Mehr als Couscous und Bulgur

Bei verschiedenen Anlässen, zu denen Iwan (Zweiter von rechts) und seine Freunde leckere Speisen zubereiteten, wie hier bei der Verabschiedung von Pfarrer Dr. Knobloch, entstand die Idee zum Geschäft.
Vermischtes
Oberviechtach
19.09.2016
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Angelika Vogl und Iwan Antar Hamid beobachten zusammen mit Iwans Sohn Khudhur, wie die Schaufensterfolie angebracht wird. Bilder: weu (2)

Iwan Antar Hamid kocht gut und gerne. Der Iraker kam im April 2015 als Flüchtling nach Oberviechtach, ein Jahr später trafen auch Frau und Sohn ein. Der Koch hat schon viele Freunde gefunden, und eine Idee soll bald auch die Oberpfälzer Küchen erreichen.

"Shop Iwan - Kulturgenuss" steht auf der Fensterfront des ehemaligen Schreibwarengeschäfts Neuber, in dem zuvor die "Black Pirates" ihr Domizil hatten. Der Untertitel "Orientalisch einkaufen und genießen" verrät, worum es in dem neuen Geschäft geht. Die Arbeiten erweckten jedenfalls schon viel Aufmerksamkeit und Neugier.

Waren und Rezepte


Angelika Vogl, engagierte Betreuerin für Flüchtlinge, hat zusammen mit Iwan Antar Hamid die Idee entwickelt, einen Laden mit Waren aus fernen Ländern anzubieten. Neben Reis, Couscous und Bulgur sollen orientalische Gewürze und Zutaten wie Sesampaste das Angebot ergänzen. Obst und Gemüse wie die Okraschote finden sich im Sortiment, ebenso spezielle Käsearten, Joghurt und Wurst in den Kühlschränken. Dazu gibt es Rezepte für Speisen, die man mit den Waren zubereiten kann. Das Ziel ist es den Ausländern - aber auch den interessierten Einheimischen - eine breite Palette an Waren anzubieten, für die man bisher nach Weiden und Schwandorf fahren musste. Gleichzeitig soll aber auch die Essenskultur der Mitbewohner aus Syrien, dem Irak oder dem Iran vermittelt werden. Dass Iwan Antar Hamid exzellent kochen kann, hat er bereits mehrfach bewiesen, zuletzt stellte er zusammen mit Freunden bei der Verabschiedung von Pfarrer Dr. Harald Knobloch ein Buffet auf die Beine, das im Nu "weggeputzt" war. Falafel, Salate und schmackhafte Aufläufe fanden reißenden Absatz.

Mit Probierecke


Das Geschäft soll Ende September eröffnet werden; vorher gab es viel zu tun. Neben dem neuen Anstrich von Wand und Decke wurde ein Büro und Küchenbereich eingerichtet. Es wurde ein neuer Boden gelegt; Küchenmöbel, Sofa und Schreibtisch gab es kostenlos im Werkhof Weiden. Die Verkaufstheke im Laden steuerte Gabi Gilch bei. Zwei Tische mit sechs Stühlen, die vor dem Geschäft neben den Obst- und Gemüsestellagen platziert werden, laden zum Sitzen ein, um einen Kaffee oder Tee zu probieren. Bei all den Arbeiten wurden Geschäftsführerin Angelika Vogl und ihr Angestellter Iwan von syrischen Freunden unterstützt, die tatkräftig bei allen anfallenden Arbeiten mit anpackten. Sobald die Regale mit Waren eingeräumt sind, kann der orientalische Kulturgenuss in die Oberpfälzer Küchen einziehen.

Integration läuftIwan Antar Hamid ist seit Ende April 2015 in Oberviechtach und gelernter Koch. Mittlerweile ist er anerkannter Flüchtling, hat den Integrationskurs in Schwandorf besucht und erwirbt sich weitere Scheine zur Integration.

Seit Mai 2016 sind seine Frau Khairiyah und Sohn Khudhur ebenfalls hier, alle drei wohnen in der Eisenbarth-Straße. Die Frau besucht einen Sprachkurs in Schwandorf, der Sohn geht in den Kindergarten. Als Iwan noch in der Kastlstraße gewohnt hat, kam er eines Tages an den Zaun des Hauses von Angelika Vogl und sagte: "Ich bin Iwan und komme aus dem Irak." So ist die Verbindung zu Angelika Vogl, die Flüchtlinge betreut, entstanden. Seine Flucht nach Deutschland beschreibt Iwan so: "Drei Tage Lastwagen, kein Essen, kein Trinken, keine Toilette". Über Karlsruhe ist er nach Zirndorf gekommen und in Oberviechtach gelandet. Der Familienname Iwans ist Blasini. Antar ist der Name seines Vaters, Hamid der seines Großvaters. (weu)
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