Restwerkzeuge und Utensilien aus alter Zeit können das ganze Jahr über im Hammermuseum ...
Geschichte des ehemaligen Eisenhammers

Vermischtes
Oberviechtach
02.12.2015
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Eine Bereicherung der Kulturgeschichte in der Region Oberviechtach ist momentan in der kleinen Ortschaft Lukahammer bei Pirkhof im Entstehen. Dabei geht es um die Aufarbeitung der Geschichte des ehemaligen Eisenhammers, bzw. des einstigen Hammerwerks und später dann sogar der hier ansässigen Glasschleiferei. Dort, wo jetzt die "Hammerschänke" als stattliche, attraktiv eingerichtete Ausflugsgaststätte bei einer deftigen Brotzeit zum Verweilen einlädt.

Genau auf diesem Stück Land existierte schon im Jahr 1387 ein eigenständiger Eisenhammer, der 1881 dem Neubau eines Hammerwerks weichen musste, welches sich zunächst als Waffenschmiede einen Namen machte. Im Verlauf der Jahre aber wurden meistens Gebrauchswerkzeuge wie Schaufeln, Pflugscharen, Hammer oder sonstiges Werkzeug hergestellt.

Restwerkzeuge und Utensilien aus alter Zeit können das ganze Jahr über im Hammermuseum besichtigt werden. Herbert Brunner, der frühere Eigentümer des Landgasthofs, steckte zusammen mit seiner Familie viel Geld in dieses Vorhaben, welches vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) gefördert wurde. Projektträger für die Ausstellung "Hammerwerk & Eisenhütte" ist gegenüber der Lokalen Aktionsgruppe die Tochter Andrea Braun.

Eine reichhaltige Geschichte rankt sich um die Vergangenheit von Lukahammer. Begonnen hat alles mit der Jahreszahl 1387, wie Dr. Reiner Reisinger herausfand. Am 7. Januar des Jahres wurde eine "Große Hammereinung" von "Wolffhart Ymmertewr mit dem hamer in der Langenaw" besiegelt. Sieben Jahre später verkaufte Konrad IV. von Paulsdorf den "hammer des Nymertewers" an Pfalzgraf Ruprecht II. von Wittelsbach. Eine weitere Erwähnung erfolgte 1488 in einem Leuchtenberger Lehenbuch: "Das dorf Garttenrewt und der Hamer doselbst (Lukahammer) geht alles von landgraffschaft zulehen".

Unter weiteren diesbezüglichen Einträgen fällt die Jahreszahl 1622 besonders auf, denn aus einer in diesem Jahr verfassten Amtsbeschreibung ist ersichtlich, dass Lukahammer zum Pflegamtsbereich Murach gehörte. Nach dem allgemeinen Niedergang der Hammerwerke Ende des 18. Jahrhunderts entstand am Lukahammer ein Glas- und Polierwerk für Spiegelglas. In einem weiteren urkundlichen Beleg aus dem Jahre 1810 stand unter anderem zu lesen, dass auf dem Anwesen Lukahammer, das die Leinschlaggerechtigkeit innehatte und dem Landgericht Neunburg vorm Wald unterstand, eine Mahlmühle und eine Nagel- und Waffenschmiede betrieben wurde.

Um 1830 wurde das Landgut in zwölf kleine Anwesen zertrümmert und 60 Jahre später das alte Hammerwerk am Stauweiher durch einen Neubau ersetzt. Mit dem Einzug einer langsamen Technisierung zum Ende des 19. Jahrhunderts erhielt das neue Werk sogar eine mechanische Werkstätte, worin Einrichtungen für Schleifwerke, kleine Wasserkraftwerke und Mühleneinrichtungen hergestellt wurden.

Nach dem Niedergang der Glasschleifen nach 1918 allgemein, wovon auch Lukahammer betroffen war, produzierte man mit Hilfe der Wasserkraft noch Holzwolle - bis auch hierfür kein Bedarf mehr vorhanden war und das ehemalige Hammerwerk das endgültige "Aus" hinnehmen musste.

Der "Mühlendoktor" - Am 3. Januar 1887 erfolgte die Übergabe des Anwesens an den Sohn Johann (Nepomuk) Kreuzer (+1916). Er gliederte innerhalb eines Jahres (Urkataster: Einträge für einen Neubau am 26. Juli 1887 und am 5. April 1888) den folgenden beiden Jahren dem Hammerwerk eine mechanische Werkstätte an, worin er Einrichtungen für Schleifwerke herstellte. Auch unterhielt er eine Reparaturwerkstätte für landwirtschaftliche Maschinen und baute kleine Wasserkraftwerke sowie Mühleneinrichtungen - darum Kreuzers Spitzname "Mühlendoktor".

Die Ausstellung mit früher im Hammerwerk erzeugten Werkzeugen und sonstigen Gebrauchsgegenständen aus vergangener Zeit kann über den gesamten Jahresverlauf besichtigt werden. Zusammen mit dem "Hammermuseum" ist auch der Weltrekord-Bierkrug kostenlos zu besichtigen.

Als weitere Attraktion zieht demnächst auch eine seltene Münzensammlung in das neue Museum ein. Dabei handelt es sich um ca. 200 Stück Pfennigmünzen aus dem frühen 15. Jahrhundert welche im Sommer 2004 bei Kanalbauarbeiten in der Nähe des ehemaligen Hammerwerkes zutage befördert wurden.

Vom Hammerwerk zur Hammerschänke: Herbert Brunner ist geboren und aufgewachsen in Mitterteich. Im Jahr 1961 wurde er als Rekrut zur Bundeswehr eingezogen und landete als einer der ersten Soldaten in der neu erbauten Grenzlandkaserne in Oberviechtach. Nach zwölf Jahren Dienstzeit wurde er 1976 aus dem Militärdienst entlassen. Gemeinsam mit seiner Frau Mathilde fasste er den Entschluss, in die Gastronomie einzusteigen und baute in der idyllischen Lage des Hammerweihers in Nähe des ehemaligen Hammerwerks eine Gaststätte mit dem Namen "Hammerschänke".
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