Stumme Zeugen am Wegesrand

Dieser gepflegte Bildstock mit Eisenkreuz ist ein wahres Schmuckstück.
Vermischtes
Oberviechtach
05.09.2016
49
0
 
An einen Raubmord erinnert dieser Holzbildstock in einem Waldstück bei Kühried (Gemeinde Teunz). Bilder: te (3)

"An dieser Stelle verunglückte in Folge eines Sturzes der wohlgeborene Herr Joseph Huber, königlicher Revierförster in Pullenried, am 2. April 1863 in einem Alter von 42 Jahren. Betet für ihn." Marterln am Wegesrand erinnern oft an Unglücksfälle. Derzeit stehen sie besonders im Fokus. Dafür gibt es einen Grund.

Der Tag des offenen Denkmals steht am 11. September bundesweit unter dem Motto "Gemeinsam Denkmale erhalten" und damit ganz im Zeichen des gemeinschaftlichen Handelns. Im Altlandkreis Oberviechtach gibt es annähernd 600 Klein- und Flurdenkmale. "Sie bedürfen überwiegend keiner Aufforderung zum Erhalten und befinden sich in einem durchaus anerkennenswertem Pflegezustand", betont Hubert Teplitzky, ehemaliger Kreisheimatpfleger.

Unter Denkmalschutz


Es könne aber schon gelegentlich einmal vorkommen, dass vor Kraft strotzende jugendliche Burschen gedankenlos versuchen, ein Kreuz zu verbiegen oder gar aus der Verankerung zu reißen. Auch gebe es hie und da herrenlose Marterln. Sie stehen stumm am Wegesrand und stören nicht. Manchmal sei Eigentümern eine Beschädigung gar nicht bekannt; dann öffne ein persönliches Gespräch mit ihnen Tor und Türen. Anerkennenswert sei, dass in den letzten Jahren aus den verschiedensten Gründen heraus, an acht Standorten neue Objekte errichtet worden sind, darunter auch ein Totenbrett. Diese vielen Feld-, Flur- und Sühnenkreuze, Bildstöcke, Totenbretter und Kapellen stehen alle unter Denkmalschutz, auch wenn sie nicht eigens in der Denkmalschutzliste aufgeführt sind. Bei einer Entfernung oder Versetzung muss deshalb in jedem Falle das Einverständnis der Unteren Denkmalschutzbehörde beim Landratsamt eingeholt werden.

Vom Blitz erschlagen


"Johann Wolfgang Deyerl, ehemaliger Wirt von Lind, wurde hier auf diesem Wege vom Blitz getötet. Herr gib ihm die ewige Ruhe. 27.9.1817", ist auf einem Marterl im Bereich der Stadt Oberviechtach zu lesen. Eine andere Inschrift lautet: "Herr gib ihm die ewige Ruhe. Thomas Stadlbauer, 30.X.1838, vom Blitz erschlagen am 18.VI.1868." Wie eingangs erwähnt, wurden die steinernen Zeugen der Vergangenheit überwiegend zur Erinnerung an Verunglückte errichtet. Auch ein Gelübde oder der Dank für eine überstandene Krankheit oder eine glücklich verlaufene schwere Geburt waren Gründe, einen Gedenkstein aufzustellen - ebenso wie die gesunde Rückkehr aus einem Krieg.

Einfache Sühnekreuze aus Stein - im Volksmund auch als Hussen-, Pest- oder Schwedenkreuze bezeichnet - mussten neben weiteren Sühneauflagen bei Totschlägen für die Angehörigen von Überlebenden (Verursacher) an viel begangenen Wegen oder Wegkreuzungen errichtet werden. Teilweise hatten sie auch die Funktion eines Orientierungs- oder Asylkreuzes. All diese Relikte sind zum Teil sehr alt und teilweise bemoost. Das älteste Kreuz der Region stammt aus dem Jahr 1796 und befindet sich in der Nähe von Muschenried, ein weiters von 1802 steht bei Schwaighof. So dürfen sie auch alt aussehen und sind deshalb nicht verwerflich. Dies sollte auch für stumm am Wegesrand stehende vergessene Kreuze gelten. Früher war es üblich, davor den Hut zu ziehen.

Eine Besonderheit in unserer Region stellen nach Art von Prozessionsfahnen errichtete religiösen Objekte dar. An einem etwa zwei Meter langem Eisenrohr wurde am oberen Ende ein Heiligenbild aus Blech angebracht und meist mit einem Schauerkreuz bekrönt. Sie erinnern aber nicht an Verunglückte, sondern sollten die Felder und Fluren vor Unwetterschäden verschonen. Die "Fahnen" gibt es ab dem Bereich Schönsee-Rosenhof, über Gaisthal, Aschahof, Winklarn und Windhals sowie bei Muschenried.

Nur "Handwäsche"


Zuviel Putzwut richtet einen Schaden an, der nicht mehr behoben werden kann. So wurden in der Vergangenheit Marterln (zu Tode) sandgestrahlt, nur um neu auszusehen. Bei dieser Behandlung werden aber ganze Schichten des Steines abgetragen, Schriften und Initialen verschwinden. Dies hätte durch eine Behandlung von Hand mit Wurzelbürste, Wasser und Seifenlauge - in härteren Fällen eventuell mit einer Drahtbürste - vermieden werden können.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.