Schriftsteller Nevfel Cumart beleuchtet im Altenheim den islamischen Kulturkreis
Lieber den Dialog suchen

Den Seniorenbeauftragten und langjährigen Stadtrat in Oberviechtach Reinhold Malzer verbindet seit rund 25 Jahren ein freundschaftliches Verhältnis mit Nevfel Cumart. Bild: bgl
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Oberviechtach
12.04.2016
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"Was bedeutet eigentlich Islam? Was genau ist der Koran, und wer war Mohammed?" Dies Fragen klärte der Islamwissenschaftler und deutsch-türkische Schriftsteller Nevfel Cumart im Mehrzweckraum des Alten- und Pflegeheims vor großem Publikum.

Mut zur Begegnung


Den Seniorenbeauftragten Reinhold Malzer verbindet seit rund 25 Jahren ein freundschaftliches Verhältnis mit Nevfel Cumart. Mit der Einladung erfüllte er den Wunsch zahlreicher Besucher, die 2015 bei einer Lesung auf Cumart getroffen waren. Der Termin sollte auch Möglichkeiten zur besseren Verständigung zwischen dem christlichen und islamischen Kulturkreis aufzeigen und dazu ermutigen, fremden Religionen und Lebensweisen offener zu begegnen, so Malzer.

In Deutschland leben zurzeit rund 4,5 Millionen Muslime unterschiedlicher Herkunft. Viele von ihnen haben ihre traditionellen Sitten und Gebräuche beibehalten. Hinzu kommen aber noch viele muslimische Flüchtlinge aus Krisen- und Kriegsregionen. Klischees, Unkenntnis und besonders die Ereignisse im Nahen Osten führten in der westlichen Welt noch oft zu Befürchtungen. Die ursprüngliche Islamlehre allerdings gebe dazu keinen Anlass. "Darum ist es wichtig, mehr voneinander zu wissen und das Gespräch zu suchen, um ein gedeihliches Zusammenleben zu erreichen", sagte Islamwissenschaftler und Turkologe Nevfel Cumart.

Dabei ging er zurück bis zur Entstehung des Islams. Er beleuchtete das Wirken des Propheten Muhammed, die individuellen Grundpflichten, ebenso die beiden Hauptströmungen "Schiiten" und "Sunniten" sowie auch dem Inhalt und Aufbau des Korans. Darüber hinaus zeigte er Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Christentum und Islam auf. Im Verlauf seines Vortrags beantwortete der Schriftsteller auch Fragen aus dem Publikum und erläuterte aktuelle Entwicklungen sowohl in der islamischen Welt als auch in Deutschland. Cumart, der auch als Lyriker und Übersetzer bekannt wurde, tourt schon seit vielen Jahren durch Deutschland. Außerdem unternahm er Lese- und Vortragsreisen nach England, Irland und in die Türkei und wurde vielfach ausgezeichnet (siehe Info-Kasten).

Bundesverdienstkreuz


Zuletzt überreichte ihm im Juli 2014 Bundespräsident Joachim Gauck das Bundesverdienstkreuz am Bande. Cumart leitet Seminare über Aspekte der islamischen Religion, die Lebenssituation der Ausländer in Deutschland sowie über die türkische Gesellschaft und Kultur. Zum Schluss befasste er sich noch mit dem Koran, der seiner Meinung nach im religiösen Sinn nicht übersetzbar ist. Auch die Wallfahrt nach Mekka mit zwei Millionen Besuchern rückte er in den Fokus. "Wer mindestens einmal in seinem Leben an dieser Wallfahrt teilgenommen hat, ist in seiner Nachbarschaft hoch angesehen", begründete er die Popularität.

Zur PersonNevfel Cumart ist 1964 in Lingenfeld (Rheinland-Pfalz) geboren. Er zählt mit 17 Gedichtbänden zu den produktivsten Lyrikern der jüngeren Generation in Deutschland. Er wuchs in Stade (Niedersachsen) auf und studierte Turkologie, Arabistik, Iranistik und Islamwissenschaft an der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg. Cumart wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet: Literatur-Förderpreis des Landes Rheinland-Pfalz (1992), Bayerischer Förderungspreis für Literatur (1995), Aufenthaltsstipendien im Literarischen Colloquium Berlin (LCB) (1995 und 1996), Kulturpreis Bayern (2008) und Pax-Bank-Preis (2011). (bgl)
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