Intrigen um ein begehrtes Amt

Ein weiterer Abschnitt lokaler Geschichte ist für die Nachwelt aufbereitet. Das wissen (von links) Bürgermeister Heinz Weigl, Willibald Wirnshofer, Paul Wallinger, Ellen und Max Zinnbauer, sowie Zweite Bürgermeisterin Christa Zapf zu schätzen. Bild: bgl
Vermischtes
Oberviechtach
26.09.2016
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Von 62 lügenhaften Anzeigen wird da erzählt und schier unglaublichen Intrigen. Die Vorfälle liegen allerdings schon mehr als ein paar Jahrzehnte zurück. Maximilian Zinnbauer sorgt dafür, dass sie nicht vergessen werden.

Zinnbauer hat die pikanten Details in dem neuen Band der Blauen Reihe für die Nachwelt gesichert. Darin geht es um die Amtsinhaber im Pflegamt Murach, die Pfleger, Pflegverwalter, Amtsrichter, Gerichtsschreiber und Ungelter, und zwar in der Zeit von 1623 bis 1810. Diesen zehnten Band mit 317 Seiten präsentierte er nun einer Reihe geladener Gäste im großen Sitzungssaal des Rathauses.

Lügenbaron


Bei der Vorstellung des vorliegenden Bands 10 erwähnte Zinnbauer eingangs den Lehensvasall Johann Georg Albert Baron von Sazenhof, der mit seinen 62 "lügenhaften Anzeigen" erstaunt. Auf Amtswegen wollte er so an den Posten von Georg Wolfgang Kazner im Pflegkommisariat. Zwar hatte er keinen Erfolg, aber die Intrigen und unglaublichen Machenschaften haben möglicherweise doch zum vorzeitigen Tod des Pflegverwalters Kazner am 27. März 1755 beigetragen. Nach dessen Tod setzte sich noch im gleichen Jahr das Ränkespiel des Barons von Sazenhof fort. Er scheute keine Verleumdung und Anschwärzung bei den höchsten Stellen, weil er höchster Beamter am Pflegamt Obermurach werden wollte.

In der Folgezeit gab es zahlreiche Bewerbungsschreiben für den Posten. Erwähnenswert ist dabei ein Johann Andreas Ruelandt. Der aus dem Landsassengut Holmbrunn in der Gemeinde Rottendorf stammende Lehensvasall argumentierte so: In den 17 Jahren als Inhaber des Landsassengutes Holmbrunn während des Österreichischen Erbfolgekriegs habe er harte Zeiten im Feindesland erleben müssen und sei deshalb besonders geeignet. Erfolg hatte er damit aber nicht.

Am 11. April 1755 wurde die Vergabe der Pflegverwaltung Obermurach durch eine kurfürstliche Weisung entschieden: Maria Eva, die älteste Tochter des Artilleriehauptmanns Christian Crenzin, kam dabei zum Zug.

Nur mit Ehemann


Allerdings musste die Frau eine Voraussetzung erfüllen: einen geeigneten, zur Führung eines Pflegamtes qualifizierten Ehekandidaten vorweisen. Der Band schließt mit einem Auszug über die Amtseinnahmen- und -ausgaben im Pflegamt Murach im Jahr 1650, aufgestellt für die Jahresbesoldung des Pflegers Johann Niklas von Förnberg. Für Oberviechtach enthält er aber noch einen besonders interessanten Aspekt: Detailstudien zum Deckengemälde der Pfarrkirche St. Johannes dem Täufer in Oberviechtach (siehe weiteren Bericht).

Viele engagierte ForscherEingeladen zu dieser Buchpräsentation hatte Bürgermeister Heinz Weigl. Er würdigte den Autor Maximilian Zinnbauer für seine uneigennützige Arbeit zur Erforschung der Geschichte von Oberviechtach.

Zinnbauer wiederum wusste die Unterstützung seitens der Stadt sehr zu schätzen. Davon profitiere das gesamte Projekt "Geschichte des Pflegamts Murach und der Stadt Oberviechtach". Zinnbauer betonte vor allem die enge Zusammenarbeit mit stellvertretender Bürgermeisterin Christa Zapf bei den Korrekturen.

Auch Willibald Wirnshofer sowie Studiendirektor a.D. Paul Wallinger hätten sich eingebracht, letzterer vor allem bei der Roten Reihe, den Transkriptions-Korrekturen und mit fachlichen Hinweisen. Für seine wissenschaftliche Unterstützung bedankte sich Zinnbauer auch bei Professor Dr. Schmid. Dessen selbstlos und ehrenamtlich geleistete wissenschaftliche Unterstützung reiche weit über das zumutbare Limit hinaus.

Parallel dazu arbeitet Richter a.D. Wolfgang Waldherr als Autor an einer Violetten Reihe, während Dr. Reiner Reisinger sich einen ersten Band der Grauen Reihe vorgenommen hat. In die Riege der Forscher gehört außerdem Richard Bierl, dessen Beiträge zur Geschichte des Landkreises Cham Zinnbauer mit großem Interesse verfolgt. (bgl)
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