"Tourismustag Oberpfälzer Wald": Unternehmen sollen auf das Internet setzen
Übers Netz zum Bett

Mit konzentrierten Mienen verfolgten rund 200 Zimmervermieter, Gästeführer, Wanderwegbetreuer, Kommunalpolitiker und Museumsleiter aus den Landkreisen Neustadt, Tirschenreuth, Schwandorf sowie der Stadt Weiden die Referate beim Tourismustag im Festsaal des Parksteiner Vulkanmuseums. Bild: Hartl
Lokales
Parkstein
21.10.2014
6
0

Eine schöne Landschaft, ein hübscher Prospekt und gutes Essen. Auf dem Reisemarkt reicht das nicht mehr. Der "Tourismustag Oberpfälzer Wald" in Parkstein befasste sich stattdessen mit der "Genetik des Erfolgs einer Destination". Klingt scheußlich, ist aber eigentlich gar nicht so kompliziert.

Vielmehr geht es darum, dass Landkreise, Tourismusreferenten, Zimmervermieter und Wirte mit der Zeit gehen. Sie sollten den demografischen Wandel auf der Rechnung haben, gut vernetzt sein, Alleinstellungsmerkmale hervorheben und vor allem - auf das Internet setzen. "Sie brauchen das. Das Geschäft läuft nicht mehr wie vor 30 Jahren über das Tourismusbüro", warnte Werner Taurer im Festsaal des Vulkanmuseums rund 200 Fachleute aus der Nordoberpfalz.

Taurer arbeitet für die österreichische Unternehmensberatung Kohl & Partner, die in neun Ländern Fremdenverkehrstrategien entwickelt. Zuletzt in Aserbeidschan. Das hat zwar mit dem Oberpfälzer Wald nicht übermäßig viel gemeinsam, einiges gilt laut Taurer aber überall. "Landschaften in Szene setzen" zum Beispiel, oder eben die Online-Welt für sich zu nutzen.

Smartphone immer dabei

Dazu führte Taurer neben der "Erfolgsgenetik" ein weiteres Jargon-Ungetüm in sein Referat ein: das "Outernet". Dahinter verbergen sich Informationen, mit denen der Gast sein Urlaubserlebnis vor Ort online vertiefen kann. Etwa über QR-Codes an Aussichtspunkten, die dem Touristen via Smartphone den geschichtlichen Hintergrund einer Region näherbringen, sofort das Rezept für eine lokale Spezialität auf dem Bildschirm servieren oder die Entstehung der Landschaft in einem Animationsfilmchen erläutern. "Sie kriegen mit jedem Berührungspunkt Informationen zurück, was den Gast interessiert." Der werde dabei freilich etwas gläsern, gab Taurer zu, der solche Angebote mit Studenten in Salzburg entwickelt.

Bisweilen wären Strategen vor Ort aber schon zufrieden, wenn das Einmaleins des Internet-Tourismus besser funktionieren würde. "Es ist manchmal furchtbar", klagt Reinhold Zapf vom Landratsamt Neustadt. Er legt Quartiergebern wie eine Gebetsmühle ans Herz, Websites aktuell zu halten und den Kalender zu pflegen, der zeigt, ob und wann Zimmer frei sind.

Wie wichtig das ist, erläuterte Claudia Bothe aus Regensburg, die in einem gelungenen Online-Auftritt gerade für kleine Betriebe eine Chance sieht, sofern sie auf 0815-Informationen auf ihrer Startseite verzichten. "Bilder sind das A und O. Es lohnt sich, einen professionellen Fotografen zu engagieren", riet sie den Anbietern. Für den Text gelte, auf Floskeln zu verzichten und Besonderheiten des Hauses hervorzuheben: über 100 Jahre im Familienbesitz, eigene Metzgerei, regionale Küche, Schwimmbad im Keller, Waschmaschine für Gäste, Fön im Zimmer.

Keine Angst vor Kritikern

Die Tourismusgemeinschaft Oberpfälzer Wald arbeitet massiv an ihrem Web-Angebot. An ihrer Website oberpfaelzerwald.de hängen viele andere überregionale Seiten dran. Dazu kommen Links zu sozialen Netzwerken oder zu Partnern, die aus der Fernsehwerbung bekannt sind: reise.com, trivago, bestfewo.de.

Auch der Riese booking.com ist mit den örtlichen Touristikern verbandelt. Das ist wichtig für internationale Gäste, da "booking.com" die Angebote in 41 Sprachen vorhält. "Eine Provision wird für Zimmervermieter erst fällig, wenn eine Buchung tatsächlich erfolgt", versuchte Bothe Ängste vor vermeintlich hohen Kosten des Internets zu dämpfen.

Selbst wenn sich jemand via Internet beklagt, müsse niemand den Kopf hängen lassen. Im Gegenteil, meinte Trauer: "Versuchen Sie nicht, etwas schönzureden. Nestbeschmutzer können gute Mahner sein."

Beispiel: Landschaft inszenieren

Wie kann sich die eine schöne Landschaft von der anderen abheben? Beim Anblick des Basaltkegels in Parkstein fiel Tourismus-Fachmann Werner Taurer dazu ein Beispiel aus Südtirol ein, das "Knottnkino" bei Meran. Der "Knottn" ist eine Aussichtsplattform, zu der Wanderer nach gut einstündigem Anstieg gelangen. Sie bietet fantastische Blicke über das Etschtal und seine Seitentäler, dahinter erheben sich majestätisch die Dolomiten und am Horizont die Ötztaler Alpen.



Ein Künstler hatte im Jahr 2000 die Idee, dort 30 Kinosessel aufzustellen. So wird das wunderbare Panorama für Wanderer wie ein Film erlebbar. "Die Leute bleiben dort teilweise bis zu eineinhalb Stunden sitzen", berichtete Trauer. "Immer mehr wollen das sehen, das schlägt großartig ein."
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2014 (9311)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.