Pointen wie Kanonenfeuer

Die vier Solisten der Couplet-AG schickten ihre humoristischen und satirischen Pfeilspitzen in alle Richtungen und begeisterten das Oberviechtacher Publikum. Bilder: weu (2)
Vermischtes
Oberviechtach
19.10.2016
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Mühelos schlüpften Bianca Bachmann und Jürgen Kirner in ein gutes Dutzend verschiedener Figuren.Tosender Applaus war ihnen sicher.

"Was ist Glück?", fragte Jürgen Kirner in der Dreifachturnhalle. Ist es der Thermomix in der Küche oder der Porsche in der Garage - oder doch das vierlagige Klopapier? Die "Couplet AG" hatte nicht nur eine Antwort parat.

Die Frage nach dem Glück zog sich durch das zweistündige Programm "Perlen für das Volk". Auserlesene Satire-Perlen, aufgefädelt in einer witzigen Inszenierung, wurden dem Publikum auf Einladung der Freunde der Kunst dann auch in der Dreifachturnhalle des Ortenburg-Gymnasiums serviert. Ob Horst Seehofer ("unser Überraschungsei") oder Carmen Geissen, die sich wegen ihres Silikons im Körper als Trampolin eigne - die "Couplet-AG" schoss wie ein Kanonenfeuer auf Prominente oder solche, die es gerne sein wollen.

Da bin I dahoam


Die neueste Insolvenz, die Bayern-SPD, bekam genauso ihr Fett weg wie Hubert Aiwanger von den Freien Wählern ("Bei meinen Eltern, da bin I dahoam") und "Charakterkopf" Johann Lafer. "Hinter jedem Messerblock ein kleiner frecher Schuhbeck hockt", wurde zur Würdigung des Starkochs gesungen. Zwischendurch sorgte Gitarrist Bernhard Filser als "blonde Glücksfee Penelope" mit ihrem "Shalömchen" für Erheiterung durch ihre geistreichen Lebensweisheiten: "Wer den Kopf in den Sand steckt, sollte mit dem Hintern atmen können" oder "Wer sich am Hintern kratzt, sollte nicht Fingernägel kauen." Und wenn erst der "Rasso" vom Inkasso an der Tür klopft, helfen auch die "Söder-Rektal-Zäpfchen", die ins Publikum geworfen wurden, nicht mehr. In allen Einzelheiten wurde das fröhliche Kakerlaken-Leben besungen, das in der Brotfabrik, in der Wurstfabrik und schließlich im Dschungelcamp ihr allerhöchstes Glück findet.

Ob als "Olga aus Russland" oder als "Spielerfrau Jacky", Bianca Bachmann wechselte blitzschnell die Rollen. Sie hatte die Lacher auf ihrer Seite, als sie als "Latte-Macchiato-Mutter" hintergründig von Föten-Mathematik, Fruchtwasser-Ballett und Frühförderung bereits in der Schwangerschaft schwärmte. In Anlehnung an den Werbeclip "I bin da Landi - und do bin I dahoam" hieß es bei der "Couplet-AG" beispielsweise: "I bin die Berta, zieh Ferkel groß und krieg Herdprämie und desweng bleib i dahoam." Beißende Satire kam bei der Frage "Möchten Sie erben" auf, lautete doch die Empfehlung: "Haus Abendrot testet für die Pharmaindustrie. Schicken sie ihren Opa zu uns."

Krankenhaus-Misere


Als Lösung für die Krankenhaus-Misere empfahl das Quartett: "Noch mehr Patienten durchschleusen." Schließlich gebe es keine Gesunden, sondern nur "zu wenig untersuchte Kranke". Den musikalischen Rahmen bot zusammen mit Gitarrist Bernhard Filser, Bernhard Gruber, der auch für viele der Kompositionen verantwortlich zeichnet, auf seiner Knopfharmonie. Der "kleine Große" Jürgen Kirner, Texter und Ideengeber der Gruppe, schlüpfte mühelos in die verschiedensten Rollen und strapazierte die Lachmuskeln. In der Pause wurden die Gäste mit Getränken versorgt, die von Schülern des P-Seminars serviert wurden. Nach zwei Stunden Musikkabarett der Extraklasse bedankte sich das Publikum mit langem Applaus.
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