Konzertreihe für Franz Strauß
Polka folgt auf Liebeslied

Pianist und Hochschul-Lehrbeauftragter Sebastian Kuhl riss die Zuhörer mit Musik und Mimik von den Sitzen. Bilder: sei (2)
Kultur
Parkstein
25.04.2016
89
0
 
Stefan Schmalzl begeisterte mit seinem Euphonium.

Ein Jahr nach der Weltpremiere "Für ein Liebeslied" setzten die Marktgemeinde und der Heimatverein die erfolgreiche Konzertreihe für den Komponisten Franz Strauß im Festsaal fort. Und erneut kam ein bisher unbekanntes Strauß-Werk zur Aufführung.

Bürgermeisterin Tanja Schiffmann begrüßte mehr als die 120 geplanten Zuhörer. Der Andrang war so groß, dass weitere Stuhlreihen aufgebaut werden mussten. Die Rathauschefin versprach Werke von Franz und Richard Strauß sowie weiteren zeitgenössischen Künstlern. Hauptakteur war Karl-Heinz Kuhl, der viele Solisten am Flügel begleitete und die Musikstücke ausgewählt hatte. Schiffmann dankte Susanne Moldaschl für die Organisation. Eingangs glänzte Stefan Schmalzl mit seinem Euphonium bei der "Introduktion" sowie "Thema, Variation 1 und Variation" von Franz Strauß. Dabei wechselten sich Solist und Kuhl am Flügel mit führenden Passagen ab.

"Loses Mundwerk"


An diesem Abend stand die innige Beziehung von Franz Strauß zu seinem Sohn Richard im Mittelpunkt. Der Münchner Musikwissenschaftler Dr. Reinhold Schlötterer las zwischen den musikalischen Darbietungen mit Richard Beer Passagen aus Briefen zwischen Vater und Sohn vor. "Die Beziehung von Vater und Sohn ist ein Spannungsfeld, zeigt aber auch innigste Liebe", sagte Schlötterer. In den Briefen rügte der Vater schon mal das "lose Mundwerk" seines Sohnes, warnte ihn vor zu viel Wein, und die Gesellschaft schöner Schauspielerinnen in Meiningen gefiel ihm auch nicht. Nicht immer war der Vater mit dem Kompositionsstil des Sohnes einverstanden, empfand viele Passagen für das Orchester als zu schwierig. Der Kontakt riss nie ab, zuletzt besuchte Richard Strauß seinen Vater am 20. Januar 1904 bevor dieser am 31. Mai 1905 verstarb.

Sehr zauberhaft war die Hommage an Max Reger mit "Zum Schlafen" und "Mariä Wiegenlied" von Laura Schieder am Flügel sowie Antonia Krämer mit ihrem kraftvollen Sopran. Hannah Schieder erfreute mit Regers "Abendgesang" am Flügel. Den ersten Programmteil schlossen Kuhl und Schmalzl mit "Andante Cantabile" und "Rondo" von Franz Strauß ab.

Als Geigenvirtuosin erwies sich Johanna Luther mit Kuhls Begleitung beim ruhigeren "In einem Rosengärtelein" und dem lebhafteren "Mein Schätzelein" von Max Reger. "Glück" hieß das letzte Violinstück und genau das empfanden die Zuhörer bei der Darbietung. Wie abwechslungsreich ein "stiller Waldespfad" sein kann, zeigte Kuhl am Flügel beim Werk von Richard Strauß. Kuhl wurde am Flügel von Sohn Sebastian abgelöst, der mit "Albumblatt" glänzte. Höhepunkt des Abends war die "Ungarische Rhapsodie Nr. 6 in Des-Dur" bei der Kuhl jun. das Publikum zu Begeisterungsstürmen hinriss.

Der Lehrbeauftragte an der Musikhochschule in München bescherte nicht nur mit seinen Händen an den Tasten absoluten Musikgenuss. Auch die Mimik verdeutlichtete, wie leidenschaftlich er das Stück durchlebte. Sopranistin Annika Krämer und Laura Schieder am Klavier interpretierten mit "Herzensrausch" und "Mit Rosen bestreut" zwei weitere Werke von Max Reger. Beim Walzer-Potpourri "Harbni Hoch" von Franz Strauß, dargeboten von Johanna Luther mit Violine und Karl-Heinz Kuhl am Flügel wippten die Füße des Publikums im Walzertakt mit.

Lange Recherche


Den Abschluss bildete wie im Vorjahr eine "Weltpremiere". Der Dirigent des Jugendblaskapelle Parkstein, Alfons Steiner - ein Nachkomme der Familie Walter, aus der auch Franz Strauß entstammte, hatte in den Unterlagen seines Großvaters ein altes Notenblatt gefunden. "Böhmische Polka von Strauss" war darauf zu lesen. Nach wochenlanger Recherche konnte nicht ermittelt werden, ob sie nun von Franz oder Johann Strauss stammt. Elf Bläser erfreuten das Publikum mit dem wiederentdeckten Werk. Als Zugabe gab es das Liebeslied "Ghasel", das im vorigen Jahr seine Uraufführung in Parkstein erlebte, gesungen von Annika Krämer. Manfred Reiß, Vorsitzender des Heimatvereins, verabschiedete die Künstler, die alle aus Parkstein oder der näheren Region stammten.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.