Nachbar jetzt die Baustelle im Blick hat. Voraussetzung für den Abzug war das Versprechen, eine Nachnutzung für das Bauwerk zu finden. "Es zeigt sich, dass Landtag und Staatsregierung zu ihren Zusagen stehen", meint Flierl mit Blick auf die künftigen Bewohner.

Dableiben statt umsiedeln


Der Beschluss, hier eine Grundbuch-Umschreibungsstelle als Außenstelle des Amtsgerichts München einzurichten, fiel 2015 und war Teil der Strategie zur Behördenverlagerung. Das soll nun aber nicht heißen, dass Mitarbeiter aus München nach Oberviechtach umsiedeln müssen. "Hier bietet sich eine Chance für junge Menschen aus der Region, in der Region zu bleiben", ist Flierl überzeugt und erzählt von zwei Rechtspflegerinnen, die sich jetzt über einen heimatnahen Job freuen.

Noch müssen die neuen Arbeitskräfte allerdings im Ausweich-Quartier in der Asklepios-Klink ausharren. Dort, wo später ihr Schreibtisch stehen soll, werden Böden herausgerissen, Türblätter entfernt und vor allem neue Leitungen installiert. "Elektro, Heizung, Wasser, das muss alles erneuert werden", informiert Simon Sieß von der Abteilung Liegenschaften am Staatlichen Bauamt Amberg-Sulzbach. Vor allem brauche die moderne Verwaltung, die hier einziehen will, ein gut ausgebautes IT-Netz.

Begonnen haben die Baumaßnahmen bereits im Herbst 2015 mit Arbeiten zur Trockenlegung des Kellers. Im Februar wurden die Pläne für die Sanierung der Obersten Baubehörde vorgelegt, im April dann genehmigt, berichtet Flierl und zählt auf, was sich jetzt hinter den Außenwänden tut oder schon getan hat: Der Dachstuhl wurde ausgebessert, das Gebäude ist regendicht, und auch einige Mauern sind verschwunden. Derzeit laufen die Ausschreibungen für die Ausbaugewerke.

Gefängnistrakt passé


"Es geht hier immerhin um ein wertvolles Baudenkmal an städtebaulich bedeutsamer Stelle", erklärt Flierl, der vor einiger Zeit einen Artikel aus dem Jahr 1840 entdeckt hat, in dem das Gebäude erwähnt war. "Da gab es sogar einen Gefängnistrakt", erinnert er sich. Der wurde allerdings schon lange als Bibliothek genutzt. Manches schöne alte Türblatt oder nicht allzu abgetragene Parkett wird hingegen die Sanierung überleben. "Vieles ist in den vergangenen Jahrzehnten schon entfernt worden", bedauert Sieß. Für Flierl wird das Baudenkmal auf jeden Fall zu einem "zeitgemäßen, modernen Verwaltungsbau aufgewertet - barrierefrei und energetisch optimiert. Da hält sich Wehmut über den Abschied von der Amtsgerichts-Zweigstelle in Grenzen. "Oberviechtach bleibt weiterhin Justiz-Standort", macht der 46-Jährige deutlich und lässt Zahlen sprechen: Genau 4,04 Stellen für 7 Mitarbeiter habe es zuletzt in dem Gebäude gegeben. In die sanierten Räume sollen nach der Fertigstellung (Ende 2017) 20 Rechtspfleger und 5 Service-Kräfte einziehen. "7 Köpfe gegen 25, das ist ganz klar ein Gewinn für den ländlichen Raum." (Hintergrund/Seite 21)

Hier bietet sich eine Chance für junge Menschen aus der Region, in der Region zu bleiben.MdL Alexander Flierl
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