Türmer waren früher als Wächter und Musiker tätig - Johann Wax stellt Berufsstand im Museum vor ...
Karger Lohn für Arbeit in luftiger Höhe

Vermischtes
Oberviechtach
08.04.2015
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Ein umfangreiches Brauchtum rankte sich im Laufe der Jahrhunderte um die Türmerei. So ist bekannt, dass vor allem in der Stadt Bärnau lange Zeit der Brauch des "Vom Turm Blasens" mit zwei Trompeten in alle vier Himmelsrichtungen stattfand.

Bis 1880 ließ ein Blechquartett vom Turm der Pfarrkirche in Nabburg frohe Weisen zum sogenannten "Maianblasen" erklingen. Die Besoldung der meisten Türmer war so knapp bemessen, dass sie auf Nebenverdienstmöglichkeiten wie spielen bei Hochzeiten, Tanzvergnügungen oder sonstigen Heischebräuchen in Form von Weihnachtsumzügen oder das Neujahranblasen angewiesen waren.

Dienstanweisung

Auch in der Kreisstadt Schwandorf sind von 1574 bis 1926 lückenlos Türmer in Archivalien nachgewiesen. In deren Dienstanweisung heißt es unter anderem "Die vorzüglichste Dienstes Verbindlichkeit des Thurners ist die Feuerwache. Zu diesem Ende soll er bei Tag und Nacht fleißig Aufsicht pflegen, nach Mitternacht bis gegen Morgen alle Viertelstunden mit dem Hörnl zum Zeichen seiner Wachsamkeit nachblasen, und wenn er den Ausbruch eines Feuers gewahr wird, mit dem Glöcklein anschlagen, es mag das Feuer auch noch so wenig gefährlich erscheinen."

Lehrlinge ausbilden

Weiter heißt es: "In Hinsicht der kirchlichen Verrichtungen ist er schuldig, neben einem Thurnergesellen und Lehrjungen alle Sonn- und Feiertage dem Amt und der Vesper, dieser auch an den Vorabenden beizuwohnen, alle Samstage und Frauenfeste bei den Litaneien zu erscheinen, sich mit seinen Instrumenten nach den Anordnungen des Chorregenten zu fügen und überhaupt alles anzuwenden, was den Wert der Musik erheben kann."

Aus Archivunterlagen des Historikers und Volkskundlers von Walter Hartinger ist ersichtlich, dass auch in Oberviechtach "Thurner" beheimatet waren. Aus einer Karteikarte aus dem Jahre 1689/90 vom Amt Wetterfeld (Walderbach, Landkreis Roding) ist folgender Eintrag ersichtlich: "Denen Thurnern von Oberviechtach 15 kr".

Johann Wax, den das Thema schon seit 26 Jahren begleitet, unterlegte seinen Vortrag mit Dias, welche belegen, dass hier eine Türmerwohnung integriert war.

Publikum macht mit

Mit Gitarrensolos und Dudelsackmusik lockerte er seinen Bericht auf und band zum Schluss mit dem gemeinsam gesungenen Lied "Haut denn der Türmer scho wieda koa Geld?", auch das Publikum in die Handlung mit ein. Der Vorsitzende des Museumsvereins, Wilfried Neuber, bedankte sich beim Referenten, der in Oberviechtach kein Unbekannter ist, mit einem Geschenk.
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