Plädoyer für mehr Hecken oder Wildäcker von Wildlebensraum-Berater Balduin Schönberger
Bessere Lebensräume für Wildtiere

Vermischtes
Oberviechtach
02.12.2015
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In effektivster Agrarlandschaft ist wenig Platz für Wildtiere. Damit sie nicht dem Profit geopfert werden, wirbt Balduin Schönberger für mehr Hecken oder Wildäcker. Bei seinem Vortrag in Oberviechtach hatte er dafür auch handfeste Anreize im Gepäck.

"Man sollte nachdenken, ob wirklich jedes Fleckerl gepflegt sein muss oder ob wir nicht doch ein paar Quadratmeter der Natur zurückgeben, zum Beispiel auch eine Hecke, oder einen Feldrain", sagt Balduin Schönberger und argumentiert: "Das sind Inseln des Lebens - da ist Leben drin." Mit Leidenschaft und voller Überzeugung plädierte er bei der Infoveranstaltung der Kreisgruppe Oberviechtach des Landesjagdverbands dafür, Lebensraum für die wildlebenden Tiere zu schaffen und zu erhalten. Hauptsächlich Jäger waren dabei seine Adressaten im Gasthof "Zur Sonne".

Gesetzliche Verpflichtung

Kreisgruppenvorsitzender Alexander Flierl betonte, dass es schon immer eine gemeinsame Aufgabe der Jägerschaft und der Landwirte gewesen sei, etwas für die wildlebenden Tiere zu tun und Lebensräume zu schaffen, zu erhalten und zu verbessern. Es gebe eine gesetzliche Verpflichtung für die Jäger, die aus dem Jagdgesetz resultierte.

Auch eine Mustersatzung für die Jagdgenossenschaften sehe die freiwillige Übernahme einer entsprechenden Verpflichtung vor. Darin gehe es nicht nur um die Sicherung der Lebensräume für die jagbaren, sondern für alle frei lebenden Tiere. Flierl stellte Schönberger als Fachmann für diese Arten vor: Er ist als Wildlebensraum-Berater am Fachzentrum für Agrarökologie des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Amberg tätig und damit Ansprechpartner für Landwirte, Jäger und Jagdgenossen in der ganzen Oberpfalz. Seine Aufgabe ist es, Lebensräume für Wildtiere in der Agrarlandschaft zu verbessern.

Als Wildlebensraum-Berater geht Schönberger auf Landwirte und Jäger zu und berät sie zur Umsetzung von Maßnahmen, die das Überleben von Wildtieren fördern. Denn Rebhuhn, Feldhase und weitere Tiere sind aufgrund menschlicher Nutzungsansprüche für Erholung, Infrastruktur und Landwirtschaft oft beschnitten, eingeengt oder teilweise verschwunden. "Die kritischen Faktoren für das Vorkommen von Wildtieren in der Agrarlandschaft sind heute vor allem Nahrung und sichere Rückzugsorte", so der Experte. Blühende Flächen am Waldrand oder in der Flur, Hecken, Streuobst, Zwischenfruchtanbau oder wertvolle Winterbegrünung: In der kargen Jahreszeit könnten diese Maßnahmen die Artenvielfalt in Bayern fördern. Mit dem neuaufgelegten Bayerischen Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) stehe Interessierten dafür ein Instrument zur Seite, erklärte Schönberger.

"Förderprogramme setzen Anreize, doch auch ohne sie können Wild-Lebensräume beispielsweise durch Lerchenfenster und Saumstreifen verbessert werden", merkte er an. Durch eine optimierte Anlage von Wildäckern lasse sich die Effizienz dieser Areale deutlich steigern.

Eine intelligente Auswahl der Samenmischung verbessere die Nektar- und Pollenversorgung für Bienen, Wildbienen und Hummeln in den trachtarmen Monaten Juli und August. Entscheidend für den Erfolg aller Maßnahmen sei der persönliche Wille aller Beteiligten und eine solide, praxisbezogene Wildlebensraum-Beratung. "Durch gemeinsames Handeln lassen sich wertvolle Lebensräume entwickeln", zeigte sich der Fachmann überzeugt. Von Feldhasen und Rebhühnern bis hin zu Bienen und Schmetterlingen - alle profitierten von Verbesserungen.

Vorteile im Dialog

Die Maßnahmen erfolgen in enger Abstimmung mit interessierten Landwirten und beruhen auf Freiwilligkeit, informierte Schönberger. Praktikabel, betriebsbezogen und fachlich fundiert soll die Umsetzung sein. Ein Dialog zwischen Landwirt und Jäger sei dabei wichtig. Flächen am Waldrand würden beispielsweise die Bejagung von Schwarzwild erleichtern.

Meist handle es sich dort ohnehin um weniger profitable Standorte. Hecken und Feldgehölze würden zudem der Wasser- und Winderosion vorbeugen und gleichzeitig wichtige Rückzugs-, Brut- und Nahrungsräume für Wildtiere bieten. Winterbegrünung mit Wildsaaten diene dem Bodenschutz und biete gleichzeitig Feldhase und Rebhuhn wertvolle Nahrung und Deckung in der Winterzeit.
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