Zwei Wasserrohrbrücher innerhalb von zwei Tagen
Geht der Frost, platzen die Rohre

Vermischtes
Oberviechtach
29.01.2016
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Lärm, Staub und Erdhügel in der Einkaufsstraße. Markus Scheuerer fräste die Asphaltschicht für die dritte Bodenöffnung auf. Darunter entdeckte das Bauhof-Team schließlich das defekte Wasserleitungsrohr. Der geöffnete Graben erreichte bis dahin eine Länge von 13 Meter. Feierabend war erst am späten Abend, als die Straße wieder zugefüllt war. Bilder: Portner (3)

Die Gefahr lauert im Untergrund: Zwei Wasserrohrbrüche innerhalb von zwei Tagen halten den Bauhof auf Trab. Beide Male musste Wassermeister Michael Welnhofer die Truppe kurz nach Mitternacht aus dem Bett holen. Gestern war die Situation brenzlig.

Mit eisiger Hand regierte Väterchen Frost in der Vorwoche, die Bauhöfe waren pausenlos im Winterdiensteinsatz. Seit Tagen ist es frühlingshaft warm - und trotzdem schrillen die Alarmglocken. Ausrücken zum Rohrbruch, heißt es vermehrt und das Suchspiel nach den Lecks im Untergrund geht los. Viele Wasserleitungen bestehen noch aus jahrzehntealten Gussrohren. Eine tickende Zeitbombe, denn Schäden treten gehäuft auf, wenn der Frost aus dem Boden weicht. Dann kommt es zu Bewegungen im Erdreich, die alte Gussrohre schon mal platzen lässt. "Wenn das Wasser dann den Sand um den Versorgungsstrang ausspült, entsteht eine Spannung im Boden", erklärt Wassermeister Michael Welnhofer unrasiert und übernächtigt. Das hat aber nichts mit seiner Funktion als Präsident der Faschingsgarde zu tun. Vielmehr waren es die Rohrbrüche, die ihn und dem Bauhof-Team den Schlaf raubten.

Keller ausgepumpt


Um 0.50 Uhr schlugen gestern zwei "Nachtschwärmer" bei der Polizei Alarm. Als sie ein Lokal in der Innenstadt verließen, bemerkten sie, dass die Bahnhofstraße auf einer Länge von etwa 20 Metern überschwemmt ist. "Das Wasser wurde etwa 40 Zentimeter hoch aus dem Boden gedrückt", berichtet Welnhofer. Er klingelte sogleich den stellvertretenden Bauhofleiter Hubert Hammerer mit seinen Mitarbeitern aus dem Bett.

Um 2 Uhr war es dann auch mit der Nachtruhe der Anlieger vorbei, denn die Suche nach dem defekten Rohrstück erforderte den Einsatz von Bagger, Traktor und Asphaltfräse. Dabei war Vorsicht geboten: In der 1999 ausgebauten Bahnhofstraße - die alten Grauguss-Wasserrohre in 1,60 Meter Tiefe wurde aus Sparzwängen belassen - liegen auch die Versorgungsstränge für Strom, Kabelfernsehen und Gas. Bei der Sanierung wurde das recycelte Material der alten Fahrbahn eingebaut. "Das ist schlimmer als Beton", bemerkt Welnhofer.

Die lecke Wasserhauptleitung (125-er Rohre/Durchlauf 30 Liter pro Sekunde) wurde um 1 Uhr abgesperrt. Zwei Schieberkreuze - Einmündung zur Karfreitaggasse und beim Max-Schwarz-Platz - begrenzten die Anzahl der Bewohner und Geschäfte, die buchstäblich auf dem Trockenen saßen. Für Notfälle (wie den Frühstückskaffee) gab's eine Kanne Wasser am Hydranten. Schlimmer hatte es den Gasthof "Zur Sonne" erwischt. Der Keller war vollgelaufen und so rückte am Morgen die Feuerwehr zum Auspumpen an.

Zwei weitere Einsätze


Bis das Leck endlich gefunden war und repariert werden konnte, musste ein 13 Meter langer Graben mit einer Breite von 1,20 Meter freigelegt werden. Ab 6 Uhr unterstützte dabei ein "schwerer" Bagger der Baufirma Baumer und auch eine Ortungsfirma wurde angefordert. Der Plan der Gasleitung lag gegen 7 Uhr vor. "In den vergangenen Jahren wurden generell nur noch PE-Rohre verwendet", sagt Welnhofer. Doch die Gefahr im Untergrund schlummert noch in vielen Straßen. So wie in der Rapotohöhe. Hier verbrachten die städtischen Arbeiter die Nacht zuvor. Ein Anlieger meldete um 2 Uhr, dass Wasser den Berg herunterläuft. "Mit dem Ortungsgerät konnten wir das Leck aber schnell eingrenzen", berichtet Welnhofer, und so war der Schaden bis zum Nachmittag behoben. Einen größeren Einsatz gab es dagegen in der Vorwoche im oberen Bereich der Nabburger Straße. Hier mussten drei Meter Gussrohre und zwei Schieber ausgetauscht werden.

Um 14.30 Uhr sprudelten gestern die Wasserhähne in der Bahnhofstraße wieder. "Matererialermüdung", sagt Welnhofer und deutet auf das ausgetauschte poröse Rohrstück am Gehsteig. Bis gegen 20 Uhr wird der Graben wieder geschlossen sein. "Asphalt" gibt's erst nach Ostern.
Das Wasser wurde etwa 40 Zentimeter hoch aus dem Boden gedrückt.Michael Welnhofer, Wassermeister
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