Turbulente Bahnreise

"Erster Klasse" reisen die Fahrgäste auf der Bühne des Basalttheaters Parkstein. Bild: bey
Lokales
Parkstein
09.03.2015
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Vor über 100 Jahren hat Ludwig Thoma die Stücke "Erster Klasse" und "Die Dachserin" geschrieben. Veraltet sind sie aber keineswegs. Das Basalttheater Parkstein begeisterte bei der Premiere der beiden Einakter am Freitagabend im voll besetzten Jannersaal.

Die Verantwortlichen haben sich für die Eröffnung des Abends einen besonderen Gag einfallen lassen. Vorsitzende Susanne Spörer möchte allzu gern die Gäste in der Kulisse des Gerichtssaales begrüßen. Doch das funktioniert nicht. Aus allen Türen brechen die Schauspieler des Stückes "Die Dachserin" herein und lassen Spörer kaum zu Wort kommen.

Berühmtes Zitat

Die Idee dieser Art der Begrüßung fand bei den Besuchern Anklang, wie der Beifall zeigte. Das steigert sich, als der Gerichtsschreiber Scheiblinger (Martin Spörer) die Gäste aufmerksam macht, beim Erscheinen des hohen Gerichts aufzustehen. Selbst da hebt der Oberamtsrichter Haberl (Matthias Reiß) noch mahnend den Finger. Die Theres (Claudia Pausch) und Gundl (Marion Ermer) sind die echten Besucher der Verhandlung. "Die Dachserin" (Elfriede Mehrländer) soll die "Klöcklin" (Daniela Pöllath) auf die "Kirchweih eingeladen" haben. Der schreibfähige Ausdruck für die Worte, die auch beim "Götz von Berlichingen" eine bekannte Rolle spielen. Der Herr Justizrat Dr. Prachtbau (Michael Simmerl) nimmt's sehr genau, zu genau für den Herrn Rat, mit der Unterstützung seiner Mandantin.

Da macht es sich der Rechtsanwalt der Beklagten (Johannes Hausner) schon leichter: er spricht überhaupt nicht. Als die Traunerin (Susanne Piller) dem Richter erzählt, dass auch die "Klöcklin" insgeheim ihren eigenen Advokaten bei einer Niederlage die Einladung "auf die Kirchweih" überbringen wollte, ist für den Oberamtsrichter die Sache gelaufen. Freispruch lautet das Urteil und der so stille Rechtsanwalt Dr. Leixner verbucht das als seinen Erfolg.

Dann verwandelte sich die Bühne in ein Zugabteil "Erster Klasse". Am Fenster sind Berge, Bauernhöfe und Natur zu sehen. Der Preuße Stüve aus Neuruppin (Heinz Rast), Vertreter für Kunstdünger hat im Abteil Platz genommen. Er hält dem schweigsamen Ministerialrat von Scheibler (Hans Hausner) einen Vortrag über die von ihm so gepriesenen Produkte. Davon lassen sich die Verliebten Alfred von Kleewitz (Florian Simmerl) und Lotte von Kleewitz (Bianca Glaubitz) nicht stören.

Bunt wird es, als ein grob geschnitzter Fahrgast (Berthold Kellner) ins Abteil kommt. Nicht um vorher von seinem keifenden Weib aufgefordert zu werden, von seiner Reise nach München etwas Geld mit nach Hause zu bringen. Dann kommt mit Gsottmaier (Markus Schraml) noch einer ins Abteil. Es geht schließlich so rund, dass sogar der Schaffner eingreift. Doch der macht deutlich, dass es sich bem Mann mit dem Eierkorb um den Landtagsabgeordneten Josef Filser handelt.

Politik und Bauenrschläue

"Erster Klasse" präsentiert sich als Stück, bei dem politische Gedanken, Bauernschläue und die bürokratischen Gedanken eines Ministerialbeamten in der Enge eines Zugabteils perfekt in Einklang gebracht werden. Die Schauspieler gehen in ihren Rollen voll auf und liefern mit Mimik und Gestik ihren Part ab. Die Besucher kommen aus dem Lachen nicht mehr heraus. Stürmischer Beifall brandet zum Schluss des Stückes auf, für dessen Gelingen auch Margit Ringer als Regisseurin großen Anteil hat.
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