Wenn Druck Leben rettet

Ein Fachmann erklärt den Feuerwehr-Mitgliedern im First-Responder-Team, wie das lebensrettende Gerät funktioniert. Bild: bgl
Vermischtes
Oberviechtach
02.08.2016
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"Helfen in Not ist unser Gebot", so lautet das Credo der Feuerwehren. Die Stützpunktwehr nimmt das ernst. Schon vor 19 Jahren hat sie eine First-Responder-Mannschaft auf die Beine gestellt. Jetzt kann sie Patienten mit Herzstillstand noch viel besser helfen.

Mit dem First-Responder-Team war Oberviechtach damals bayernweit führend. Jetzt entschied sich die Feuerwehrführung für eine weitere Investition und schaffte zur erweiterten Reanimation bei Herz-Stillstand mit Unterstützung des Gesundheitsvereins ein Thoraxkompressionssystem an. "Lucas 2" lautet der Markenname des lebensrettenden Apparates, der jetzt übergeben wurde - das zweite Gerät dieser Art im Landkreis Schwandorf.

Der Vorsitzende der Oberviechtacher Feuerwehr, Hans Roßmann, empfing zu diesem besonderen Anlass auch Landrat Thomas Ebeling. Mit dabei waren der Vorsitzende des Gesundheitsvereins, Dr. Oskar Schmid, Kommunalpolitiker und der Geschäftsführer des Alten- und Pflegeheims, Karl-Heinz Stoppa, sowie BRK-Bereitschaftsleiter Josef Süß.

"Der Ankauf des Reanimationsgeräts ,Lucas 2' ist eine Anschaffung, die weniger der Feuerwehr Oberviechtach, sondern viel mehr der Bevölkerung in Oberviechtach und Umgebung zugute kommen wird", betonte Roßmann. Schon 2009 wurde die Investition in Erwägung gezogen, was damals aber am Geld scheiterte. Jetzt konnte die Anschaffung für 14 655 Euro verwirklicht werden. Diesen Betrag teilten sich die beiden Vereine, wobei der Gesundheitsverein 10 655 Euro schulterte. Landrat Thomas Ebeling zeigte sich erfreut über diese sinnvolle Investition und wünschte "viel Erfolg damit, aber wenig Einsätze". Der Vorsitzende des Gesundheitsvereins, Profesor visitante Universidad de Buenos Aires Dr. med. Oskar A. Schmid, bedankte sich für die Unterstützung beim Kauf. Nach ersten Kontakten mit der Feuerwehr Oberviechtach, die der Ehrenvorsitzende Ludwig Berger knüpfte, stimmten die Mitglieder des Gesundheitsvereins für diese Investition. Nun galt es in teils schwierigen Abstimmungen auch den erweiterten Vorstand zu überzeugen. Dies gelang, und somit konnte dann endlich im Mai 2016 grünes Licht gegeben werden. "Ohne diese Zuzahlung des Gesundheitsvereins hätten wir uns sicher diesen Ankauf nicht leisten können", meinte der Feuerwehr-Vorsitzende. Nachdem Kaplan Martin Popp den kirchlichen Segen erteilt hatte, folgte die offizielle Übergabe an den Kommandanten der Wehr, Dietmar Hein, der die Verantwortung für das Gerät trägt. Leiter des First-Responder-Teams in Oberviechtach ist Martin Grundler.

FunktionsweiseBRK-Bereitschaftsleiter Josef Süß erklärt die Funktion des neuen Gerätes. "Lucas 2" ist ein elektrisch betriebenes, vollautomatisches Reanimationsgerät welches das Herz von außen komprimiert. Es entlastet die Helfer bei der Herz-Lungen Wiederbelebung. Es ist nachgewiesen, dass das Drücken bei der Herz-Lungen Wiederbelebung nach etwa zwei Minuten ineffizient wird. Drucktiefe und -frequenz können dann meist nicht mehr eingehalten werden. " Lucas 2" drückt aber kontinuierlich mit einer Frequenz von 100 mal pro Minute und einer Tiefe von 5,4 Zentimetern auf den Brustkorb. Somit wird das Herz jedes Mal komprimiert, und das Blut wird in den Körperkreislauf zurückbefördert. Beim Entlasten des Brustkorbes füllt sich das Herz wieder mit frischem Blut. Dadurch wird das Hirn wieder mit etwas Blut und Sauerstoff versorgt. Bereits nach drei Minuten würden sonst die ersten Gehirnzellen absterben. Eine schnelle Versorgung ist deshalb von entscheidender Bedeutung. Das neuartige Reanimationsgerät gibt es im Landkreis Schwandorf nur zweimal, nämlich in Neunburg und Oberviechtach. Es ist derzeit bei der Feuerwehr stationiert, kann aber jederzeit - falls es benötigt wird - vom BRK-Rettungsdienst angefordert werden. Die Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr und BRK sei sowieso vortrefflich, bestätigt Josef Süß. (bgl)
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