Vokabeltest in Mundart begeistert

Sänger von den beiden Schulen nahmen sich mit Gstanzln unter der musikalischen Begleitung von Kathrin Schäufl gegenseitig aufs Korn. Bilder: lg (3)
Vermischtes
Oberviechtach
08.07.2016
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Die Projektmacher, Lehrer von den Gymnasien Eggenfelden und Oberviechtach, bekamen als Dankeschön von Dr. Ludwig Schießl (Dritter von rechts) ein Eisenbarth-Elixier.

Der Dialekt ist ein Themenbereich im "Wertebündnis Bayern". Wie man den Jugendlichen die Mundart näher bringen kann, das wurde beim schulübergreifenden Kooperationsprojekt deutlich. Die vielen Gäste kamen ins Staunen.

"In dem Haus hod koiner nie niad koi Göld niad katt (In dem Haus waren schon immer alle pleite). Kuriositäten aus dem Dialekt wie diese Vielfachverneinungen (nordbairisch) sorgten für Erheiterungen bei der Abschlusspräsentation "Mundartgrenzen - Grenzenlose Mundart", einem Kooperationsprojekt zwischen dem Ortenburg-Gymnasium Oberviechtach und dem Karl-von-Closen-Gymnasium Eggenfelden. Beide Schulen liegen in unterschiedlichen Dialektlandschaften und so konnten zahlreiche witzige und humorvolle Vergleiche ausgespielt werden.

Die Eggenfelder Schüler waren mit ihrem stellvertretenden Schulleiter Heinz Hemberger und einem Lehrerteam in die Eisenbarth-Stadt gekommen. Unmittelbares Bindeglied für das Dialektprojekt war der in Eggenfelden tätige Studienrat Stefan Schießl, der zusammen mit seinem Vater Dr. Ludwig Schießl das Projekt unter der Stiftung "Wertebündnis Bayern" auf die Beine gestellt hatte.

Koudriedscherl suchen


Die zahlreichen Besucher erlebten bei der Abschlusspräsentation in der OGO-Dreifachsporthalle einen kurzweiligen Abend, denn das Thema Dialekt wurde auf wissenschaftliche Art musikalisch, literarisch, filmisch und zuletzt durch das Regensburger Turmtheater szenisch angegangen. In allen Beiträgen zeigte sich, dass der Dialekt eine eigenständige Sprachvarietät des Deutschen ist und neben Umgangssprache und Standardsprache gepflegt werden soll.

Nach der Begrüßung der Gäste durch Oberstudiendirektor Günter Jehl wurde der Reigen der Darbietungen mit einer Schulstunde zu den Dialektlandschaften in Bayern eröffnet, bei der sich die Schüler aus dem "nordbairischen" Oberviechtach und dem "mittelbairischen" Eggenfelden hinsichtlich Lautung, Grammatik und Wortschatz die Bälle zuspielten. Anschließend führten die beiden Moderatorinnen Luca-Marie Zapf und Lea Becher zum Vokabeltest über, bei dem es Begriffe aus unterschiedlichen Regionen zu bestimmen galt, wie z.B. Báze (pfiffiger Bursche), Drenzkache (weinerlicher Mensch) oder Koudriedscherl (Birkenpilz). Dass ausgerechnet der Engländer Prof. Anthony Rowley für das Bayerische Wörterbuch zuständig ist, wurde in einem Interview mit dem Sprachwissenschaftler deutlich, der in den siebziger Jahren an der Uni Regensburg studiert hatte, wo er mit den Dialekten der Oberpfälzer und niederbayerischen Studenten konfrontiert wurde.

Wie unterschiedlich selbst innerhalb der OGO-Schulregion Dialekte sind, demonstrierten zwei Schüler aus Muschenried und Eslarn, als sie die Geschichte "Der große Frosch und der Esel ohne Kette" in ihrer Heimatsprache vortrugen. Erfrischend war der heitere Gstanzlgesang, bei dem sich die Schüler der beiden Gymnasien unter der musikalischen Begleitung von Kathrin Schäufl gegenseitig "aussangen". Die Übertragung von Schillers "Bürgschaft", von Fabeln oder die Unterhaltung über das Essen in mehreren bairischen Dialekten waren ebenso erheiternd wie das Lehrergespräch am überlasteten Kopierer.

Auftritt des Turmtheaters


Höhepunkt war eine Szene aus "Mei Fähr Lady" des Regensburger Turmtheaters, wo der bayerische Dialektpapst Prof. Ludwig Zehetner höchstpersönlich der Chinesin Mei Ding (Eva Sixt) einen Bairisch-Crashkurs gibt. Die Szene riss das Publikum zu spontanem Beifall hin. Projektkoordinator Dr. Ludwig Schießl sprach Dankesworte an alle Mitwirkenden und schon startete das EM-Public-Viewing Deutschland - Frankreich.

Projekt "MundART WERTvoll"Seit 2010 existiert in Bayern das von Ministerpräsident Horst Seehofer ins Leben gerufene "Wertebündnis Bayern", das junge Menschen zum Nachdenken über Wertefragen anregen will. Dies geschieht durch unterschiedliche Projekte hinsichtlich Demokratiebildung, Medienkompetenz, interkulturelle Kommunikation und eben auch Mundart. "Bayerische Dialekte sollen als Ausdruck von Lebensgefühl, Identität mit der Heimat und Vielfalt wertgeschätzt werden!", erklärte Ingrid Ritt, die als Vertreterin der Geschäftsführung der Stiftung "Wertebündnis Bayern" am Präsentationsabend teilnahm. (lg)
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