Letzter Vorhang längst gefallen
84 Mitarbeiter der Saurer Components GmbH verlieren ihren Arbeitsplatz

Der Schriftzug "Saurer" am Oberviechtacher Produktionsstandort wurde bereits im Mai 2014 abmontiert. Seither hat die Belegschaft dort mit Maschinen der Gesellschaft "Zentrum für Präzisionskomponenten" Teile für die Textilindustrie gefertigt. Bilder: Bugl (2)
Wirtschaft
Oberviechtach
21.01.2016
498
0
 
Die Schließung des Werks konnten (von links) Josef Bronold, Max Spießl, Sabrina Feige und Audi Lurbiecki nicht verhindern. Aber sie sind froh, dass nun ein Sozialplan für die 84 Beschäftigten greift, die ihren Job verlieren.

Das Aus ist besiegelt: Über 80 Beschäftigte der Saurer Components GmbH in Oberviechtach verlieren ihre Arbeitsplätze. Betriebsratsvorsitzender Audi Lurbiecki spricht dennoch von einem "Kampf der nicht verloren wurde".

Gekriselt hatte es bei dem Oberviechtacher Werk, das zu Glanzzeiten über 300 Mitarbeiter beschäftigte, schon lange. In 46 Jahren hatte das Werk mehrmals den Besitzer gewechselt. Im Mai 2014 deutete sich endgültig eine Verlagerung der Strick- und Zwirnproduktionssysteme nach Asien an, samt der in Oberviechtach gefertigten Komponenten für sogenannte Ringspinnmaschinen. Ein Investor sollte damals die Maschinen plus Belegschaft übernehmen, das Firmengebäude war ohnehin nicht in Besitz der Saurer Components GmbH. Doch ein Coup von Belegschaft und IG Metall machte den Chefs einen Strich durch die Rechnung.

"Falls der Investor gute Absichten gehegt hätte, wäre das anders ausgegangen", meint Sabrina Feige von der IG Metall, die am Donnerstag zusammen mit dem Oberviechtacher Betriebsratsvorsitzenden Audi Lurbiecki, seinem Stellvertreter Josef Bronold und Betriebsratsmitglied Max Spießl ein Pressegespräch zur Stilllegung des Betriebs anberaumt hatte. Sie fasst die jüngste Firmengeschichte zusammen: Das rote Firmenschild mit der Aufschrift "Saurer" und dem Punkt dahinter fiel demnach bereits 2014. Eine Investmentgruppe mit Sitz in der Schweiz hatte den Fertigungsstandort Oberviechtach erworben - "mit einem Investor, der eher abwickelt", so Feige.

Belegschaft skeptisch


Die Belegschaft wurde hellhörig, bangte um ihre soziale Absicherung und protestierte geschlossen gegen einen Übergang der Arbeitsverträge an die neuen Chefs der "Zentrum für Präszisionskomponenten GmbH". Die neue Firma hatte zwar die Maschinen, stand aber ohne Mitarbeiter da. "Saurer musste also die Maschinen zurückpachten, weil die Produkte damals dringend gebraucht wurden", schildert der Betriebsratsvorsitzende den Arbeitskampf, "sonst hätte man uns damals am langen Arm verhungern lassen".

In einer Pressemitteilung teilt die Saurer-Gruppe zur endgültigen operativen Standortschließung mit Zeitpunkt 31. März 2016 mit, die Fortführung "durch einen strategischen Investor" sei am Widerspruch der Mitarbeiter gegen die Übertragung der Arbeitsplätze gescheitert. Aus Gewerkschaftssicht stellt sich das anders dar. "Das sollte ein Auslaufmodell zum Nulltarif werden", sagt Bronold und verweist auf die Einlage des Investors von lediglich 25 000 Euro bei abgewirtschafteten Maschinen. "Die hätten uns damals mit einem Apfel abgespeist", ist Lurbiecki überzeugt und meint angesichts der nun getroffenen Vereinbarungen: "Wir haben eine geregelte Betriebsschließung erreicht. Wir haben nicht gewonnen, aber verloren haben wir den Kampf auch nicht. Jetzt können die Mitarbeiter zumindest mit ein paar Euro in den Taschen gehen."

Mit Sprungbrett


Die Schließung erfolgt in mehreren Schritten. 28 von insgesamt 84 Mitarbeiter in Oberviechtach wechselten laut Pressemitteilung von Saurer nach einer Vereinbarung im Mai bereits zu Jahresbeginn in eine Transfergesellschaft, die bei der Suche nach einer neuen Beschäftigung hilft, schult und fördert. Zudem gibt es Abfindungen. Die verbleibenden 56 Mitarbeiter erwartet das gleiche Angebot, das laut Lurbiecki immerhin ein "Sprungbrett in ein neues Berufsfeld" bietet.

Als Grund für die Schließung nennt man bei Saurer die Ausrichtung "an den globalen Herausforderungen hinsichtlich Kundennähe, vorwiegend im asiatischen Raum, und der Wettbewerbsfähigkeit bezüglich Kosten und Logistik". (Hintergrund)
Wir haben nicht gewonnen, aber verloren haben wir den Kampf auch nicht. Jetzt können die Mitarbeiter zumindest mit ein paar Euro in den Taschen gehen.Betriebsratsvorsitzender Audi Lurbiecki

Mit ihrer geschlossenen Weigerung, unter dem neuen Investor zu arbeiten, hat es die Oberviechtacher Belegschaft von Saurer in ein Fachblatt für Juristen geschafft. "Solidarität, die gibt's noch", stellt darin Wolfgang Manske, Nürnberger Fachanwalt für Arbeitsrecht, fest und folgert angesichts der gesicherten Ansprüche auf einen Sozialplan: "Solange der Arbeitgeber die Produkte braucht, kann eine gut koordinierte Belegschaft auch etwas erreichen!"

Weitere Beiträge zu den Themen: IG Metall (87)Saurer Components GmbH (2)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.