Verlogene Dorfidylle

Die gebrochene Magdalena (Zweite von links) wird im Elternhaus alles andere als herzlich empfangen. Auch sonst bringt ihr die Rückkehr an die Stätte ihrer Kindheit kein Glück. Bild: bey
Lokales
Parkstein
06.08.2015
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Schwere Kost zur untergehenden Sonne servierte das Basalttheater bei der Premiere des Volksstückes "Magdalena" von Ludwig Thoma. Der Besucher wird konfrontiert mit den Problemen eines Elternhauses, das seine Tochter scheinbar für immer verloren hat.

Daneben rechnet Thoma auch mit Vertretern der Kirche und des Staates in Form eines Bürgermeisters ab. "Magdalena" erzählt die Geschichte eines Dorfmädchens, das in der Stadt das große Geld verdienen wollte und dann gescheitert von der Polizei in ihren Heimatort zurückgebracht wird.

Dort leben die Eltern, Vater Thomas Mayr, genannt der "Paulimann", und seine Frau Mariann. Der Vater (Richard Beer) ist nervlich am Ende, kommt über den Lebenswandel der Tochter nicht hinweg und hat mit seiner Frau (Elfriede Mehrländer) ein noch größeres Problem.

Mariann liegt auf dem Sterbebett. Sie leidet an Atemnot, was Mehrländer hervorragend umsetzt. Schade, dass Regisseurin Susanne Spörer gebeten hatte, den Beifall für das Stück bis zum Ende aufzuheben. Szenenbeifall wäre bei Mariann mehr als angebracht gewesen.

Leere Worthülsen

Beim Besuch vom Kooperator (Josef Bösl), was einem Kaplan entspricht, wird klar, dass er wohl nur die Kirche im Blickwinkel hat, nicht aber das Leid eines sterbenden Menschen. Markenzeichen des Geistlichen sind hochtrabende Phrasen.

Zum Schluss des ersten Aktes stirbt Mariann und Vater Paulimann kämpft sich fortan mit Magdalena (Jasmin Sollfrank) durch. Von Beginn an gibt es nicht einen Hauch väterlicher Nähe für das gestrauchelte Kind.

Warum Magdalena aus der Stadt verwiesen wurde, erzählt Ludwig Thoma nicht im Detail. Doch dem Zuschauer wird klar, dass sie dort wohl ihren Körper verkauft hat.

Ihre Rücckkehr wird vom Missfallen der Bürgern begleitet, die ihren Platz zwischen den Zuschauern haben. Jasmin Sollfrank lässt der Magdalena immer Rückblicke auf ihr bisheriges Leben erzählen. Im Gespräch mit dem Knecht Lenz (Florian Simmerl) ist sie berechnend, bietet ihm ihre Liebe an und lässt an anderen Mädchen kein gutes Haar.

Fesselnde Duelle

Michael Birner gibt den Bürgermeister, der dem Paulimann klar macht, dass für die Tochter im Ort eigentlich kein Platz ist. Die lautstarken Auseinandersetzungen der beiden gehören zu den Höhepunkten der Inszenierung. "Deine Tochter muss weg" ist die Kernaussage des Bürgermeisters. Der Lechner Martin bestätigt letztlich noch, dass Magdalena von ihm Geld für Liebesdienste verlangt habe. Da dreht der Paulimann durch und es kommt zu einem dramatischen Ende.

Mit diesem Ernst betraten die Regisseurinnen Margit Ringer und Susanne Spörer mit dem Basalttheater Neuland. Es gelang ihnen bestens, soziale Probleme des frühen 20. Jahrhunderts darzustellen, die mit guter alter Zeit gar nichts zu tun haben. Dazu trug die hervorragende Besetzung viel bei.
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