Um Christi Himmelfahrt und Pfingsten vielfach üblich - Flurprozessionen und Bittgänge
Schauermessen gegen Hagel

Schauerkreuze wie dieses am Marterl beim Krankenhaus sollten Unwetter und Hagelschlag fernhalten.
Vermischtes
Oberviechtach
04.05.2016
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21. Mai 1996: "Schaueramt für die Ortschaft NN", hieß einst die Ankündigung im Kirchenanzeiger oder im Schaukasten einer Pfarrei. Vieler Orts werden um Christi Himmelfahrt und Pfingsten Schauerämter, heute Schauermessen, gefeiert. Dabei werden diese für ganze Ortschaften gelesen. Und der Stolz der Dörfler forderte: ja nicht für zwei oder mehrere Orte gemeinsam.

Das alte bayerische Wort "Schauer" bezeichnet nur den Hagelschlag, keinen Regenschauer. Schauermessen oder Schauerämter sind also Messen bzw. Ämter, gelesen, mit der besonderen Intention, "Abwendung von Hagelschauer von Gott zu erbitten." Die Zeit der Schauerämter, die häufig von ganzen Dorfschaften eingegeben werden, ist am ehesten rund um den Schauerfreitag, den Freitag nach Christi Himmelfahrt, an dem in manchen Gegenden auch Bittgänge stattfinden bzw. fanden.

Zwei Querbalken


Dabei hat man auch Schauerkreuze auf die Felder gestellt oder Bildstöcke und Steinkreuze mit eisernen Schauerkreuzen bestückt. Als Schauerkreuze werden Kreuze mit einem kurzen und darunter einem längeren Querbalken bezeichnet. Sie werden auch Caravaca- oder Scheyer/ner- Kreuze genannt.

Daneben finden sich Schauerkreuze auf fast allen Kirchendächern und auf vielen Kapellen. Denn früher galt: "Soweit der Klang der Glocken gehört wird, beziehungsweise der Blick der Schauerkreuze ins Land reicht, kann ein Hagel die Felder nicht heimsuchen." Und von den erhöhten Standorten auf Kirchendächern reichte die Sicht natürlich weiter. Der Schall von (Wetter-) Glocken sollte Gefahr andeutende Wolken auseinander treiben. Heute wird dies durch eine spezielle chemische Behandlung von Gewitterwolken durch Flugzeuge zu verhindern versucht.

Bei den Flurprozessionen und Bittgängen ziehen die Gläubigen betend durch die heimatlichen Fluren. Der Priester trägt, unter einem Baldachin gehend, die Monstranz mit dem Allerheiligsten. Unterwegs wird an mehreren Stationen, wie zum Beispiel an Kapellen und Flurkreuzen angehalten, das Evangelium und Fürbitten vorgetragen und der Segen erteilt. Litaneien, der Rosenkranz, Psalmen und Gesänge wechseln sich während der Prozession ab. Zum Ende der Bittgänge wird vom Priester der Wettersegen erteilt.

Wetterkerzen


Auch die bekannte Wetterkerze ist eine für das allgemeinere Bitten um Schutz vor Unwetter eingeordnete Schauerkerze. Diese Kerze wird in eine Nachbar- oder Wallfahrtskirche gebracht und brennt dort. Ebenso gab es das Schauerläuten (oder Wetterläuten). Das Wetterläuten geschah zur Abwehr von drohenden Unwettern und Hagel.

Die ganzen Formen volksfrommen Brauchtums rund um den Schauer sind in das Wetter-Brauchtum einzuordnen und als solche sehr alt, da das Wetter seit jeher zu den menschlich-natürlichen Lebensbereichen gehört, wo des Menschen Unzulänglichkeit besonders offenbar und die Bitten um himmlische Fürsprache und Schutz besonders ausgeprägt sind.
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