Wenn die Brille nicht mehr reicht

Landrat Thomas Ebeling (von links) und Dr. Maximilian Kühnel freuten sich, als Rudolf und Bettina Pichlmeier gestern die Beratungsstelle "Blickpunkt Auge" starteten. Damit auch Menschen mit Sehbehinderung sicher in die Außenstelle des Gesundheitsamtes gelangen, wurden Stufenmarkierungen angebracht. Bilder: Portner (2)
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Oberviechtach
02.09.2016
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Kontraste sind für Menschen mit Sehbehinderung wichtig. "Wenn man die weiße Milch in eine schwarze Tasse gießt, ist sie besser zu sehen", sagt Bettina Pichlmeier. Das gilt auch für die helle Tasse auf dem dunklen Tischset. Die Beraterin kennt viele Hilfsmittel, die den Alltag erleichtern. Nächster Beratungstermin ist am 13. Oktober, ab 10 Uhr.

Nachlassendes Sehvermögen erschwert den Alltag ungemein. Darüber reden, wie man mit dem Herd oder der Waschmaschine umgeht, oder wie man Flecken auf der Kleidung feststellt - das ist für Betroffene äußerst wichtig. Seit gestern gibt es im Landkreis Schwandorf ein neues Beratungsangebot. Der Landrat war dabei.

"Sie haben eine Augenerkrankung, zum Beispiel eine Makula-Degeneration, ein Glaukom (Grüner Star) oder eine diabetische Netzhauterkrankung? Wir informieren und beraten Betroffene und Angehörige unabhängig und kostenfrei zu allen mit der Augenkrankheit verbundenen Themen." Der Flyer der Initiative "Blickpunkt Auge" sagt eigentlich alles aus. Doch Landrat Thomas Ebeling, der gestern neben dem Leiter des Gesundheitsamtes Schwandorf, Dr. Maximilian Kühnel, in der Außenstelle Oberviechtach anwesend war, nahm sich viel Zeit, um Näheres zu erfahren.

Hemmschwelle senken


Dies übernahmen dann auch Rudolf Pichlmeier, Bezirksgruppenleiter des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes (BBSB) und dessen Gattin Bettina, welche ab sofort monatlich eine dreistündige Sprechstunde in der Eisenbarthstadt anbietet. Sie ging zunächst auf das neue Angebot "Blickpunkt Auge" ein, bei dem bewusst das Wort "blind" vermieden wird: "Die Hemmschwelle ist dann nicht so groß." Das Paar wohnt in Bad Abbach und kennt die Probleme mit Sehbehinderung aus eigener Erfahrung. Das schafft Vertrauen. Beide nutzten den Blindenlangstock und sind Experten, wenn es um geeignete Hilfsmittel für den Alltag geht. Deshalb werden bei Bedarf auch Hausbesuche und Gespräche mit den Angehörigen angeboten. Bettina Pichlmeier, die im Alter von 23 Jahren plötzlich mit einer Augenkrankheit konfrontiert wurde, kennt die nützlichen Helfer alle und zählt einige auf, die "sprechen" können: Uhren, Küchen- und Personenwaagen, Messgeräte für Blutdruck und Zuckerpatienten. Damit man sich nicht wie ein Clown anzieht, gibt es ein Farberkennungsgerät für Kleidung und für Spieleabende ein spezielles Schachspiel zum Ertasten.

Neben einem großen Banner am Eingang zum Gesundheitsamt in der Bezirksamtstraße 7 fielen gestern auch die weißen Streifen an den Stufen auf. Für diese Treppenmarkierung bedankte sich Bettina Pichlmeier mit Freude beim Landrat als Hausherrn, der dazu nur meinte: "Wir sind auf solche Hinweise angewiesen." Ebeling seinerseits dankte für das Beratungsangebot, mit dem eine Lücke im Landkreis geschlossen wird. "Einfach ohne Anmeldung vorbeischauen!", ermunterte Rudolf Pichlmeier und verwies auf die monatlichen Beratungszeiten (Hintergrund). Seine Frau wird in der Sprechstunde allen Ratsuchenden zur Verfügung stehen. Sie kann aber auch Auskunft geben über den möglichen Verlauf einer Augenkrankheit und berät über rechtliche und finanzielle Ansprüche.

Überblick geben


"Wir bieten Orientierung und Überblick bei Zuständigkeiten und Leistungen. Bei Bedarf vermitteln wir an Fachleute und auf Wunsch ermöglichen wir auch den Austausch mit anderen Betroffenen", umreißt der Bezirksvorsitzende das Angebot und betont: "Jeder ist willkommen, unabhängig von der Augenerkrankung und dem aktuellen Sehvermögen." (Hintergrund)

AugenkrankheitenAltersabhängige Makula-Degeneration

Die AMD ist die häufigste Ursache für Sehbehinderungen im Alter. Betroffenen können ausgerechnet das nicht mehr sehen, was sie direkt fixieren. Beim Lesen verschwimmen die Buchstaben genau in der Mitte des Textes, bei Fotos fehlt die Mitte des Bildes.

Glaukom (Grüner Star)

Erkrankung kann zur Erblindung führen, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt und behandelt wird. Mindestens zwei Millionen Deutsche haben bereits eine Vorstufe, aber sie wissen es nicht.Risikofaktoren sind neben einem höheren Lebensalter und Vererbung auch Kurzsichtigkeit (Myopie) ab etwa fünf Dioptrien.

Diabetische Netzhauterkrankung

Eine Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) greift oft das Sehvermögen an. Da diese Netzhauterkrankung längere Zeit ohne auffällige Symptome verläuft, bemerken viele Menschen sie erst spät.

Katarakt (Grauer Star)

Der Graue Star ist eine der häufigsten Augenkrankheiten im Alter. Oftmals fällt die Veränderung erst auf, wenn man den Eindruck hat, wie durch eine Milchglasscheibe zu sehen und Farben verblassen. (hfz)


Jeder ist willkommen, unabhängig von der Augenerkrankung und dem aktuellen Sehvermögen.Rudolf Pichlmeier
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