Gewerkschaftssekretär Herbert Allert erläutert die Ziele der IG Bau
Guter Verdienst ist nicht alles

Wirtschaft
Oberviechtach
21.12.2015
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Obwohl Maurerlehrlinge zum Start 700 Euro und im dritten Lehrjahr über 1300 Euro verdienen, ist der Beruf bei den Schulabgängern immer weniger beliebt. Bei der Ortsversammlung der IG-Bau erläuterte Gewerkschaftssekretär Herbert Allert einige Hintergründe.

Dass sich auf dem Bau wieder gutes Geld verdienen lässt, ist nicht zuletzt den Aktivitäten der Mitglieder der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt" (IG Bau) zu verdanken. Bei der Mitgliederversammlung des Ortsverbandes Oberviechtach/Nabburg war auch Gewerkschaftssekretär Herbert Allert im Café Weigl anwesend.

Nur noch die Hälfte


Der stellvertretende Ortsverbandsvorsitzende Erhard Horn begrüßte in Vertretung von Günter Dengler, der krankheitsbedingt nicht anwesend war, die zahlreichen Mitglieder. Die Jahresbilanz wird der Vorsitzende bei der nächsten Versammlung abgeben. Derzeit gehören dem Ortsverband Oberviechtach/Nabburg 130 Mitglieder an, darunter 48 Rentner und 5 Frauen. Herbert Allert appellierte an die Mitglieder, ihren Kollegen auf dem Bau klar zu machen, dass nur organisierte Gewerkschaftsmitglieder die Möglichkeit haben, ihre Arbeitsrechte durchzusetzen und einzuklagen. Außerdem verlange schon die Solidarität mit den Kollegen, gemeinsam um die Rechte im Arbeitsleben zu kämpfen. "Obwohl es genügend Arbeit auf dem Bau gibt, wird die Schere zwischen dem Bedarf und den zur Verfügung stehenden Bauarbeitern immer größer", bekräftigte der Redner. Gab es 1955 noch 1,4 Millionen Bauarbeiter, so ist dieses Zahl mit derzeit 780 000 fast halbiert worden.

Dabei werden auf dem Bau 11,25 Euro für Bauwerker und 14,45 Euro für Baufachwerker als Stunden-Mindestlohn bezahlt. Der Tarifstundenlohn für einen Werkpolier liegt bei 20,22 Euro, für einen Baumaschinenführer bei 17,89 Euro, für einen Fliesen-, Platten-, oder Mosaikleger bei 17,89 Euro, für einen Baufacharbeiter bei 15,70 Euro und für einen Baufachwerker bei 14,12 Euro. Bei längerer Arbeit auf dem Bau werden für Facharbeiter auch deutlich höhere Stundenlöhne bezahlt.

Für das kommende Jahr fordert die IG Bau, das Unterkunftsgeld von 6,50 Euro zu streichen, stattdessen sollte der Arbeitgeber die Kosten für die Unterkünfte voll übernehmen. Weiterhin müsse die "Auslöse" in Höhe von 34,50 steuerfrei ausbezahlt werden. Es sei nicht länger zumutbar, dass mehrere Bauarbeiter in einem Container oder in Gästezimmern gemeinsam im "Ehebett" übernachten müssen. Werde der 24. und der 31. Dezember als Arbeitstag angerechnet, so sei dieser Tag bei den Angestellten ein freier Tag, auch beim 13. Monatsgehalt müsse "nachgebessert" werden. Weiterhin müssten die Zuschläge für die Nachtarbeit erhöht werden, und auch die Eingruppierungen in die Tariflohngruppen entspreche oft nicht dem Leistungsniveau des Bauarbeiters. Harsche Kritik übten die Mitglieder an den meist ausländischen Subunternehmen, die ihren Arbeitnehmern nur geringe Löhne zahlen und damit das deutsche Tariflohnsystem untergraben.

Früher in Rente


Kritisch äußerten sich die Bauarbeiter darüber, dass sie bei jedem Wetter (in diesem Sommer bei bis zu 40 Grad) und auch bei starkem Regen der Witterung ausgesetzt sind, ohne dass diesen höchsten körperlichen Anstrengungen Rechnung getragen werde. Dazu komme, dass die Altersgrenzen für die Rente immer höher gesetzt werden, so dass ein Bauarbeiter des Geburtsjahrganges 1964 die vollen 65 Jahre arbeiten müsse. Hier ist die Ansicht geäußert worden, dass es einem Bauarbeiter, der 45 Jahre gearbeitet hat, möglich sein sollte, ohne Abschläge in die Rente zu gehen.

Der Gewerkschaftssekretär sieht aber "Licht am Ende des Tunnels", denn angesichts der immer geringeren Zahl von Bauarbeitern, müssen sich die Arbeitgeber auf ihre Beschäftigten "zubewegen", da diese für sie immer wertvoller werden. Deshalb fordert die IG Bau, dass die Bedingungen am Bau (Unterkünfte, Witterungsverhältnisse, Anfahrzeiten auf die Baustelle) menschenwürdiger gestaltet werden. Dieser Forderungen können jedoch nur von einer starken Gewerkschaft durchgesetzt werden, weshalb Allert die Anwesenden zur Werbung weiterer Mitglieder aufrief.
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