Nicht nur Eisenbahnfreunde erinnern sich an die Dampfzugfahrt vor 25 Jahren - Ausstellung ...
Das letzte Signal am Bahnhofsvorplatz

Windig und kalt war es bei der Nostalgiefahrt 1991. Trotzdem füllte sich der Bahnhofsvorplatz in Oberviechtach mit vielen Schaulustigen, die sich über ein tolles Programm freuten. Archivbild: lg
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Oberviechtach
07.10.2016
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Der Bahnhof Oberviechtach um das Jahr 1920 (aus dem Bildband "Oberviechtach in alten Ansichten"). Seit 1913 fuhr damals der Zug weiter nach Schönsee. Archivbild: bgl

Oberviechtach/Schönsee. Am 15. Oktober 1994 war das "Aus" für den Bahnhof Oberviechtach besiegelt. Viele Bürger erinnern sich noch gerne an die letzte Nostalgiefahrt mit der Dampfeisenbahn im Jahr 1991. Nun gibt es Pläne für eine Sonderausstellung.

"Fauchend, eine dichte Wolke und sechs Schnellzugwagen aus den Jahren 1938 bis 1942 hinter sich herziehend, mühte sich die Dampflock 50622 der Baureihe 40 auf der Bahn-Nebenstrecke Nabburg/Schönsee durch das Steinbachtal die letzten paar Meter zum Bahnhof Oberviechtach hinauf." So berichtete die "Grenzwarte" am 13. Mai 1991. Es war eine von der noch jungen Stadtkapelle Oberviechtach zusammen mit dem Nürnberger Verkehrsmuseum organisierte Nostalgiefahrt, verbunden mit einem Bahnhofsfest. Ein Stück Eisenbahngeschichte wurde damals in Oberviechtach wieder lebendig, oder besser gesagt besiegelt, denn es war die letzte Fahrt überhaupt eines Dampfzugs auf dieser Strecke. Seitdem ist ein Vierteljahrhundert vergangen und einen Blick zurück wert.

Erste Pläne


Schon gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es erste Pläne für eine Bahnstrecke in dieser Gegend. Konkretisiert wurden diese 1898 mit einer Konzession für einen Streckenabschnitt Nabburg-Oberviechtach, so dass die Eröffnung am 18. August 1904 und weitergehend am 1. August 1913 bis nach Schönsee stattfinden konnte. Die Bahnverbindung brachte viel Wirtschaftskraft in die Gegend, bis im Verlauf des Wirtschaftswunders auch viele andere Gütertransportmöglichkeiten entstanden.

So wurde nach 70 Jahren der Schienenverkehr mit dem Dampfzug eingestellt und zunächst noch, Dank des Bundeswehrstandorts mit Dieselloks weiterbetrieben, bis zum 15. Oktober 1994 die Strecke endgültig stillgelegt wurde. Dem Verlust der Dampfeisenbahn trauerte die Bevölkerung noch lange Zeit nach. Vor allem wurde immer wieder gefordert, die Strecke mit Nostalgiefahrten am Leben zu erhalten. Diese Anregung nahm die Stadtkapelle zum Anlass für ein Bahnhofsfest, verbunden mit einer Nostalgiefahrt in Absprache mit dem Nürnberger Verkehrsmuseum. Am Samstag, 11. Mai 1991 war es dann so weit. Von einer mächtigen Dampfwolke begleitet schnaufte der Zug mit der Nummer "Lok 50622", mit sechs Schnellzug-Wägen im Schlepptau und 250 mitreisenden Eisenbahnfreunden aus ganz Deutschland, das Steinbachtal herauf und fuhr mit quietschenden Bremsen in den Oberviechtacher Bahnhof ein.

Allen Erwartungen zum Trotz meldete der Nostalgiezug schon 20 Minuten vor Fahrplan durch lautes Pfeifen seine Ankunft an, worauf viele Eisenbahnfreunde erst zum Bahnhof eilten. Kurze Zeit später war der Bahnhofsvorplatz mit Reisenden und Schaulustigen überfüllt. Die Stadtkapelle begrüßte alle mit flotter Blasmusik und Alois Markl überbrückte die Zeit dazwischen mit der Drehorgel. An anderer Stelle spielte der Schaller Willi mit seiner Konzertina auf und die Geschwister Dausch präsentierten eigene Beiträge. Wer Hunger verspürte, dem wurde am Bratwurstgrill der Eigelsberger abgeholfen und Marketenderinnen des Oberpfälzer Waldvereins machten die Gäste mit dem Eisenbarth-Elixier vertraut. Josef Zangl gesellte sich mit seiner Pferdekutsche dazu.

Bürgermeister Wilfried Neuber begrüßte die Reisegesellschaft, besonders die aus der Patenstadt Nabburg mit Bürgermeister Rudolf Scharf. Bis das Signal zur Weiterfahrt gegeben werden konnte und der Zugführer "alles einsteigen" bekannt gab, mussten erst die Dienste der Feuerwehr zum Auftanken der Lok in Anspruch genommen werden. Rund 20 Kubikmeter Wasser wurden bis zum Zielort Nürnberg benötigt.

Erinnerung wachhalten


Das Bahnhofsfest samt Dampfzugbesuch klappte zwar, aber die Beratungen über die Zukunft der Bahn ergaben doch, dass ein Dampfzug niemals mehr diese Schiene befährt. Stattdessen erfreuen sich die Radler, dass man auf der 42 Kilometer langen Strecke (Bayerisch böhmischer Freundschaftsweg) gut radeln kann. Einige Utensilien von damals sind noch in Oberviechtach vorhanden und werden demnächst bei einer Sonderausstellung der Öffentlichkeit präsentiert.
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Stefan Kreuzeck aus Pfreimd | 07.10.2016 | 21:46  
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