Mundartgenzen
Bairische Differenzen

Eva Sixt spielt mit Herzblut die Chinesin Mei Ding, die Fährfrau werden will.
Vermischtes
Oberviechtach
20.08.2016
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Die Oberviechtacher haben die Eggenfeldener "ausgsunga". Diese ließen sich das nicht bieten. Die bairischen Gstanzln klangen sehr unterschiedlich. Bilder: Held (2)

Blaukraut bleibt Blaukraut und Brautkleid bleibt Brautkleid, heißt ein Zungenbrecher. Mancherorts hat der Rotkohl das Blaukraut bereits verdrängt. Doch Mundart ist mehr als lokale Bezeichnungen für Speis' und Trank.

Das haben im vergangenen Schuljahr Gymnasiasten aus Oberviechtach und Eggenfelden gelernt. Das "Wertebündnis Bayern" förderte diese Projekte an anderen Schulen weiterhin. Erst staunten die Schüler und dann staunte so mancher Besucher der Abschlusspräsentation nicht schlecht, dass das Bairische sich in Nord- und Mittelbairisch untergliedert, ganz zu schweigen von Unterostfränkisch und Niederalemannisch. Das "Mia san mia" eint zwar alle Bayernfans überall auf der Welt und wird bisweilen als bayerisches Lebensgefühl propagiert. Sprachlich san mia aber niad immer mia. Es ist noch nicht flächendeckend angekommen.

Charakteristisch für das Nordbairische ist das Ou, das nicht nur von Eggenfeldenern als Bellen wahr genommen wird. Dafür dachten sich die Oberviechtacher als die Niederbayern auftauchten: "Is bei uns wieda Schüleraustausch? San d' Österreicher daou?" Wer die männliche Butter im Bairischen belustigend findet, wird schnell eines Besseren belehrt. Er braucht nur zum Nachbarn Frankreich zu schauen. Dort heißt Butter "le beurre" und ist - _ männlich.

Bei der kurzweiligen Präsentation - das Projekt stand in Oberviechtach unter der Federführung von Dr. Ludwig Schießl und in Eggenfelden von dessen Sohn Stefan Schießl - hatten die Schüler natürlich die Bonmots herausgepickt, zum Beispiel, die im Nordbairischen üblichen Mehrfachverneinungen. "In dem Haus hod koiner nie niad koi Geld niad ghatt." Ins Hochdeutsche übersetzt heißt das: In diesem Haus waren schon immer alle pleite. Naja und wenn der Eggenfeldener (mittelbairisch) schmatzt, dann schmadert der Oberviechtacher (nordbairisch). Schmatzt der Oberviechtacher, wobei es mit dunklem A gesprochen wird, bedeutet das ganz was anderes. Missverständnisse sind also selbst innerhalb Bayerns nicht ausgeschlossen. Wie soll sich da erst ein Nichtbayer zurecht finden. Hinter all den Gstanzln, der ins Mittel- und Nordbairische übersetzten Bürgschaft von Schiller, erheiternder Ergebnisse versteckt sich die Absicht, bayerische Dialekte in ihrer Vielfalt zu zeigen. Die Beherrschung von Mundart und ihre Anwendung nicht Ausdruck des hinterwäldlerisch Zurückgebliebenen. Der Projektbeschreibung zufolge soll sie als Stärke und Bereicherung verstanden werden.

Zum Abschluss darf mit Bàze, Drenzkache und Koudridscherl geübt werden.. (Hintergrund)

"Wertebündnis Bayern"

Oberviechtach. (ihl) Demokratie, Teamgeist, Verantwortung: Das "Wertebündnis Bayern" will junge Menschen zum Nachdenken über Wertefragen anregen, mit ihnen diskutieren und sie zum Handeln ermuntern. Es wurde im März 2010 auf Initiative von Ministerpräsident Horst Seehofer gegründet. Es organisiert Projekte in den Bereichen Demokratiebildung, Medienkompetenz und interkulturelle Kommunikation. Am 1. Oktober 2015 wurde die Stiftung "Wertebündnis Bayern" gegründet, um die Arbeit für die Zukunft abzusichern.

Die Stiftung als gemeinnützige Verbrauchsstiftung des öffentlichen Rechts verfügt über ein Vermögen von rund 2,5 Millionen Euro. Die Stiftung wird von einem Stiftungsvorstand gesetzlich vertreten und zusammen mit einem Kuratorium verwaltet. Der langjährige Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes Max Schmidt hat den Vorsitz inne. Ministerialrätin Dr. Andrea Taubenböck wurde als stellvertretende Vorsitzende und Geschäftsführerin bestellt.

Schulprojekte zur Mundart

Oberviechtach. (ihl) "MundART WERTvoll" ist ein Projekt der Stiftung "Wertebündnis Bayern". Junge Leute sollen bayerische Dialekte sollen als Ausdruck von Lebensgefühl, von Identität und Vielfalt wertschätzen. Im vergangenen Schuljahr gab es fünf schulische Dialektprojekte, unter anderem mit Beteiligung des Ortenburg-Gymnasiums Oberviechtach und des Karl-von-Closen-Gymnasiums in Eggenfelden. Im Herbst startet das Projekt "MundART WERTvoll" wieder neu. Die Stiftung wählt die Schulen aus, danach beginnt das dritte Projektjahr.

Das Beherrschen von Dialekten im situativen Sprachgebrauch soll Mundart bewahren und junge Menschen für Mundart begeistern: Beide Aspekte greift das Projekt auf. Gleichzeitig soll es den Wert kultureller Vielfalt unterstreichen und den Zusammenhalt sowie die Gemeinschaft in einer sich wandelnden Gesellschaft fördern.

Mei Fähr LadyWie schön das Musical "My fair Lady" auf Bairisch sein kann, beweist das Regensburger Turmtheater seit Jahren mit Erfolg. Der Bairisch-Crashkurs mit Professor Ludwig Zehetner ist bereits Kult. Die Chinesin Mei Ding hat keine Lust mehr, in dem Regensburger Asia-Shop ihres Bruders die Putzfrau zu sein. Ihr Traum wäre es, auf der kleinen Fähre flussaufwärts zu arbeiten, die täglich Einheimische und Touristen über den Strom setzt. Aber die Besitzerin der Fähre gibt ihr den Job nur, wenn Mei Ding Bairisch kann.

Mei Ding bucht einen Crashkurs beim bairischen Dialektpapst Professor Zehetner. Nach ein paar Monaten wird sie mit ihrem Lied bei der Dult zur Dirndlkönigin gewählt. Und verblüfft mit ihrem Bairisch auch ihren Dialektprofessor. (ihl)
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