Spatenstich für neues Wohnzentrum für Behinderte
Mittendrin statt nur dabei

So soll das neue Wohnzentrum "VIO 33" in der Kastlstraße nach einem Plan von Architekt Markus Seiffert aussehen. Repro: hfz
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Oberviechtach
05.08.2016
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Bürgermeister Heinz Weigl, MdL Alexander Flierl, Landrat Thomas Ebeling, Ministerin Emilia Müller und Sandra Loew (von links) sowie Peter Pirzer (am Pult) überzeugte vor allem der Standort der Wohnzentrums. Bild: Bugl

Das Kino ist nicht weit, das Café um die Ecke. Inklusion ist hier leichter zu bewerkstelligen als im dörflichen Umfeld. Davon war am Freitag Staatsministerin Emilia Müller überzeugt, als sie in der Kastlstraße in Oberviechtach den Spaten für ein Behinderten-Wohnzentrum in die Hand nahm.

Das Wohnzentrum in der Kastlstraße ist ein Gemeinschaftsprojekt der Gesellschaft für soziales und betreutes Wohnen (GSBW) und der Dr. Loew Soziale Dienstleistungen. 22 Menschen mit leicht- bis mittelgradiger geistiger Behinderung sollen hier einziehen, wenn der Bau fertig ist. "Vitale Inklusion in Oberviechtach" - abgekürzt VIO - ist hier in Nummer 33 angedacht. Und das ist nicht nur der Name des Gebäudes, sondern zentrale Vision", stand in der Einladung zum Spatenstich, der auch viele Kommunalpolitiker an die Baustelle lockte. "Menschen mit Behinderung bedürfen der Politik", zeigte sich Peter Pirzer von der GSBW überzeugt und zeigte die Dimensionen des Wohnzentrums auf. "Wir bewegen nicht nur ein kleines Stück Erde, wir beginnen ein Großprojekt", stellte er klar und rekapitulierte die ersten Schritte auf diesem Weg: Im Oktober 2015 hätten beide Unternehmen Grundstücke in Oberviechtach von 2000 Quadratmetern plus "1000 Quadratmetern entwickelbarem Raum" besichtigt und seien in der Kastlstraße fündig geworden. Hier entstehe nun in Holz-Ständer-Bauweise ein Wohngebäude mit 1000 Quadratmetern und in der Größenordnung von 4000 Kubikmeter umbautem Raum. Rund 1,5 Millionen Euro werden damit in Oberviechtach investiert.

"80 Prozent der Aufträge gehen an regionale Unternehmen, 50 Prozent an Oberviechtacher Firmen", berichtete Pirzer. "Wir sind stolz darauf, als Kinder der Region etwas zurückgeben zu können." Die Fertigstellung des Baus ist für 2017 anvisiert, spätestens im Januar 2018 sollen die neuen Bewohner einziehen.

Zu Fuß in die Stadt


"Froh über einen Partner an der Seite" bei der Realisierung des Projekts zeigte sich Sandra Loew. Auch in Niedermurach, dem bisherigen Quartier, habe man behinderte Menschen integriert, aber hier gebe es nun auch die Annehmlichkeiten einer Stadt. "Da eröffnen sich Möglichkeiten, die es bis jetzt nicht gab", meinte sie angesichts der fußläufigen Anbindung ans Zentrum mit Café, Kino oder Einkaufsmöglichkeiten.

"Mittendrin statt nur dabei - das ist unser Motto", pries Emilia Müller, Staatsministerin für Arbeit und Soziales, Familie und Integration, den innovativen Wohnbau und freute sich über die Lage mitten in einem Wohngebiet. Das decke sich mit der Zielsetzung der Behindertenpolitik. "Wir wollen, dass die Menschen keine Hürden vorfinden", erklärte sie und fügte hinzu: "Deshalb ist es auch wichtig, die Hürden in den Köpfen zu beseitigen." Als verlässlichen Partner bei der Umsetzung solcher Ziele würdigte sie die Dr. Loew Soziale Dienstleistungen und schlug dem Unternehmen vor, sich für den auf bayerischer Ebene ausgelobten Miteinander-Preis zu bewerben.

Soziale Stärke


Beeindruckt von dem Konzept der Wohngruppe zeigte sich auch Landrat Thomas Ebeling, und MdL Alexander Flierl verwies auf die gute Perspektive, die sich damit nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch im sozialen Bereich auftue. "Eine Gesellschaft muss sich an dem messen, wie sie mit den Schwächsten umgeht", so seine Einschätzung.

Von einem Freudentag für Oberviechtach sprach Bürgermeister Heinz Weigl, bevor alle zum Spaten griffen und die ersten Brocken feuchter Erde durch die Luft flogen. Inklusion werde hier in einer Wohnstraße gelebt, einer Straße, in der er übrigens auch selber wohne. "Miteinander leben kann man nur, wenn man mittendrin ist und nicht an der Peripherie", so sein Fazit. "Einen besseren Standort hätten wir gar nicht finden können", gab er zu bedenken und meinte mit einem Seitenblick auf die Bauherrn: "Ich freue mich schon auf das erste Straßenfest."

Wir bewegen nicht nur ein kleines Stück Erde, wir beginnen ein Großprojekt.Peter Pirzer
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