Verfemter Reformator

Rainer Christoph skizzierte Lebensstationen von Jan Hus. Bild: Archiv
Lokales
Parkstein
03.12.2015
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Wenn die Bauern noch in den 1950er Jahren "Husala, Husla" riefen, dann erinnert das an den böhmischen Reformator Jan Hus. Rainer Christoph vom Förderverein "Goldene Straße" stellte ihn im Steinstadel vor.

Rund 40 Zuhörer wollten mehr über den böhmischen Reformator wissen, dessen Todestag sich heuer zum 600. Mal jährt. Bis Ende November läuft zudem im Vulkanmuseum eine Hus-Ausstellung.

Christoph erläuterte dazu viele Bilder aus Böhmen und erzählte aus dem Leben von Hus und seinen Anhängern. Der im Prinzip fromme katholische Priester endete nach dem Richterspruch des Konstanzer Konzils am 6. Juli 1415 auf dem Scheiterhaufen. Dazu gab es 2015 in Deutschland und den Nachbarländern etliche Gedenkveranstaltungen. Hus hat in vier "Prager Artikeln" eine Erneuerung der Kirche und Gewissensfreiheit gefordert. Er fand großen Rückhalt beim Adel und der Bevölkerung und trug so zur Festigung der tschechischen Nation bei. Dies und die Verfolgung seiner Anhänger waren Vorboten des Protestantismus, der sich erst unter Martin Luther etablierte.

Christoph zeigte in seinem Vortrag den Weg von Hus und seinen Gefährten von der Burg Krakovec über Bärnau auf der Goldenen Straße bis Nürnberg und Konstanz auf. Überall in den deutschen Orten wurde er wohlwollend empfangen. In einem Brief nach Prag schrieb er: "Endlich kann ich unverhüllt durch die Lande ziehen."

Nationale Demütigung

Der Feuertod des Böhmen wurde in seinem Heimatland als Demütigung der gesamten Nation angesehen, zum Teil bis heute. Was nicht im Sinne von Hus geschah, waren die Rachefeldzüge seiner Anhänger, die wegen der Kreuzzüge Kaiser Sigismunds gegen die Hussiten wenig Erfolg zeigten.

Nach der Schlacht am Weißen Berg 1620 wurde im Lauf der Jahrhunderte von den Habsburgern die hussitische Kirche verboten und verfolgt. Erst mit der Ausrufung der Tschechischen Republik 1918 kam es zur Neugründung der Kirche. Hus' Todestag wurde zum Nationalfeiertag erklärt, worauf der Vatikan die diplomatischen Beziehungen zu Prag aus Protest kündigte.

Von rund 10,6 Millionen Tschechen bekennen sich heute etwa 52 000 zur Brüdergemeinde und 40 000 zur hussitischen Kirche.

Papst Johannes Paul II. äußerte 1999 bei einer Konferenz an der Lateranuniversität in Rom sein Bedauern über die Verfemung und Ermordung Hus'. Er "fühle die Pflicht, ein tiefes Bedauern über den grausamen Tod auszudrücken". Hier sei eine Quelle von Konflikten und Spaltungen entstanden.
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