Streit um geplantes Stadtarchiv
Museumsverein sieht sich vor vollendete Tatsachen gestellt

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Oberviechtach
15.12.2015
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"Zum jetzigen Zeitpunkt ist es der völlig falsche Weg, das Projekt 'durchzupeitschen'. Vielmehr sind noch eingehende Gespräche mit allen Beteiligten erforderlich, um zu einer Kompromisslösung zu gelangen, die alle zufrieden stellt. Sich über das Konzept des Architekten Gedanken zu machen, wurde den Stadträten bei der letzten Sitzung vom Bürgermeister auch als 'Hausaufgabe' mit auf den Weg gegeben. Wir haben uns ebenfalls eingehend damit auseinandergesetzt".

Mit "Wir" ist in diesem Zitat aus einer Vorstandssitzung vom vergangenen Sonntag die Vorstandschaft des Museumsvereins unter Führung von Altbürgermeister Wilfried Neuber gemeint. Die Rede ist von der vorbereitenden Planung für die Errichtung eines Stadtarchivs an der Stelle des ehemaligen Soutschka-Anwesens ("Mulz") am Taubenplatz 4 (wir berichteten). In der Vorstandssitzung wurde vor allem auch bedauert, "dass der Bürgermeister bisher trotz wiederholter schriftlicher Zusagen weder den Museumsverein noch den Doktor-Eisenbarth-Arbeitskreis als unmittelbar Betroffene in die Planungen und Gespräche eingebunden hat". Vielmehr seien alle Beteiligten einschließlich des Stadtrats bei der letzten Stadtratssitzung mit dem Konzept des Architekten Peter Brückner mehr oder weniger vor vollendete Tatsachen gestellt worden, was die grundsätzliche Nutzung des geplanten Stadtarchivs und die Erfordernisse des Museums betrifft.

Letztere beinhalten sowohl ein ausreichend geräumiges Depot für die museale Sammlung, ein behindertengerechtes WC sowie einen Zwischenbau vom Stadtarchiv zum Museum und einen Aufzug für ein barrierefreies Erreichen aller Abteilungen für Menschen mit Behinderung. Gerade der letzte Aspekt sei für ein modernes Museum im Zeitalter der Inklusion ein unabdingbares Erfordernis. Zugleich sollte im Sinne der Nutzung von kulturellen Synergieeffekten eine inhaltliche, gebäudliche und räumliche Einheit geschaffen werden.

Was in dem bestehenden Konzept des Architekten möglich wäre, ist ein Depot für das Museum mit rund 40 Quadratmetern und ein Zugang vom Museumshof zum Behinderten-WC im Erdgeschoss. Dieses ist aber nach Ansicht der Verantwortlichen des Museumsvereins für das Museum ohne Verbindung zum Veranstaltungsraum im Kulturzentrum wertlos. Von einem Zwischenbau und einem Museumsaufzug sei jedoch im Entwurf nicht die Rede. Vielmehr finde sich darin ein Seminarraum für Vorträge, der angesichts des an das Museum angegliederten Kulturzentrums keinerlei Sinn mache, da er nicht gebraucht werde.

Die Vereinsführung bedauert auch, dass bei der Stadtratssitzung eine vom Museumsverein vorgeschlagene mögliche Alternative, die "Mulz" ausschließlich für museale Zwecke zu nutzen und das Stadtarchiv am Platz des im Besitz der Stadt befindlichen und mittlerweile fast baufälligen ehemaligen Pirzer-Anwesens in der Sailergasse zu errichten, überhaupt nicht erörtert wurde. "Ganz in unserem Sinn ist die Anregung der CSU-Fraktion, das neue Stadtarchiv stärker mit Leben zu erfüllen. Jedoch ist die dafür vorgeschlagene Verlagerung der Stadtbücherei unseres Erachtens nicht der richtige Weg. Unabhängig von der Sinnhaftigkeit bedürfte es einer solchen Maßnahme überhaupt nicht, wenn das Museum stärker in das Konzept eingebunden würde, denn dadurch würde sich zwangsläufig eine größere Belebung des neuen Gebäudes ergeben", heißt es in der Stellungnahme weiter. Dies könnte aber - so der Tenor der Vorstandssitzung - nur durch einen entsprechend geräumigen Depotraum, u. a. auch für Ausstellungen, sowie einen Zwischenbau und einen Museumsaufzug erreicht werden.

"Mit der Verwirklichung der aufgeführten Vorschläge würde die Attraktivität des Museums, das heuer bei weitem die höchste Besucherfrequenz seit der Gründung des Hauses aufweisen kann, noch mehr gesteigert und könnte sich als kulturelles Aushängeschild der Stadt weiter etablieren", heißt es abschließend.
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