Segen für Glockenturm in Konatsried
„Fingerzeig zum Himmel“ saniert

Die Dorfbewohner von Konatsried feierten mit zahlreichen Gästen die Fertigstellung des Gemeinschaftswerkes. Vorher nahm Dekan Alfons Kaufmann die Weihe des Glockenturmes vor. Bild: lg
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Oberviechtach
30.06.2016
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Stadtpfarrer Alfons Kaufmann (von links), Rektor Lothar Drachsler und Koordinator Bernhard Gäbl dankten Gottfried Steger. Bild: lg

In vielen kleinen Orten des Altlandkreises ist ein Glockenturm der markante Mittelpunkt des Dorfes. Von Zeit zu Zeit muss dieser renoviert oder gar erneuert werden. Auf die Dorfgemeinschaft von Konatsried warteten hierbei aber mehrere Überraschungen.

-Konatsried. Für Stadtpfarrer Alfons Kaufmann war es eine Premiere, als er am Sonntag dem neuen Glockenturm den kirchlichen Segen erteilte. Für den Dekan der erste Glockenturm, den er weihte, für die Konatsrieder ein Festtag, der unter der Regie von Bernhard Gäbl generalstabsmäßig vorbereitet worden war.

Amtsmüder Glöckner


Den Stein ins Rollen hatte im Frühjahr der langjährige Glöckner Gottfried Steger gebracht, der mit seinem 60. Geburtstag von den täglichen Läutdiensten entbunden sein wollte. Anfangs wusste er nicht recht, wie er von diesen Aufgaben loskommen könnte, doch schließlich schaltete er den Bürgermeister ein - und das war der richtige Schritt. "Mindestens einmal pro Woche tauchte Gottfried Steger mit seinem Roller am Rathaus auf!", erzählte Bürgermeister Heinz Weigl mit launigen Worten bei der Weihefeier. Der amtsmüde Glöckner redete mit steigender Intensität auf den Bürgermeister ein, der schließlich vor Jahrzehnten sein Schulkamerad gewesen war. Einem Klassenkameraden kann man einen solchen Wunsch nicht abschlagen, die Anschaffung eines elektrischen Läutwerks für Konatsried wurde zur Chefsache gemacht. Groß war allerdings die Überraschung, als bei der geplanten Neuverschalung des Turms festgestellt wurde, dass das ganze Gerüst marode war. Man brauchte also auch ein neues Balkengerüst.

Doch damit nicht genug. Schließlich musste bei der Passauer Gießerei Perner auch noch eine neue Glocke angeschafft werden, weil die alte durch eine Fehlstellung des Klöppels im Laufe der Jahrzehnte zahlreiche Risse bekommen hatte. Bernhard Gäbl machte in seinem detaillierten Rückblick deutlich, dass sich das gesamte Projekt als ein hervorragendes Gemeinschaftswerk zwischen den Fachleuten der Stadt Oberviechtach und der Dorfbevölkerung von Konatsried entwickelte. Es war geradezu beispielhaft, wie die amtlichen Organe unter Stadtzimmerer Hans Elsner und die Bewohner von Konatsried vom Fällen der Bäume im Stadtwald, dem Hobeln der Bretter, dem Fundamentbau bis zur Ausrichtung eines zünftiges Festes am Weihetag zusammenarbeiteten.

Bei Geburt und Tod


Stadtpfarrer Alfons Kaufmann ging in seiner Predigt sowohl auf die Optik des Turmes als Fingerzeig zum Himmel als auch auf die Glocke als akustischen Hinweis auf Gott ein. Dreimal täglich läutet die Dorfglocke zum Gebet und erklingt auch beim Tod eines Mitbewohners. Aber auch bei der Geburt eines Kindes, so die Anregung des Geistlichen, sollte künftig die Glocke das freudige Ereignis verkünden.

Nach den Gebeten unter der musikalischen Mitgestaltung durch die Murachtaler Sänger feierten die Dorfbewohner von Konatsried mit zahlreichen Gästen und den äußerst willkommenen Sponsoren ihren Festtag unter dem Glockenturm.

Dank an Glöckner-Dynastie StegerMit einem Rückblick auf die Geschichte des Glockenturms bereicherte Rektor Lothar Drachsler die Feierlichkeiten. Dabei machte er deutlich, dass es seit 1937 vier Glockentürme an unterschiedlichen Standorten im Dorf gab. Ganz aufschlussreich war auch Drachslers Recherche zu den Glöcknern. Katharina Nösner, Anton Schön, Hans Steger, Matthias Steger und Gottfried Steger wurden hier genannt. Die Glöckner-Dynastie Steger läutete über viele Jahrzehnte.

Die jetzt aufs Altenteil geschickte Glocke wurde in den fünfziger Jahren angeschafft und von Prälat Simon Sindersberger geweiht. In der Nachkriegszeit gab es nämlich längere Zeit keine Glocke in Konatsried, weil diese 1944 für die militärische Metallbeschaffung dienen sollte. Ob sie wirklich eingeschmolzen wurde, ist nicht bekannt. Seit 1997 bereichert ein Dorfkreuz mit Figuren des heimischen Holzbildhauers Alfred Tragl das Ensemble. (lg)
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