Schulleiter Günter Jehl nimmt Abschied vom Ortenburg-Gymnasium
Noch lange nicht schachmatt

Schulleiter Günter Jehl (Dritter von links) verlässt das Ortenburg-Gymnasium und räumt seinen Posten für Ludwig Pfeiffer (Vierter von links). Jehls Wirken in Oberviechtach würdigten Bürgermeister Heinz Weigl (links), Schülersprecherin Lena Graf und stellvertretender Landrat Joachim Hanisch. Bild: Bugl
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Oberviechtach
29.07.2016
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Das Amt des Schulleiters hat etwas von einem großen Gummi-Puffer. Acht Jahre hat Günter Jehl am Ortenburg-Gymnasium abgefedert, was an Ansprüchen auf die Schule einprasselte. Jetzt warten neue Herausforderungen auf ihn. Beim Abschied lüftete er das Geheimnis, wer sein Nachfolger wird.

Als Günter Jehl vor acht Jahren Chef am Gymnasium wurde, war er der jüngste Schulleiter in der Oberpfalz. Als "Verwaltungshengst" sei er nach Jahren im Ministerium hier angekommen. Drei Jahre habe es gedauert, bis er seinem Vorgänger Hans Wurm Recht geben musste in der Auffassung, dass Schulleitung eine Gesprächsaufgabe sei, bekannte der scheidende Oberstudiendirektor.

Was Jehl in seiner Führungsposition bewegte, hatte zuvor schon Studiendirektor Ludwig Pfeiffer aufgelistet: umfangreiche Umbauten und Sanierungen in der Schule, den Vollzug des Wechsels vom G 9 zum G 8, die Etablierung eines wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Zweiges sowie Kooperationen mit Universitäten, Firmen und Vereinen. Studienorientierungsmesse, die Einführungsklasse und die Rolle als Pilotschule für die "Mittelstufe Plus" führte Pfeiffer ebenso ins Feld wie - als Höhepunkt der Amtszeit - die Feier zum 50-Jährigen des Gymnasiums.

Besonnen wie im Schach


"Mit Günter Jehl verlässt eine profilierte Persönlichkeit die Schule", bedauerte Pfeiffer und pries die umfassende Sachkompetenz des Schulleiters, dem gerade in Situation, in denen Ruhe und Besonnenheit nötig waren, seine Erfahrungen als begeisterter Schachspieler geholfen hätten.

Bürgermeister Heinz Weigl machte deutlich, dass Jehl durch die hervorragende Zusammenarbeit mit der Kommune auch zum guten Ruf der Eisenbarth-Stadt beigetragen hat, und Schülersprecherin Lena Graf wusste das offene Ohr des Chefs für die Anliegen der Schüler zu schätzen. Von einer Mischung aus Wehmut und Chance sprach stellvertretender Landrat Joachim Hanisch angesichts von Jehls Wechsel an das Dr. Johanna-Decker-Gymnasium und die gleichnamige Realschule in Amberg. "Aber im Landkreis überwiegt das weinende Auge." "Ich hoffe, dass weder Sie noch wir schachmatt gehen", erklärte Personalratsvorsitzender Stefan Obendorfer. Zusammen mit den Lehrerkollegen übergab er einen Olivenbaum samt Pflegeanleitung, die der Schulleiter auch auf sich beziehen könne. Dass es Schulleiter nicht leicht haben angesichts einer "Explosion von Ansprüchen" im "Taumel der Beschleunigung", gab Jehls Vorgänger bei der Verabschiedung zu bedenken und verglich seine Funktion mit der eines großen Gummi-Puffers. "Gymnasien sind wie große Fahrzeuge, sie vertragen kein hektisches Herumgefuchtel", so Oberstudiendirektor a.D. Hans Wurm. "Es wäre jetzt an der Zeit, dass man sich an das Machbare hält." Und nicht zuletzt empfahl er aufgrund der "gesundheitsgefährdenden" Chef-Funktion am Limit in Anlehnung an Jonathan Swift drei Ärzte: Dr. Maßvoll, Dr. Ruhe und Dr. Freude.

Reif für den Chefsessel


"Lernt, was das Zeug hält", spornte Günter Jehl in seiner Abschiedsrede die Schüler an. Die größte Freude sei es für ihn, ehemalige Schüler wachsen und reifen zu sehen, die Krönung, wenn sie als Lehrkräfte zurück an der Schule sind. Und während er selbst in Amberg mit viel Lebenserfahrung Neuland betritt, ist in Oberviechtach sein Nachfolger "herangereift". Jehl machte es spannend: Ludwig Pfeiffer sei ab 1. August stellvertretender Schulleiter - um dann vier Wochen später ganz die Leitung zu übernehmen.

Gymnasien sind wie große Fahrzeuge, sie vertragen kein hektisches Herumgefuchtel.Hans Wurm, Oberstudiendirektor a.D.
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