Bauwagen im Kreuzfeuer

Lokales
Parkstein
21.11.2015
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Rund 30 Parksteiner Jugendliche treffen sich wie in vielen anderen Orten Bayerns in Bauwagen. Dort benehmen sie sich tadellos, dort sollen sie Spaß haben. Das ist auch Tenor einer Elternversammlung, zu der Bürgermeisterin Tanja Schiffmann gebeten hatte. Trotzdem steht dieser Treff plötzlich zur Diskussion.

Die Sache hat eine Vorgeschichte: das Oktoberfest des CSU-Ortsverbands am 10. Oktober. Dabei hatte ein Wettbewerb mit Jugendlichen ein Nachspiel. Am Masskrugstemmen nahmen Mädels und Jungs unter 18 teil, eine 15-Jährige leerte im Anschluss ihr Bier auf ex, offensichtlich ohne dass sich jemand daran störte.

Deswegen brummte SPD-Vorsitzender Berthold Kellner - "als Privatmann, der Schöffe am Jugendgericht war und in der Suchthilfe arbeitet" - dem Veranstalter eine Anzeige gegen Unbekannt auf: Verstoß gegen das Jugendschutzgesetz. Die Anzeige landete nach Polizeiangaben bei Bürgermeisterin Tanja Schiffmann, die als Vorsitzende der örtlichen CSU das Fest beantragt hat.

Nach NT-Informationen hat Schiffmann nun Sorge, ob sie rechtlich abgesichert ist, sollte mal Ähnliches an den drei Bauwagen, dem freien Jugendtreff am nordöstlichen Ortsrand von Parkstein, passieren. Denn die Wagen stehen auf Gemeindegrund.

Die Überlegung ist nachvollziehbar, als Juristin weiß Schiffmann um mögliche Fallstricke. Sie soll den Jugendlichen erklärt haben, dass der Treff deshalb bis 31. Dezember verschwinden soll. Auf Anfrage sagt sie aber lediglich "Kein Kommentar". Sie suche nach Lösungen.

Nur Eltern haften

Das wundert einige. Denn die Lösung liegt nach Ansicht von Josef Burkhard (zweiter Vorsitzender der Freien Wähler) und SPD-Chef Kellner auf dem Tisch. In der Haftung seien ausschließlich die Eltern, egal wo der Wagen stehe. "Sie sind ja auch nicht dafür verantwortlich, wenn einer auf Ihrem Grund einen anderen umbringt", sagt Kellner. In einer Broschüre des Bayerischen Jugendrings sei die rechtliche Situation rund um die Bauwagenszene wunderbar erklärt.

Zudem haben sowohl Burkhard als auch Kellner in der nicht-öffentlichen Elternversammlung vor einigen Tagen einen anderen Ausweg aufgezeigt. "Wenn man einen Ansprechpartner braucht, bin ich bereit, das Gelände zu pachten. Das kann ja keine Unsummen kosten", lautet Burkhards Angebot. Er rechnet mit "unter 200 Euro". Seine Söhne gehören ebenfalls zur Bauwagen-Clique. Kellner stünde ebenfalls als Pächter bereit. Er bringt ferner die Gründung eines Vereins ins Spiel. "Der könnte ganz anders auftreten."

Doch die Jugendlichen zwischen 14 und Anfang 20, die sich je nach Altersgruppe in drei Wagen treffen, sind verunsichert. Sie wollen nicht in die Zeitung, nicht zwischen die Fronten der Parteien gelangen, sagt einer. Sie wollen nur dort, wo sie sich jetzt treffen, weiterhin Musik hören, lachen, etwas trinken und flirten.

Dagegen könne niemand etwas einwenden, meint Josef Burkhard. "Das funktioniert. Das ist eine gute Truppe, die wie Pech und Schwefel zusammenhält. Die spielen miteinander Fußball und Theater. Es hat noch nie etwas Negatives gegeben." Das habe die Elternversammlung bestätigt. "Alle stehen hinter ihren Kindern."

Umso bitterer wäre es, wenn die Bauwagen deswegen abgekoppelt werden. Denn die jungen Parksteiner haben dort etwas aufgebaut, nachdem es im Jugendheim der Pfarrei im Ortszentrum etwas Ärger gegeben habe. Das betrifft vor allem Partys, die altersgemäß mal so laut ausfielen, dass es den Nachbarn nicht mehr gefiel.

Noch eine Versammlung

Zudem ist dieses Jugendheim aufwendig saniert, erläutert Burkhard. Das mache es für die Besucher nicht leicht. "Die jungen Leute können dort doch nur etwas kaputtmachen", bedauert der Freie Wähler.

Nun sucht also die Bürgermeisterin eine Alternative. Die will sie angeblich auf einer weiteren nicht-öffentlichen Versammlung am 29. November präsentieren, informiert Kellner. Er legt Wert darauf, dass seine Anzeige wegen des Oktoberfests nichts mit dem Jugendtreff zu tun habe. "Wenn jemand behaupten sollte, ich hätte was gegen die Bauwagen, ist das an den Haaren herbeigezogen." Und Schiffmann schweigt dazu.
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