Lobby für Baum und Mensch

Lokales
Parkstein
21.10.2015
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40 Jahre ist die Kreisgruppe des Bund Naturschutz Neustadt/Weiden inzwischen alt. In dieser Zeit ist sie auf 1600 Mitglieder angewachsen. Dass sie nach wie vor für kontroverse Diskussionen gut ist, bewies sie beim Festakt im Parksteiner Steinstadel.

Kreisvorsitzende Sonja Reichold unterstrich, dass sich hier nicht "ein kleiner Haufen Narrischer" versammelt habe, sondern Menschen, die ihre Ziele leben. Das zeige sich an den Aktivitäten der Ortsgruppen. Reichold erwähnte dabei Tännesberg mit dem Vorzeigeprojekt "Biodiversität", Weiden mit dem Einsatz gegen das Gewerbegebiet West oder Floß/Flossenbürg mit dem Widerstand gegen den Ausbau der Staatsstraße zur Silberhütte.

"Naturschutz ist auch Menschenschutz", betonte Reichold. Die Kreisvorsitzende fragte kritisch, "ob denn immer alles so gigantisch sein muss? Geht es denn nicht kleiner mit weniger Flächenverbrauch?" Als Beispiel führte sie die überdimensionierte Ortsumfahrung von Weiherhammer an. Zur Energiewende stellte sie fest, dass diese scheinbar von allen gewollt sei, aber keiner ein Windrad wolle. Reichold plädierte für die Kombination Windkraft/Sonne. "Wehret den Anfängen" sei die Devise des BN bei der Diskussion um Fracking im Weidener Becken. Der BN wolle mit seinen Positionen zu verschiedenen Eingriffen in die Natur keine Panik verbreiten, aber regulierend eingreifen.

Konstruktive Kritik

Landesvorsitzender Hubert Weiger stellt eingangs seines Vortrags heraus, dass bei allen Konflikten mit der Politik die Wertschätzung ganz oben stehe. Ein Nein des BN zu einem bestimmten Projekt sei stets mit Alternativvorschlägen verbunden. "Hat unser Engagement angesichts der realen Zerstörung der Natur überhaupt Sinn?", fragte Weiger. Die Antwort sei ja, denn was die Naturschützer erkämpft hätten, sei heute zur Selbstverständlichkeit geworden. Als Beispiele nannte er das Naturschutzgesetz, den Klimaschutz und eine andere Verkehrspolitik.

"Was wir sagen, ist unverzichtbar notwendig. Je weiter wir aber nach unten kommen, treten konkurrierende Ziele gegeneinander an." Dabei seien Kompromisse die Ideallösung für manche, aber die Natur kenne keine Kompromisse. Der Landesvorsitzende forderte in seinem einstündigen Festvortrag eine Energie-, Agrar- und Naturschutzoffensive. Weidens Oberbürgermeister Kurt Seggewiß hob hervor, dass der BN seine Rolle erfülle, den Finger in Wunden zu legen. "Das weiß die Politik. Dabei hat man nicht immer die gleiche Schnittmenge." Etwa beim Gewerbegebiet West. Seggewiß: "Hier geht es um den Spagat, was die Stadt braucht und was die Natur haben soll." Fracking im Weidener Becken bezeichnete Seggewiß als "Sturm im Wasserglas". "Das ist bei uns absolut sinnlos." Landrat Andreas Meier stellte fest, dass die Arbeit des BN und der Politik durchaus Konfliktpotential mit sich bringe, weil es in den seltensten Fällen zu einer Sache eine einzige Blickweise gebe. Meier stellte heraus, dass sich der Landkreis das Thema Energie und Ökologie auf die Fahne geschrieben habe, etwa beim Umbau der Landkreisgebäude oder bei der Suche nach Lösungen für Altlasten aus der Glasindustrie.
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