Nachbarn in der Kastlstraße offen für Behinderten-Wohnheim
Näher an der Gesellschaft

Bereichsleiterin Antje Quittschalle (links) stellte das Unternehmen Dr. Loew Soziale Dienstleistungen vor. Die Leiterin der ansässigen Häuser, Irena Jung (vorne, rechts), legte die Gründe für den Wechsel nach Oberviechtach dar, der für die Bewohner Vorteile bringt. Bilder: weu (2)
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Oberviechtach
06.06.2016
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Stadtauswärts, auf einer freien Bauparzelle zum Ende der Kastlstraße (Hausnummern 33 und 33a) hin, soll eine Wohnanlage für 22 Menschen mit Handicap entstehen.

Mit Ablehnung hatten die Initiatoren gerechnet, doch die Bürger zeigten sich aufgeschlossen, und der Bürgermeister freut sich. Schließlich geht es um die Integration von Menschen mit Handicaps: Sie sollen bald in einem Wohnheim in der Kastlstraße ein Zuhause finden.

Die im Vorfeld befürchtete ablehnende Haltung der Nachbarn gegenüber dem geplanten Wohnheim in der Kastlstraße hat sich nicht bewahrheitet. Auch Bürgermeister Heinz Weigl war angetan von der Idee, dass eine Einrichtung der Dr. Loew Soziale Dienstleistungen nach Oberviechtach kommt.

Selbstständigkeit fördern


Über die geplante Wohnanlage in der Kastlstraße, die vom Unternehmen Dr. Loew Soziale Dienstleistungen getragen wird, informierte Irena Jung viele interessierte Bürger im Gasthof Pösl. Sie freute sich über das Interesse an dem Vorhaben, das auch Bürgermeister Heinz Weigl und einige Stadträte bekundeten. Als langjährige Leiterin des Hauses Tannenschleife und der zwei Häuser in Niedermurach, in denen Menschen mit Handicap wohnen, stellte sie die Wohnanlagen und deren Bewohner vor. Sie erläuterte, warum die beiden Wohngruppen aus Niedermurach nach Oberviechtach in ein neu gebautes Haus auf den freien Platz am Ende der Kastlstraße ziehen sollen.

Die gegenwärtig bewohnten Häuser müssten umfangreich saniert werden. Zudem sollten die Bewohner Gelegenheit zum selbstständigen Einkaufen, zum Kinobesuch oder ähnlichen Aktivitäten erhalten. Ein neues Gesetz schreibe eine Zimmergröße von 14 Quadratmetern mit eigener Nasszelle vor. Um für die Zukunft gut aufgestellt zu sein, entschloss man sich, in die Stadt zu ziehen, wo die Bewohner am gesellschaftlichen Leben besser teilnehmen können.

Baubeginn im August


Der Baubeginn ist für August festgesetzt, der Einzug soll im Dezember 2017 erfolgen. 22 Personen mit einem Altersdurchschnitt von etwa 40 Jahren würden das Haus beziehen. Sie sind lernbehindert oder leicht geistig behindert und können auch Sprachprobleme haben. Im handwerklichen Bereich seien sie jedoch geschickt, so dass sie tagsüber in den Oberviechtacher Werkstätten, in den Werkstätten in Wernberg und in der Werkbank in Teunz arbeiten. In den Heimen sind sie freiwillig, sie haben alle einen gesetzlichen Betreuer von Amts wegen, befinden sich also nicht in einer geschlossenen Einrichtung. Fachliches Personal betreut die Bewohner rund um die Uhr. Bürgermeister Weigl steuerte weitere Informationen bei für die Zuhörer, die positiv auf diese Pläne reagierten. Es sei ihm immer schon ein großes Anliegen gewesen, für Menschen mit Handicaps ein Wohnheim in der Region zu errichten.

Er kenne viele der Heimbewohner durch Besuche von Festen und Feiern. Als Irena Jung mit ihrem Anliegen auf ihn zugekommen sei, habe er ihr mehrere Grundstücke gezeigt oder Häuser zum Umbauen angeboten. Die Entscheidung lag beim Unternehmen Dr. Loew. Als Bürgermeister habe er die Entscheidung sehr begrüßt.

Neue Arbeitsplätze


"Durch das Wohnheim leben mehr Einwohner in Oberviechtach, was sich positiv auf die Schlüsselzuweisung auswirkt", folgerte er. Die Wirtschaftskraft erhöhe sich, Arbeitsplätze und Praktikumsplätze würden entstehen. "Ich stehe zu den Behinderten und empfinde das Wohnheim positiv für Oberviechtach", lautete sein Resümee.

Ich stehe zu den Behinderten und empfinde das Wohnheim positiv für Oberviechtach.Bürgermeister Heinz Weigl


Firma Dr. LoewAntje Quittschalle, die Bereichsleiterin von 13 Einrichtungen, stellte die Firma Dr. Loew vor. Sie ist einer der größten privaten Dienstleister für Menschen mit Behinderungen. Im Jahre 1968 hat der Arzt Dr. Fritz Loew, der in Wernberg-Köblitz praktiziert hatte, die Einrichtung gegründet. Sein damals revolutionäres Ziel war es, behinderte Menschen zu integrieren, sie als Teil der Gesellschaft zu sehen.

Im Jahr 2015 hatte das familiengeführte Mittelstandsunternehmen 1972 Mitarbeiter und 1858 Heimplätze. 112 Häuser in über 30 Einrichtungen stehen den Bewohnern zur Verfügung. Nicht zu vergessen sind die Ausbildungsplätze bei Loew als Heilerziehungspfleger, Erzieher, Altenpfleger und für weitere soziale Berufe. Im Jahr 2018 kann das 50-jährige Bestehen gefeiert werden. Viel Erfahrung im Umgang mit Behinderten konnten die Mitarbeiter in diesen Jahren sammeln. Das Motto "Du kannst es - Trau dich - Wir begleiten dich" ist nach wie vor Grundsatz des Handelns. (weu)
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