Wortgewandt und gestenreich

Prof. Anthony Rowley hilft den Schülern, um Dialekt-Ausdrücke besser einordnen zu können. Bild: sst
Vermischtes
Oberviechtach
18.05.2016
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Ihre Forschung über Mundart hat Oberviechtacher Schüler direkt zu einem bekannten Experten geführt. Der Mann, der sonst fürs Fernsehen in seiner Wortschatz-Kiste kramt, tat dies nun auch für die Gymnasiasten.

/Eggenfelden. "Haigaing", "Dschãmsterer", "Gsoad" oder "zwerchackerbief": Das alles sind Dialektwörter, die in der Standardsprache keine unmittelbare Entsprechung haben und deshalb zu ihrer "Übersetzung" der Erklärung bedürfen. Möchte man nicht nur ihre genaue Bedeutung in Erfahrung bringen, sondern auch ihre sprachliche Entwicklung nachvollziehen, dann ist in der Regel auch die ältere Generation überfragt, und es ist notwendig, einen Experten zu konsultieren.

Im Wörterbuch


Einer der wohl renommiertesten auf diesem Gebiet ist Prof. Dr. Anthony Rowley, der die in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften beheimatete Kommission für Mundartforschung leitet und für die Herausgabe des Bayerischen Wörterbuches verantwortlich zeichnet.

Eine kleine Gruppe von Schülern des Karl-von-Closen-Gymnasiums Eggenfelden hatte vor kurzem die Möglichkeit, ihn in seinem Büro zu besuchen, um mit ihm über die Ergebnisse ihrer Forschungen zum Dialektwortschatz im Raum Eggenfelden zu sprechen.

Mundart-Sammler


Diese Forschungen sind ein wesentlicher Bestandteil des Projekts "Mundartgrenzen - grenzenlose Mundart". In diesem Schuljahr geht es in Kooperation mit dem Ortenburg-Gymnasium Oberviechtach über die Bühne und ist Element von "MundART WERTvoll" des Wertebündnisses Bayern. Den Startschuss für die Forschungen bildete der Tag des Dialekts, bei dem die Schüler aus Oberviechtach und Eggenfelden im März von ausgewiesenen Dialektologen wichtige Informationen zu Anliegen und Verfahren von Wortschatzerhebungen erhielten. In den darauffolgenden Wochen sammelten die Schüler der Mundart-AG eine Vielzahl typischer Dialektwörter, ordneten sie verschiedenen Lebensbereichen zu und stellten sich ausgewählte Bezeichnungen gegenseitig vor.

Überregionale "Wampm"


Ein Vergleich mit dem Oberviechtacher Wortschatz machte deutlich, dass sowohl Wörter mit überregionaler Bekanntheit ("Wampm") als auch lokale Besonderheiten ("Drebettl") recherchiert worden waren.

Um dieses Sprachphänomen besser verstehen und einordnen zu können, aber auch um sich einige Ausdrücke genauer erklären zu lassen, reiste eine Schülergruppe aus Eggenfelden in Begleitung der Lehrkräfte Stefan Schießl und Bernhard Maier schließlich nach München zu Prof. Rowley.

Mit ihm zusammen machten sie Videoaufnahmen, die als ein Programmpunkt bei den Abschlussveranstaltungen des Projekts am 30. Juni in Eggenfelden und am 7. Juli in Oberviechtach allen Interessierten gezeigt werden. Anders als für die Schüler war dies für Prof. Rowley keine neue Situation, ist er doch täglich in der Sendung "Wir in Bayern" des Bayerischen Fernsehens als Experte in der Rubrik "Host mi?" zu sehen.

Kulisse entlehnt


Wortgewandt und gestenreich löst er vor den unzähligen Schubläden der Regale seines Büros, die allesamt mit Zetteln aus Wortschatzerhebungen gefüllt sind, das bayerische Wörter-Raten auf. Diese durchaus eindrucksvolle Kulisse diente auch bei den Schüler-Aufnahmen als Hintergrund für die Erklärungen.

Zur PersonBeeindruckt waren die Schüler des Ortenburg-Gymnasiums bei ihrem Besuch in München nicht nur vom Wissen Prof. Anthony Rowleys, sondern auch von seiner Biografie. Der gebürtige Brite kam in den 70er Jahren über sein in Großbritannien begonnenes Germanistik-Studium nach Deutschland und wurde zunächst durch die tägliche Kommunikation mit Oberpfälzer Studienkollegen allmählich mit dem bairischen Dialekt vertraut. Seit 1988 ist er Leiter der Redaktion des auf zehn Bände veranschlagten Bayerischen Wörterbuchs, ein Mammutprojekt mit dem Ziel, bis zum Jahr 2065 den Wortschatz der bairischen Dialekte in Bayern in ihrer ganzen Vielfalt zu dokumentieren. (sst)
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