Pflegetag in Oberviechtach
„Drittes Auge“ in der Pflege

Der gebürtige Oberviechtacher Dr. Hubert Zahnweh referierte beim Pflegetag im Altenheim. Bilder: frd (2)
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Oberviechtach
12.04.2016
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Jeder Pflegende muss zwar immer das Wohl des Patienten im Fokus haben, darf dabei aber auf kleinen Fall sein eigenes Wohlbefinden vergessen.

"Demenz" lautete das Thema beim Oberviechtacher Pflegetag. Dr. Hubert Zahnweh rückte auch die Belange der Pflegepersonen in den Fokus. Er war nicht der einzige Experte, der mit Ratschlägen aufwartete.

Dass dieser Pflegetag zu einer erfolgreichen Veranstaltung wird, konnte Geschäftsführer Karl-Heinz Stoppa schon bei der Begrüßung feststellen. Der große Mehrzweckraum des Alten- und Pflegeheimes war bis auf den letzten Platz gefüllt und neben Vertretern von stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen, Fach- und Hilfskräften, Arzthelferinnen und Auszubildenden waren auch Schüler der Oberviechtacher Berufsfachschule für Sozialpflege gekommen.

Auch Bürgermeister Heinz Weigl war von dieser "Pflegeinitiative", die vor allen den Pflegenden ihre Arbeit erleichtern soll, sehr angetan. Er zollte Geschäftsführer, Heim- und Pflegedienstleitung und allen Bediensteten des Alten- und Pflegeheimes großes Lob für ihre Arbeit. Dr. Hubert Zahnweh, ein gebürtiger Oberviechtacher, führte in das Thema ein, wobei sein wichtigster Satz lautete: "Wenn es dem, der pflegt gut geht, geht es auch dem Gepflegten gut." Dass die Demenz immer mehr zu einem gesamtgesellschaftlichen Problem wird, sei auch damit begründet, dass die Menschen seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts bis zu 25 Jahren älter werden. Eine gesamtgesellschaftliche Akzeptanz dringend erforderlich. Den betroffenen Menschen müssen durch gut ausgebildete Pflegekräfte ihre Würde erhalten werden, ständige Aus- und Weiterbildungen werden dazu nötig sein.

"Bekämpfen" aufgeben


Dies unterstrich auch Diplom-Psychogerontologin Heidrun Sindilariu in ihrem Vortrag "Neues über die Pflege von Demenzkranken." Sie stellte heraus, dass es sinnlos sei, die Demenzkrankheit zu bekämpfen. Vielmehr müsse gelernt werden, mit ihr zu leben und dem Kranken ein würdiges Leben zu gestalten. Leider sei es bis heute noch nicht gelungen, die Ursachen zu erforschen, doch es sei erwiesen, dass bei fortschreitender Krankheit Teile des Gehirns zerstört werden und der Betroffene irgendwann einmal Dinge tut, die er nicht mehr unter Kontrolle hat. Diese hirnorganische Erkrankung erfordere viel Verständnis und Geduld. Sie zitierte Christian Müller-Hergl, der schon 2005 gesagt hat: "Demenz ist eine Form menschlichen Lebens, die der Akzeptanz und der Gestaltung und nicht der Bekämpfung bedarf."

Zur guten Pflege bedürfe es eines "dritten Auges", das voraussehe, wie der Kranke - oft abweichend von der Logik - reagiere. Deshalb müsse diese Krankheit nicht unbedingt etwas "Furchtbares" sein, vielmehr müsse es gelingen, den Dementen in seiner eigenen Welt leben zu lassen, wozu die Referentin wertvolle Tipps gab. Um den Anforderungen gerecht werden zu können, sei beim Bau neuer Einrichtungen darauf zu achten, dass Demenzkranke nur in kleinen Gruppen leben und so die Pflegenden nicht überfordert werden. Der Diplom-Psychologe Fridolin Voggenreiter referierte nach einer Pause zum Thema: "Sich engagieren für alte Menschen und dabei sich selber nicht vergessen". Er erklärte den Zusammenhang zwischen Gedanken, Gefühlen, körperlichen Auswirkungen und Verhaltensweisen.

Entscheidend, wie es einem Menschen gehe, sei immer nur das Innere, wie er denkt und wie er mit sich selbst und den Dingen des Lebens umgeht. Dieses Denken laufe häufig unbewusst ab, habe aber einen wesentlichen Einfluss auf Gefühle und Verhalten. Der Diplompsychologe stellte dar, wie bei professioneller Arbeit im Altenheim unterschiedlich gedacht werden kann und welche negativen oder positiven Auswirkungen für das Erleben und langfristig für die Gesundheit von Fachkräften von Bedeutung sind.

Stressfreies Arbeiten


Er gab Tipps dafür, wie "Burnout" weitestgehend vermieden werden kann und wie der Pflegende auf einfache Weise viel für sich selbst und ein stressfreies Arbeiten tun kann. Dazu gehörten Tipps, wie auf einfache Weise "abgeschaltet" werden und wie schnelles Einschlafen erreicht werden kann, wenn wir nicht selbst Opfer der Gedanken sind: "Jeder Pflegende muss zwar immer das Wohl des Patienten im Fokus haben, darf dabei aber auf kleinen Fall sein eigenes Wohlbefinden vergessen!"
Jeder Pflegende muss zwar immer das Wohl des Patienten im Fokus haben, darf dabei aber auf kleinen Fall sein eigenes Wohlbefinden vergessen.Fridolin Voggenreiter, Diplom-Psychologe
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